Die große Wissenswelt
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Was ist Klonen?

Mattis, 9 Jahre, fragt:

Es ist eine Zukunftsvision, die es Jahrtausenden gibt: Könnte man die exakte Kopie eines Menschen erzeugen? Einen Menschen „klonen“, wie der wissenschaftliche Fachbegriff heißt? Was ist „klonen“ überhaupt? Das möchte Mattis, 9 Jahre, wissen.

Geklontes Schaf
Als 1996 das erste Schaf geklont wurde, war das eine Sensation. heute ist das Klonen von Nutztieren nichts Ungewöhnliches mehr. Quelle © Jason Benz Bennee, shutterstock
 

Der Begriff „Klonen“ ging 1996 erstmals um die Welt. Damals war es Wissenschaftlern gelungen, ein schottisches Schaf zu klonen. Die Forscher hatten dazu aus der Eizelle eines Schafes den Zellkern entnommen und dafür den Zellkern einer von einem zweiten Schaf stammenden Zelle hineingegeben. Diese veränderte Eizelle wurde dann in die Gebärmutter eines dritten Schafes eingesetzt. Hier entwickelte sich das Klonschaf Dolly zum Lamm.
Dolly hat also eigentlich drei Mütter die Eimutter, die Genmutter und die Leihmutter - aber keinen Vater. Man spricht bei diesem Vorgang auch vom „reproduktiven Klonen“.

Verspäteter Zwilling
Klone werden nicht durch die Paarung eines Mutter- und Vatertiers, sondern ungeschlechtlich gezeugt. Bei einer normalen Befruchtung mischt sich das Erbgut von Mutter und Vater im Verhältnis 50:50. Der Zellkern, aus dem Dolly entstand, enthält jedoch zu 100% das Erbgut der Genmutter, ist also identisch mit dem Tier, von dem der Zellkern stammt. Ein Klon könnte somit auch als verspäteter Zwilling bezeichnet werden.

Bei primitiven Lebensformen ist Klonen normal
Fast alle Einzeller, etwa Bakterien, Pilze oder Hefen, vervielfältigen sich durch das Teilen einer Zelle in zwei gleiche Zellen. Auch Blattläuse und Wasserflöhe vermehren sich ohne Beteiligung eines Männchens.

Künstliche Zwillinge in der Tierzucht
Für Züchter ist die künstliche Fortpflanzung weit weniger Aufwand, als die Tiere zur Paarung zusammenzuführen. 1986 kamen die ersten künstlichen Schafzwillinge zur Welt. In vielen Labors wird die Methode weiter verbessert, um noch mehr wertvolle Nachkommen ausgesuchter Vater- und Muttertiere von Schafen, Rindern, Schweinen oder Pferden zu erzeugen.

Das Klonieren ist für Tierzüchter aber noch interessanter: Da Zwillinge Vater und Mutter haben, mischt sich hier das Erbgut von zwei Tieren. Die gewünschten Eigenschaften können also verloren gehen. Mit dem Klonen lässt sich ein prämiertes Rennpferd, eine Hochleistungskuh oder ein Superschwein 100% identisch und beliebig oft kopieren.

Was ist „therapeutisches Klonen“?

Was bei Nutztieren funktioniert, ist seit 2013 theoretisch auch beim Menschen möglich. Ein internationales Forscherteam bewies in einer Studie, dass sich menschliche Stammzellen klonen lassen. Dabei wurden aber keine menschlichen Klone erschaffen, da das Experiment nach 7 Tagen abgebrochen wurde.  Es ging den Forschern darum, Verfahren zu entwickeln, um später einmal damit schwere Krankheiten heilen zu können.

Dieses so genannte „therapeutische Klonen“ ist aber aus moralischen Gründen sehr umstritten. Die deutsche Gesetzgebung verbietet zwar Versuche an menschlichen Eizellen, aber in vielen Ländern gelten weniger strenge Vorschriften. Wahrscheinlich wird also das, was wissenschaftlich machbar ist, auch irgendwann einmal ausgeführt.

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