Die große Wissenswelt
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Was war die DDR?

Mia, 7 Jahre, fragt:

Über 40 Jahre lang war Deutschland geteilt. Denn nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone die Deutsche Demokratische Republik gegründet. Nach sowjetischem Vorbild baute die DDR-Führung den Sozialismus auf. Doch für die Bevölkerung bedeutete das massive Einschränkungen und Nachteile. Am 3. Oktober 1990 war der Staat DDR Geschichte.

Trabi
Der Trabant ("Trabi") war das typische Fahrzeug der DDR-Bürger. Heute ist er nur noch als "Oldtimer" auf den Straßen zu sehen. Quelle © pixabay
 

Wie kam es zum geteilten Deutschland?

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der bedingungslosen deutschen Kapitulation im Mai 1945 entschieden die Alliierten Deutschland in vier Besatzungszonen aufzuteilen: eine amerikanische, eine britische, eine französische und eine sowjetische. Die Hauptstadt Berlin wurde von allen vier Besatzungsmächten im Alliierten Kontrollrat verwaltet. So wollte man Deutschland in den einzelnen Zonen abrüsten und die Überreste des Nationalsozialismus zerstören.

Doch es gab Spannungen zwischen den Siegermächten. Die demokratischen und kapitalistischen Westmächte wollten Deutschland so schnell wie möglich aufbauen und als ebenfalls kapitalistisches Land etablieren, das heißt, als ein Staat mit freier Marktwirtschaft. Die sowjetische Regierung dagegen wollte Deutschland als sozialistisches Land nach ihrem Vorbild gestalten. Mit diesen unterschiedlichen Vorstellungen entwickelten sich die Besatzungszonen unabhängig voneinander. Als schließlich 1948 zwei unterschiedliche Währungen (im Westen die D-Mark und im Osten die Mark, später Mark der DDR) eingeführt wurden, war die Teilung nicht mehr aufzuhalten.

Die Gründung der DDR

In der sowjetischen Besatzungszone übernahm nach 1945 zunächst die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) die Verwaltung. Es waren nun wieder Parteien zugelassen: SPD, KPD, CDU und LDPD. Vor allem die KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) wurde von den Sowjets unterstützt. Walter Ulbricht und andere Kommunisten erhielten wichtige Posten beim Aufbau und der Organisation der Zone.

Die KPD erhielt aber zu wenig Stimmen, um an der Macht sein zu können, doch sollte ja nach dem Willen der Sowjetunion in Deutschland vorherrschen. Deshalb wurde die SPD gezwungen mit der KPD die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) zu gründen. Am 19. März 1949 wurde die neu ausgearbeitete Verfassung aufgenommen. Nachdem am 23. Mai die Bundesrepublik Deutschland auf dem Gebiet der westlichen Besatzungszonen gegründet wurde, trat am 7. Oktober 1949 die Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik in Kraft. Damit war die DDR gegründet. (West-Berlin gehörte weiterhin zur Bundesrepublik, war aber von der DDR eingeschlossen.) 

Die ersten Jahre des jungen Staates

Der erste Präsident der DDR war Wilhelm Pieck, doch der eigentlich mächtigste Mann im Staat war der Chef der SED Walter Ulbricht. 1950 wurde dann das Präsidentenamt abgeschafft, und der Staatsratsvorsitzende als Oberhaupt der DDR eingeführt. Dieses Amt übernahm wiederum Ulbricht. Auch 1950 wurden alle Parteien trotz Protest in der Einheitsliste der nationalen Front zusammengefasst.

Im selben Jahr wurde das Ministerium für Staatssicherheit gegründet (auch Stasi). Ab 1951 wurde der erste Fünfjahresplan für die wirtschaftliche Produktion herausgegeben. Die DDR hatte natürlich hauptsächlich Beziehungen nach Osten und trat 1955 in den Warschauer Pakt ein, ein Militärbündnis unter sowjetischer Führung.

Was machte den Staat der DDR aus?

Weil alle Parteien in der Einheitsliste zusammengefasst waren, hatten die Bürger keine Chance etwas anderes zu wählen. Deshalb gab es immer Wahlergebnisse von über 95 Prozent für die Einheitsliste, also für die SED. Generell galt das Prinzip des Sozialismus, dass alles allen gehört, dass heißt jeder arbeitete für das Kollektiv des Staates und nicht für sich selbst. In der Planwirtschaft wurde von der Regierung ein Plan für die wirtschaftliche Produktion ausgegeben, den die Betriebe erfüllen sollten. Das bedeutet, dass die Betriebe nicht selbst entscheiden durfte, sondern alles vom Staat diktiert wurde.

Durch das Ministerium für Staatssicherheit sollte der Fortbestand des Staates gesichert werden. Alltag war, dass die Bürger von der Stasi überwacht wurden, ob sie auch der Parteilinie treu waren. Selbst wenn man nur mal einen Witz über die SED oder die Führung machte, konnte man verhaftet werden.

Erste Krisen und Mauerbau

Als ab 1952 der Sozialismus offiziell als Staatssystem aufgebaut wurde, begannen die oben angesprochenen Einschnitte für Bevölkerung immer deutlicher zu werden. Westliche Produkte waren kaum zu bekommen. Deshalb begannen viel Menschen aus der DDR auszuwandern. Die Führung reagierte mit der Einrichtung einer Sperrzone an der innerdeutschen Grenze, die niemand betreten durfte. Am 17. Juni 1953 kam es zu Demonstrationen und Streiks, um gegen eine Erhöhung der Arbeitsnormen zu protestieren. Die Regierung schlug den Aufstand mithilfe sowjetischer Truppen blutig nieder.

Die Auswanderungswellen wurden immer stärker, weshalb ein neues Passrecht eingeführt wurde, damit nicht so viele Menschen in die Bundesrepublik flüchten konnten. 1956 wurde die Republikflucht offiziell als Straftat verfolgt. 1961 wurde mit dem Bau der Berliner Mauer begonnen, damit keine Berliner in den Westen fliehen konnten. Es gab auch einen Schießbefehl für die Grenzsoldaten, die Flüchtende von nun an erschießen mussten.

Stabilität in der DDR

In den 1960er Jahren waren die Verhältnisse einigermaßen stabil. 1962 wurde die Wehrpflicht eingeführt, die 1968 den Sowjets half eine Revolution in Tschechien (damals CSSR) niederzuschlagen. 1972 musste Walter Ulbricht zurücktreten, weil er sich mit der Parteispitze zerstritt. Er wurde von Erich Honecker als SED-Chef ersetzt. Mit ihm wendete sich die DDR immer weiter vom Westen und der Bundesrepublik ab und verhinderte, dass andere osteuropäische Staaten mit der BRD Bündnisse schlossen. Auch wollte man den Lebensstandard und damit die Zufriedenheit der Bevölkerung heben und investierte Milliarden in Wohnungsbau und Produktion von Konsumgütern.

Die große Krise

Als die Sowjetunion 1981 die Preise für Rohöl erhöhen musste, begann in der DDR eine Wirtschaftskrise, sodass die Kredite für die Investitionen nicht mehr zurückgezahlt werden konnten. Viele Projekte stoppten und man musste mit der ungeliebten BRD Gespräche über die Schuldentilgung aufnehmen. Der wirtschaftliche Verfall konnte auch von Milliardenkrediten der bayerischen Regierung nicht gestoppt werden. Da nun die UdSSR unter Michail Gorbatschow eine Lockerung des Systems durchführte, hofften die Menschen auch auf eine Wende in der DDR-Politik. Doch Honecker distanzierte sich nun von der Sowjetunion, was weitere Fluchtwellen zur Folge hatte.

Wende und Wiedervereinigung

Wöchentliche Demonstrationen und Ausreisewellen nach Ungarn und Tschechien, von wo aus man eher in die BRD kam, veranlassten Honecker und die ganze Regierung schließlich zum Rücktritt. Als Günter Schabowski am 9. November 1989 im Fernsehen bekannt gab, dass man nun ausreisen dürfe, stürmten die Menschen die Grenzen. Die Soldaten ließen die Leute passieren und in Berlin fiel die Mauer. Der Staat DDR blieb zunächst mit einer anderen Regierung bestehen, doch die Bürger forderten die Deutsche Einheit. Nach fast einem Jahr der Gespräche und Verhandlungen wurde am 3. Oktober 1990 schließlich die Wiedervereinigung Deutschlands bekannt gegeben. Es war das Ende der DDR.

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