Die große Wissenswelt
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Überlebenskünstler: Pflanzen im Hochgebirge

Der Enzian ist eine vom Aussterben bedrohte Hochgebirgspflanze. Pflücken ist streng verboten. Quelle: © Paul, Shutterstock

 

Wer schon einmal im Hochgebirge wandern war – zum Beispiel in den Alpen - - weiß: In Regionen über 2000 Metern, in denen keine Bäume mehr wachsen, gedeihen die farbenprächtigsten Blumen. Eigentlich erstaunlich, dass in diesen Höhen Blumen leben, wo es doch gerade hier die meiste Zeit des Jahres über eiskalt ist.

Langer Winter, kurzer Sommer

Erst Ende Juni nach der Schneeschmelze beginnt im Hochgebirge der Frühling und schon nach drei Monaten ist die schöne Jahreszeit vorbei und der erste Schnee fällt. In dieser kurzen Periode müssen die Blumen alles erledigen, was für den Fortbestand ihrer Art nötig ist: Blüte, Wachstum und Samenbildung.

Erschwerend kommen die starken Temperaturschwankungen innerhalb eines Tages hinzu. Vor allem im Frühling und Herbst kann sich der Boden, der direkt der Sonne ausgesetzt ist bis zu 40 Grad Celsius erwärmen, während es nachts Minusgrade gibt.

Außerdem müssen die Pflanzen auf kargen Böden überleben und dem starken Sonnenlicht, insbesondere der ultravioletten Strahlung trotzen. Trockenheit müssen sie ebenso aushalten wie starken Wind.

Anpassungsmechanismen

Arten, die direkt auf Felsen wachsen bilden oft Polster, um sich vor dem Wind zu schützen und den Humus besser zu halten. Sie schaffen sich dadurch sogar ein eigenes Mikroklima. Um sich vor Wind und Austrocknung zu schützen, werden viele Blumen nicht sehr hoch und bilden dichte Behaarung oder wachsartige Überzüge.

Trotz häufiger Niederschläge müssen die Alpenpflanzen oft unter Trockenheit leiden, da die kargen Böden das Wasser nicht lange speichern und starker Wind zu Austrocknung führt. Manche Pflanzen wie der Hauswurz können in ihren Blättern Wasser speichern. Im Winter sorgen Zuckermoleküle im Zellsaft dafür, dass die Flüssigkeit im Hauswurz nicht gefriert.

In guter Gesellschaft

Manche Arten trifft man in der Regel gemeinsam an. Sie bilden so genannte Pflanzengesellschaften, da sie die gleichen Böden benötigen. Unterschieden werden dabei kalkliebende und kalkmeidende Gesellschaften. Zu den kalkliebenden gehören zum Beispiel. der Gelbe Enzian, die Alpenanemone, das Immergrüne Felsenblümchen und die Bewimperte Alpenrose. Arnika, Bärtige Glockenblume und Rostrote Alpenrose treten hingegen in kalkarmen Gegenden auf.

Blumen auf Wanderschaft: Eiszeitrelikte

Wie sich das Leben der Gebirgspflanzen über die Jahrtausende hinweg veränderte erzählt uns die größte in den Alpen vorkommende Primel, die Aurikel oder Primula  Die 5 bis 25 cm hohe, gelbblühende Blume, die nur auf kalkhaltigen Matten und in Felsspalten lebt, findet man normalerweise in Höhen von 1600 bis 3400 Meter.

In den letzten Eiszeiten wurde es ihr in den Bergen aber zu kalt, so dass sie sich in tiefere Lagen zurückzog. Dort ist sie noch heute an bestimmten Stellen, wie beispielsweise in der Donauenge beim Kloster Weltenburg, anzutreffen. Hier lebt sie als Eiszeitrelikt. Nach Ende der letzten Eiszeit wanderte die Aurikel zurück in die nun wieder gletscherfreien Zonen des Gebirges.

Da die Aurikel heute sehr selten geworden ist, steht sie unter besonderem Schutz. Nur in Österreich dürft ihr sie ungestraft mit euch herumtragen zumindest im Geldbeutel. Dort ziert sie nämlich die Rückseite der 5-Cent-Münze.

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