Die große Wissenswelt
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Warum gibt es nicht jedes Jahr einen 29. Februar?

Ben, 7 Jahre fragt:

Warum gibt es nicht jedes Jahr einen 29. Februar?
Den 29. Februar gibt es nur in einem Schaltjahr, das nächste Mal 2020. Quelle: © 89studio, Shutterstock
 

Kalender und Zeitrechnung sind für den Menschen seit Jahrtausenden lebenswichtig. Aussaat, Ernte, Viehhaltung und Vorratshaltung hing schon immer stark vom richtigen Zeitpunkt ab. Früher hatten Kalender auch eine magisch-religiöse Bedeutung: Sonne, Mond und Planeten waren nicht einfach Himmelskörper, sondern wurden selbst als göttlich angesehen. Kein Wunder, dass die Aufstellung von Kalendern seit jeher eine Aufgabe der Mönche und Priester war. Unsere christliche Zeitrechnung wurde im frühen Mittelalter, im 6. Jahrhundert, eingeführt.

Keine vollen Tage

Doch wie errechnet man überhaupt wie lange ein Jahr ist? Und wie teilt man einen Kalender sinnvoll ein? Am einfachsten wäre es, wenn ein Jahr 360 Tage hätte und die Zeit zwischen zwei Vollmonden 30 Tage betrüge. Dann könnte man ein Jahr in zwölf Monate zu 30 Tagen unterteilen.

Doch so einfach ist die Sache nicht: Zwischen zwei Frühlingsanfängen liegen 365,2422 Tage, und zwischen zwei Vollmonden liegen 29,5306 Tage. Das sind krumme Zahlen und das macht es so schwierig, Kalender aufzustellen, die für einen längeren Zeitraum gültig sind. Denn in der Praxis kann man nur mit ganzen Tagen rechnen. Ein Jahr muss also 365 oder 366 Tage haben.

Weihnachten im Sommer?

Wenn man ein Jahr auf 365 Tage festlegen würde und den Lauf der Sonne ignorieren würde, dann wäre das wahre Sonnenjahr länger als das kalendarische. Dadurch würde das astronomische Neujahr immer weiter nach vorne rutschen: Würde man 2020 um 0 Uhr Silvester feiern, dann müsste man im Jahr 2011 bis 5:48 am Morgen warten, so groß ist die Verschiebung in nur einem Jahr. Im Jahr 2029 könnte man das neue Jahr korrekterweise dann erst am 3. Januar beginnen.

Der Frühlingsanfang ist im März. Würde man den Unterschied zwischen ganzzahligem Kalenderjahr und dem tatsächlichen Sonnenjahr über Jahrzehnte vernachlässigen, begänne der Frühling im April. Nach knapp 1.500 Jahren wäre der Kalender einmal durch die Jahreszeiten gewandert, wir hätten also mitten im Sommer den 24. Dezember gefeiert. Grund genug, den Kalender und das Sonnenjahr immer wieder anzugleichen.

Schalttage retten den Kalender

Das macht man durch so genannte Schalttage in Schaltjahren. 2016 ist wieder ein solches Jahr, in dem der Monat Februar statt nur 28 einen 29. Tag hat. Schalttage werden fast alle vier Jahre eingeführt. Das macht man, weil das sogenannte tropische Jahr (von Frühlingsbeginn zu Frühlingsbeginn) 365 und einen Viertel Tag dauert. Nach vier Jahren hat sich ein Tag angesammelt, der durch den 29. Februar wieder ausgeglichen wird.

 

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