Themenspezial

Erde

Die Gezeiten: Ebbe und Flut

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Der 1. Flutberg liegt direkt dem Mond zugewandt, der 2. Flutberg genau gegenüber. Die Erde "eiert" um den gemeinsamen Schwerpunkt des Systems Erde-Mond. Diese Bewegung führt auf der mondabgewandten Seite zu einem Überwiegen der Fliehkraft gegenüber der dort schwächeren Anziehungskraft des Mondes.

 

Erde und Mond

Ebbe und Flut entstehen durch das Zusammenspiel von Erde und Mond. Beide drehen sich um einen gemeinsamen Schwerpunkt, der noch im Inneren der Erde liegt, aber nicht mit dem Drehpunkt der Erde zusammenfällt. In den Weltmeeren gibt es dadurch seit ihrem Bestehen zwei Flutberge: auf der mondzugewandten Seite der Erde entsteht er durch die Anziehungskraft des Mondes, auf der mondabgewandten Seite durch die Fliehkraft des sich drehenden Erde-Mond-Systems. Beide Flutberge sind etwa einen halben Meter hoch.

Tidenunterschiede in der Nordsee

Die Erde dreht sich bei ihrer täglichen Rotation in 24 Stunden unter diesen beiden Flutbergen hinweg. Dadurch gibt es zweimal täglich Hochwasser und zweimal täglich Niedrigwasser. Den Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser nennt man Tidenhub.

Die relativ großen Tidenunterschiede in der relativ kleinen Nordsee sind Fernwirkungen aus dem Atlantischen Ozean: die atlantische Flutwelle schwappt vom Osten her durch den Ärmelkanal und zwischen Schottland und Norwegen vorbei in die Deutsche Bucht. Auf Borkum ist daher das Hochwasser etwa sechs Stunden eher als in Brunsbüttel. Der Wasseraustausch der großen Ozeane mit der Ostsee dagegen ist durch Skagerrak und Kattegat nur gering - deshalb machen sich die Gezeiten an der schleswig-holsteinischen Ostküste kaum bemerkbar.

Spring- und Nipptide

Die Sonne hat an dem Ebbe-Flut-Geschehen nur einen 10-Prozent-Anteil: Stehen Sonne, Erde und Mond in einer Achse, also zu Neumond und Vollmond, so bewirken die relativ schwachen Anziehungskräfte der weit entfernten Sonne eine leicht Erhöhung der Flutberge. Der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser beträgt dann 3,30 Meter. Dies nennt man Springtide. Wenn die Anziehungskräfte von Sonne und Mond dagegen im ersten und letzten Mondviertel senkrecht zueinander stehen, verflachen die Gezeitenwellen zur Nipptide und der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser beträgt dann 3,0 Meter.

Ebbe (ablaufendes Wasser) und Flut (auflaufendes Wasser) sind übrigens Vorgänge, während Hoch- und Niedrigwasser die dazwischen liegenden Zeitpunkte bezeichnet.

Noch mehr zum Thema erfährst du in WAS IST WAS 143 Ozeane. Die Meere erforschen und schützen

sowie in WAS IST WAS Band 1 Unsere Erde. Der blaue Planet