Die große Wissenswelt
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Kalt und köstlich: Wie das Speiseeis entstand

Eis in der Waffel - im Sommer wohl die beliebteste Süßigkeit.

 

Wer waren die ersten Schleckermäuler?

Schon vor 5000 Jahren wussten die Chinesen, was gut ist. Aus Schnee oder gefrorenem Wasser, Honig, zerkleinerten Früchten und Gewürzen stellten sie das erste Speiseeis her.

Luxus im alten Rom

Auch die alten Römer hatten eine Schwäche für Speiseeis. Geschichtsschreiber berichten über römische Kaiser, die sich von Sklaven Gletschereis aus den Alpen bringen ließen, um es mit Honig, Ingwer, Zimt und Früchten verfeinert zu genießen.
Da man Eis noch nicht kühlen konnte und es dadurch nicht immer verfügbar war, galt es als kostbarer Luxus. Kaiser Nero (1. Jahrhundert nach Christus) soll Eis so geliebt haben, dass er gefrorenen Schnee in Holzkisten vergraben ließ, um Eis auch zur warmen Jahreszeit genießen zu können. Römer, die es sich leisten konnte, ließ sich ein Jahrhundert später eigene Eiskeller einrichten.

Marco Polo bringt Eisrezept aus Asien mit

Mit dem Römischen Reich ging vorerst auch die Eiskunst unter. Erst im 13. Jahrhundert brachte Marco Polo, der als Kaufmann um die halbe Welt segelte, wieder uralte Eis-Rezepturen aus Asien mit, die er von einem mongolischen Fürst bekommen haben soll. Von Venedig aus breitete sich sodann das Eis-Fieber über ganz Europa aus.

Eisfieber in Adelskreisen

Lange Zeit blieb der Eis-Genuss aber nur ein Privileg für Adelige und Könige. Speiseeisrezepte wurden wie Staatsgeheimnisse gehütet. Zudem war seine Herstellung sehr aufwändig, denn Schnee und Gletschereis mussten bis zum Sommer sorgsam in tiefen Kellern gelagert werden. Erst mit der Erfindung eines künstlichen Kühlverfahrens im 16. Jahrhundert wurde die Eis-Herstellung unabhängig von Jahreszeit und geografischer Lage.

Eis für den Sonnenkönig

Ludwig XIV. war der Erste, der Eis in großem Stil 1673 der Öffentlichkeit vorstellte. Auf Anraten seines Beraters erhob er eine Eissteuer und begann, die bislang wohlgehüteten Eisrezepturen von seinem Koch herstellen zu lassen. Eine Pariser Konditorei verkaufte das Eis für den Sonnenkönig und da jeder die süße Leckerei haben wollte, klingelten die königlichen Kassen.

Warum heißt es "Eisdiele"?

Bald war die Herstellung von Eis kein Geheimnis mehr. 1775 erschien in Neapel das erste Buch zum Thema. In den größeren europäischen Städten wurden die ersten Eisdielen eröffnet, die erste deutsche 1799 in Hamburg. Eis wurde aber auch auf der Straße aus Handkarren heraus verkauft. Als das in Wien verboten wurde, mussten die Händler das Eis aus den Fenstern ihrer Wohnung herausverkaufen. Da das vom Flur aus geschah, kam der Name „Eisdiele“ in Umlauf.  

USA: Erste Eisfabrik entsteht

Die erste industrielle Eiscremeproduktion wurde durch den Milchhändler Jacob Russell in Baltimore in den USA 1851 ins Leben gerufen. Er hatte die Idee, überschüssige Milchprodukte zu Speiseeis zu verarbeiten.. Russell war damit so erfolgreich, dass er bald Fabrikbetriebe in Boston und New York eröffnete. Als Carl von Lindes schließlich 1876 die Kältemaschine erfand, verhalf das der industriellen Massenproduktion von Speiseeis weltweit zum Durchbruch.

Zufallsprodukt "Eis am Stiel"

Das Eis am Stiel wurde 1905 in den USA durch Zufall erfunden. Der Limonadenhersteller Frank Epperson hatte über Nacht ein Glas Limonade, in der ein Löffel steckte, draußen in der Kälte stehen lassen. Eine Idee war geboren, das Patent folgte 1932. Ebenfalls Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Eiswaffel erfunden, die ein italienischer Einwanderer 1903 zum Patent anmeldete.

Beliebtester Eisbecher: Spaghettieis

Eine deutsch-italienische Koproduktion ist dagegen das in Deutschland extrem beliebte Spaghettieis. Der in Mannheim geborene Italiener Dario Fontanella hatte Ende der 1960er Jahre - als italienische Eisdielen Hochkonjunktur in Deutschland hatten - die Idee, Vanilleeis durch eine Spätzlepresse zu drücken. Erdbeersoße und weiße Schokoraspel drauf – fertig war der Eisbecher, der bis heute bei uns der Beliebteste bleiben sollte.

Wer isst am meisten Eis?

Bei der Eisproduktion hat immer noch Italien die Nase vorn, wo man sogar an Eisuniversitäten lernen kann, wie man echtes "gelato artiginale" (traditionell hergestelltes Eis) macht. Beim Eisverzehr sieht es aber anders aus. Hier führen in Europa die Finnen mit rund zehn Litern Eiskonsum pro Kopf vor Norwegen und Schweden Das ist allerdings noch nicht gegen die Neuseeländer, die es auf fast 30 Liter pro Kopf bringen und damit weltweit absolute Spitze sind, dicht gefolgt von den US-Amerikanern.  

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