Die große Wissenswelt
Die große Wissenswelt

Rudolf Virchow: Begründer der modernen Medizin

Virchows Forschungen über die Entstehung von Krankheiten revolutionierte die Medizin.© pd

 

 

Wer war Rudolf Virchow?

Rudolf Ludwig Karl Virchow wurde am 13. Oktober 1821 in Schivelbein in Pommern, im heutigen Polen, geboren. Er studierte Medizin in Berlin und war nach seiner Doktorarbeit als Arzt am Universitätsklinikum, der Berliner Charité, tätig. Er beschäftigte sich vor allem mit der Entstehung von Krankheiten. So beschrieb er als erster die Krankheitsbilder von bis dahin unerforschten Krankheiten wie Thrombose (Bildung von Blutgerinnseln) und Leukämie (Blutkrebs).

Was ist Zellularpathologie?

Virchow beschäftigte sich intensiv mit der Entstehung und dem Verlauf von Krankheiten – einem Gebiet, über das man damals kaum etwas wusste. Seine Erkenntnisse veröffentlichte der Mediziner 1856 in seiner Theorie zur Zellularpathologie. Diese beruht auf der Tatsache, dass der gesamte menschliche Körper aus winzigen Untereinheiten, den Zellen, besteht, die alle verschiedene Aufgaben erfüllen. Wenn es nun zu einer Störung oder einer Fehlfunktion der Zellen kommt, wird der Mensch krank. Wenn man jedoch wüsste, bei welcher Krankheit welche Zellen in welcher Art fehlerhaft arbeiten, könnte man sie sehr viel gezielter behandeln.

Veraltete Theorien

Bevor Virchow und seine Zeitgenossen diese Theorie begründeten, galt in der Medizin immer noch ein veraltetes Konzept aus der Antike. Der griechische Arzt Hippokrates hatte bereits 400 vor Christus die so genannte Viersäftelehre eingeführt. Sie geht davon aus, dass im Körper die vier Säfte Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle fließen, die alle von unterschiedlichen Organen produziert und gespeichert werden.

Wenn sich alle vier Säfte im Gleichgewicht befinden, sprachen die Ärzte des Altertums von Gesundheit. Wenn jemand krank wurde, schlossen sie daraus, dass bei einem der Säfte ein Mangel, ein Überschuss oder sonst eine Störung vorlag. Behandelt wurde dann mit dem Ziel, die Gleichheit zwischen den Säften durch Diäten, Heilmittel oder Operationen wieder herzustellen.

Ein Multitalent

Mit seiner Theorie von der Zellularpathologie warf Rudolf Virchow das Konzept der Viersäftelehre, das über 2000 Jahre galt, über den Haufen. Von nun an konnte man sehr viel gezielter die Ursachen und Verläufe von Krankheiten erforschen und diese somit auch besser behandeln. Seine Lehre gilt bis heute und legte den Grundstein der modernen Medizin.

Bis ins hohe Alter arbeitete Rudolf Virchow. Doch eines Tages sprang er auf dem Weg zur Arbeit aus der Straßenbahn und brach sich die Hüfte. Von dieser Verletzung erholte er sich nicht mehr und starb im Alter von 80 Jahren. Doch seine Lehre hat die Medizin revolutioniert und den Weg für bahnbrechende Forschungen geebnet.

Noch mehr zum Thema erfährst du in WAS IST WAS Band 50 Der menschliche Körper. Wunderwerk der Natur