Die große Wissenswelt
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Warum kommt in Süddeutschland das Christkind und in Norddeutschland der Weihnachtsmann?

So wurde das Christkind 1845 in der Erstausgabe des „Struwwelpeters“ abgebildet.Quelle: pd
 

Wer bringt bei euch die Geschenke - der Weihnachtsmann oder das Christkind? Heute ist es Brauch, dass in den katholischen Familien die Kinder aufs Christkind warten. Die Protestanten geben dagegen eher dem Weihnachtsmann den Vorzug. Warum das so ist, und warum es früher genau anders herum war, möchten wir hier erklären.

Nikolaus – Der Freund der Kinder

Zu Lebzeiten des Reformators Martin Luther, also im 16. Jahrhundert, wurden die Kinder am 6. Dezember von Sankt Nikolaus beschenkt. Diese Figur geht auf den Bischof von Myra zurück, der bis zum Jahr 343 tatsächlich in der Türkei gelebt haben soll. Der Legende nach setzte er sich für arme und kranke Menschen ein. Kinder lagen ihm jedoch besonders am Herzen.

Es heißt, dass er ihnen nachts heimlich Geschenke brachte. An seinem Todestag, dem 6. Dezember, wurden vom Mittelalter an kleine Aufmerksamkeiten an Arme, Dienstboten und eben auch die Kinder verteilt.

Luther erfindet das Christkind

Dieser Brauch war Martin Luther ein Dorn im Augen. Weil der Reformator sämtliche katholische Heilige abschaffen wollte, die Protestanten aber nicht auf die Bescherung verzichten wollten, musste der Kirchenmann für Ersatz sorgen. Er verfügte, dass künftig der "heilige Christ", später als Christkind verniedlicht, am Weihnachtsabend die Geschenke bringen soll.

Netter als der Nikolaus

Das Rätsel, wer oder was das Christkind genau ist, wurde bis heute nicht aufgeklärt. Fest steht nur, dass es wie Kollege Nikolaus nachts und vor allem heimlich die Geschenke bringt. Inszenierte Auftritte wie beim Nikolaus gibt es nicht. Ein weiterer Unterschied besteht auch darin, dass das Christkind nie straft. Es beschenkt die braven Kinder, während die unartigen leer ausgehen.

Seitenwechsel

Um 1900 wurde das Christkind schließlich auch von den Katholiken akzeptiert. Und nicht nur das! In den folgenden 30 Jahren wechselten Christkind und Nikolaus zunehmend die Seiten. Künftig glaubten die Kinder im überwiegend katholischen Süden und Westen an das Christkind, im Norden und Osten eher an den Nikolaus. Allerdings hatte der sich mittlerweile in den eher weltlichen Weihnachtsmann mit rotem Umhang und weißem Rauschebart verwandelt.

Nikolaus wird Weihnachtsmann

Der Weihnachtsmann hatte sich bereits im 19. Jahrhundert entwickelt. Der ursprünglich als Bischof dargestellte Nikolaus verschmolz immer mehr mit seinem Begleiter und Gehilfen Knecht Ruprecht oder Krampus und übernahm dessen Stiefel, den Sack und die Rute, behielt aber den Mantel und den zunehmend zur Zipfelmütze abgewandelten Bischofshut. Der Weihnachtsmann, wie wir ihn heute kennen, wurde 1863 von einem amerikanischen Karikaturisten gezeichnet. Die Coca-Cola-Werbung machte ihn später weltweit populär.

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