Die große Wissenswelt
Die große Wissenswelt

Henrietta Swan Leavitt: Die erste Frau in der Weltraum-Forschung

Viele Jahrhunderte beschäftigten sich ausschließlich Männer mit der Astronomie. Die US-amerikanische Astronomin Henrietta Swan Leavitt gilt al erste Frau, die auf diesem Gebiet wissenschaftlich arbeitete. Im Laufe ihrer Forschung entdeckte sie über 2400 neue Sterne und fand den Schlüssel für die Unendlichkeit des Universums. Nach ihr wurden ein Asteroid und ein Mondkrater benannt.

Stern

Leavitt hatte die Perioden-Leuchtkraft-Beziehung bei Cepheiden entdeckt und damit den Schlüssel zur Vermessung des Universums gefunden.Quelle: ©ixpert, Shutterstock
 

Henrietta Swan Leavitt wurde am 4. Juli 1868 in Massachusetts geboren. Schon als Jugendliche interessierte sie sich für die Sterne und belegte Kurse am College. Nach ihrem Abschluss verhinderte zunächst eine schwere Krankheit, dass sie ihr astronomisches Wissen vertiefte. Sie wurde zwar wieder gesund, doch es blieb ein schwerer Hörschaden zurück. Swan Leavitt war fast taub, bewarb sich aber dennoch erfolgreich als freie Mitarbeiterin am Harvard College Observatory.

Menschlicher Computer

Erst nach sieben Jahren wurde Henrietta Swan Leavitt fest angestellt. Ihr Job war nicht eben spannend, aber die gehörlose Wissenschaftlerin verfolgte ihn mit großer Sorgfalt: Für 30 Cent war sie wie heute ein Hochleistungsrechners damit beschäftigt Sternenpositionen auszurechnen und zu katalogisieren. Allein 1904 konnte sie 172 Sterne in der großen und 59 in der kleinen Magellanschen Wolke entdecken. Bei diesen Sternen schwankte scheinbar die Helligkeit, deshalb wurden sie als "variable Sterne" bezeichnet. Dazu verglich sie Fotos der beiden Magellanschen Wolken, den Begleitgalaxien der Milchstraße, und fand hunderte dieser kosmischen Blinkfeuer. Ein Jahr darauf berichtete sie von 843 neuen variablen Sternen in der kleinen Magellanschen Wolke.

Die Leuchtkraft der Sterne

Als Leavitt 1912 die Sterne nach Helligkeit und Periode sortierte, gelang ihr eine Entdeckung: Es schien, als wären Sterne, die in kurzem Rhythmus flackerten, lichtschwächer als solche mit langer Periode. Weil alle untersuchten Sterne gleich weit von der Erde entfernt sind, spiegeln die Helligkeiten am Himmel die echten Leuchtkräfte wider. Daraus können die Astronomen umgekehrt auf die Distanzen schließen. Leavitt hatte die Perioden-Leuchtkraft-Beziehung bei Cepheiden entdeckt und damit den Schlüssel zur Vermessung des Universums gefunden.

Größter Erfolg erst nach dem Tod

Im Jahr 1923 maß Edwin Hubble mit der Cepheiden-Methode erstmals die Entfernung zu einer fernen Galaxie, dem Andromedanebel. Vor diesen Entdeckungen konnte man nur mit Entfernungen bis zu 100 Lichtjahren rechnen, danach stellten Distanzen bis zu 10 Millionen Lichtjahren kein Problem mehr dar. Auf Leavitts Erkenntnissen basierend konnte Edwin Hubble erstmals beweisen, dass sich hinter der Milchstrasse weitere zahllose Galaxien befinden, die auf eine ungeheure Ausdehnung des Universums schließen ließen. Henrietta Swan Leavitt erlebte diesen Erfolg nicht, sie starb am 12. Dezember 1921 an Krebs.


Henrietta Swan Leavitt war eine der ersten Frauen in den höheren Wissenschaften. Zu ihren Ehren tragen der 1973 entdeckte Asteroid 5383 und ein Krater auf der Mondoberfläche ihren Namen.

 

Noch mehr zum Thema erfährst Du in WAS IST WAS Band 102 Universum. Geheimnisse des Weltalls