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Maulwürfe: Buddeln, was das Zeug hält

Ein seltener Anblick: Maulwürfe buddeln fast nur unterirdisch und lassen sich kaum an der Erdoberfläche sehen.

 

Maulwürfe haben das Graben von unterirdischen Gängen als Lebenszweck auserkoren. Gerade im Frühjahr hinterlassen die emsigen Buddler Haufen an der Erdoberfläche und ärgern damit Bauern und Landwirte. Doch das Vorurteil, dass Maulwürfe nur Schaden anrichten und Wurzeln von Nutzpflanzen anfressen, ist längst überholt. Als Insektenfresser und Schädlingsvernichter stehen sie streng unter Naturschutz und dürfen nicht mehr verfolgt, gefangen oder gar getötet werden.

Die kleinen Hügel, mit denen sich Maulwürfe so unbeliebt machen, sind einzig und allein die Hinterlassenschaft ihrer Bautätigkeit. Das Aushubmaterial von Gängen, Schlaf-, Nest- und Vorratskammern wird mit dem Rüssel nach oben befördert und gewissermaßen vor der eigenen Haustür abgeladen. Damit werden sie auch ihrem Namen gerecht. Maul hat nämlich nichts mit der Schnauze zu tun, sondern stammt von dem alten Begriff Molte, was Erde bedeutet. Man könnte den Maulwurf deshalb auch als Erdwerfer bezeichnen.

Leidenschaftlicher Fleischfresser

Wenn Maulwürfe Feld und Garten heimsuchen, kann man eigentlich nur dankbar sein. Ihre Anwesenheit zeigt, dass der Boden gesund ist und dort zahlreiche Kleinlebewesen existieren. Der Maulwurf ist nämlich leidenschaftlicher Fleischfresser. Er ernährt sich ausschließlich von tierischer Nahrung wie Regenwürmern, Schnecken, Larven, Raupen, Engerlingen und anderen Wirbellosen. Auf etwa 37 Kilogramm Nahrung kommt er pro Jahr.

Einzelgänger

Außerhalb der Paarungszeit duldet der Einzelgänger niemanden in seinem Revier, nicht einmal Artgenossen. Auch Eindringlinge wie Wühlmäuse - die wahren Feinde im Gemüsegarten - vertreibt er erbarmungslos. Neben Schädlingsbekämpfung trägt der Maulwurf zur optimalen Auflockerung und Durchlüftung des Bodens bei. Wieder ein Vorteil für Landwirte und Hobbygärtner!

Kraftpaket

Um sein weitverzweigtes unterirdisches Jagdrevier umzugraben, nutzt der emsige Tunnelbauer seiner kräftigen, schaufelartigen Vorderbeine. Damit kann der Maulwurf das 20fache des eigenen Körpergewichts stemmen - ein echtes Kraftpaket also.

Im Gegensatz zu anderen Säugetieren hat er keinen Haarstrich. Das heißt, die Haare stehen nicht in eine bestimmte Richtung, sondern sind nach allen Seiten hin weich und beweglich. Das muss so sein, weil der Maulwurf sonst in seinen unterirdischen Gängen nicht rückwärts kriechen und sich nicht umdrehen könnte.

Graben, immer wieder graben

An die Erdoberfläche kommen die Buddler nur, wenn sie durch große Trockenheit oder Nahrungsmangel dazu gezwungen werden - und dann ausschließlich nachts. Ansonsten leben sie nach ihrer eigenen inneren Uhr. Sie graben im gleichbleibenden Rhythmus von drei bis vier Stunden. In der Zwischenzeit ruhen sie sich aus oder überprüfen ihr Bauwerk. Maulwürfe sind rund um das Jahr aktiv, einen Winterschlaf halten sie nicht.
 

Hervorragende Sinnesorgane

Entgegen der verbreiteten Meinung sind Maulwürfe übrigens nicht vollständig blind. Ihre Augen haben sich mit der Zeit nur an das Leben unter der Erde gewöhnt, sie sind winzig und liegen vergraben im Fell. Dafür besitzen die Tiere einen hervorragenden Tast- und Geruchssinn und ein ausgezeichnetes Gehör.

So kann der Maulwurf blitzschnell reagieren, wenn zum Beispiel ein Insekt in einen Maulwurfsgang fällt. Ohren und Nasentasthaare melden ihm jede noch so kleine Erschütterung.

Noch mehr zum Thema erfährst du in WAS IST WAS Band 68 Natur. Erforschen und schützen