Die große Wissenswelt
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Rehe: So leben sie in unseren Wäldern

Rehe gehören zu den scheuen Waldbewohnern. Meistens bekommt man sie nur in der Dämmerung zu Gesicht. Und selbst dann muss man ganz leise und vorsichtig sein, wenn man sie beobachten will. Sie sehen zwar nicht sehr gut, hören und riechen dafür aber umso besser. Im November und Dezember sind Rehe besonders aktiv, denn dann beginnt ihre zweite Paarungsphase.

Rehkitz

Etwa drei bis vier Wochen bleibt ein Kitz in Deckung während seine Mutter äst und nur zum Säugen zurückkehrt.Etwa ab der vierten Woche darf es das Muttertier begleiten und lernt, was es fressen darf und was nicht.
 

Zu einer Rehfamilie gehören - ganz klar - Mutter, Vater und Kind. Der männliche Vertreter wird Rehbock genannt. Das weibliche Reh heißt in der Fachsprache Geiß oder Ricke. Das Junge, das die ersten drei Monate deutlich an seinen weißen "Bambi-Flecken" zu erkennen ist, nennt man Kitz.

Rudelleben

Von einem klassischen Familienleben kann man allerdings nicht sprechen. Die Ricken leben vor allem während der ersten Wochen nach der Geburt des Kitzes als Einzelgänger in einem kleinen Aktionsraum, den sie gegen andere weibliche Artgenossen verteidigen. Die so genannte Brunftzeit findet im Juli und August und dann noch einmal in abgeschwächter Form im November und Dezember statt.

Geweih als Waffe

In der Brunftzeit kommt dann auch das knöcherne Geweih der Böcke zum Einsatz. Sie verwenden es als Waffe, wenn sie ihr Revier verteidigen und um die Gunst eines Weibchens buhlen. Junge Tiere haben noch ein sehr kleines Geweih. Mit zunehmendem Alter schiebt der Rehbock Stangen mit zwei, später drei Enden nach. Das Geweih muss jährlich erneuert werden. Im Herbst wirft der Bock die alten Stangen ab, über das Jahr wachsen dann neue nach.

Schlaue Natur

Haben sich Bock und Ricke erfolgreich gepaart, kommen nach einer extrem langen Tragzeit von 40 Wochen im Frühjahr zwei bis drei Junge zur Welt. Gemessen an der Größe des Rehs könnte man vermuten, die Schwangerschaft dauert wesentlich kürzer. Dazu hat sich die Natur aber einen schlauen Trick einfallen lassen. Das befruchtete Ei lagert sich nämlich erst vier Monate nach der Empfängnis in der Gebärmutter ein. Dank dieser Pause kommt das Kitz zur besten Zeit des Jahres zur Welt und die Mutter kann es mit ausreichend Nahrung versorgen.

Winterruhe

Bis dahin liegt vor den Tieren allerdings eine schwere Zeit. Im Winter ist die Nahrungssuche nicht einfach. Deshalb bewegen sich Rehe nicht unnötig, sie leben sozusagen auf Sparflamme, um keine unnötige Energie zu verschwenden. Rehe sollten in dieser Zeit möglichst nicht von Spaziergängern gestört werden. Oft müssen sie flüchten und verbrauchen so Energie, die sie mangels Futter nicht wieder aufnehmen können. In Notzeiten werden Rehe aber, wie alle anderen Wildtiere, an geschützten Plätzen von Förstern und Jägern gefüttert.

Gut getarnt

Wenn im Mai wieder ausreichend frische Nahrung zur Verfügung steht, kommen die Kitze zur Welt. Sie sind dank ihrer getüpfelten Färbung gut getarnt und vor Feinden geschützt. Die Mutter sucht ihre Jungen in den ersten vier Wochen nur kurz zum Säugen und Sauberlecken auf. Erst dann folgen ihr die Kitze und lernen von ihren Müttern, die wahre Kräuterprofis sind, welche Pflanzen für sie gut und bekömmlich sind.

Nicht anfassen!

Solltet ihr einmal ein einsames Rehkitz im Wald finden, bitte nicht anfassen! Das ist extrem wichtig. Da junge Rehe noch keinen Eigengeruch haben, werden sie von der Mutter manchmal verstoßen, wenn sie plötzlich nach Mensch riechen. Außerdem können sie dann von Feinden wahrgenommen werden, vor denen sie vorher geschützt waren.

Größter Feind: der Mensch

Apropos Feind: Nicht nur Kitze, sondern auch erwachsene Rehe haben in ihrem natürlichen Lebensraum Feinde. Ein natürlicher Feind ist etwa der Fuchs. Die meisten Gefahren gehen allerdings vom Menschen aus. Viele Rehe werden vom Auto überfahren oder kommen durch die Mähmaschinen ums Leben. Jäger töten nur so viele Tiere, dass ein überschaubarer Wildbestand gewährleistet ist.

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