Die große Wissenswelt
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Aus Rohr und Rübe: Die Geschichte des Zuckers

Ohne Zucker gäbe es keine Süßigkeiten. Heute Massenware, früher extrem wertvoll.
Quelle: © Tatyana Vyk, Shutterstock.

 

Zuckerrohr stammt wahrscheinlich aus der Südsee, wo es schon 15.000 Jahre vor Christus als Proviant auf Bootsfahrten mitgenommen wurde. Sehr früh wurde es auch in Indien und China angebaut. In den Mittelmeerländern kannte man Zuckerrohr bereits in der Römerzeit, aber es war wohl nicht sehr verbreitet. Im Mittelalter kostete Zucker ein Vermögen. So tauschte man im Jahr 1370 zwei Mastochsen für ein Kilo Zucker.

Was hat Zucker mit Sklaverei zu tun?

1493 brachte Kolumbus das Zuckerrohr nach Mittelamerika. Die europäischen Eroberer zwangen die dort ansässigen Indios zur Arbeit in Zuckerrohrplantagen. Da die Indios der harten Arbeit unter katastrophalen Bedingungen nicht gewachsen waren, verschleppten die Europäer bald Afrikaner nach Amerika und machten sie zu Sklaven für ihre Zuckerrohrplantagen. Sklaverei gibt es heute nicht mehr, aber bis heute sind die Arbeitsbedingungen auf Zuckerrohrfeldern in Indien, Thailand, Südafrika, den karibischen Inseln und Brasilien schlecht.

Die Runkelrübe - ein süßes Früchtchen

Doch ab dem 18. Jahrhundert kam der Zucker nicht mehr nur aus exotischen Ländern. 1747 entdeckt der Berliner Wissenschaftler Andreas Sigismund Markgraf, dass die Runkelrübe Zucker enthält, der chemisch identisch ist mit dem Zucker, der aus dem Zuckerrohr gewonnen wird. Mehr als 50 Jahre züchtete Markgrafs Nachfolger Franz Karl Achard die Runkelrübe und schafft es dadurch, ihren Zuckergehalt von 1,6 auf 5 Prozent zu erhöhen. Heute beträgt der Zuckergehalt dieser Pflanze 15-20 Prozent.

Außerdem informiert Achard seinen Landesfürsten, den preußischen König Friedrich Wilhelm III. über die Möglichkeit, aus Rüben Zucker herzustellen. Mit Hilfe des Königs entsteht 1801 die erste Rübenzuckerfabrik in Schlesien.

Napoleon und die Zuckerrübe

Wirtschaftlich interessant wird der Anbau und die Verarbeitung der Zuckerrübe in Europa, als Napoleon 1806 die Kontinentalsperre verhängt. Napoleon herrscht zu diesem Zeitpunkt über weite Teile Europas, nur nicht über Großbritannien. Um diesen Gegner wirtschaftlich zu schwächen, verbietet Napoleon den Handel mit England. Damit schneidet er Kontinentaleuropa auch vom Zuckernachschub ab. Schließlich wird Rohrzucker in den englischen Kolonien angebaut.

So kam es, dass vor allem in Deutschland, Russland, Österreich und Frankreich der Zuckerrübenanbau in den Jahren bis etwa 1813 intensiv betrieben wurde. Als die Wirtschaftsblockade aufgehoben war und Rohrzucker aus Übersee wieder eingeführt wurde, lohnte sich die Zuckerrübe nicht mehr. Außer Frankreich gaben alle europäischen Länder ihre Zuckerfabrikation wieder auf. Frankreich dagegen züchtete die Zuckerrübe jedoch weiter und wurde so zum Vorreiter für die ab etwa 1830 wieder aufgenommene Produktion von Zucker in Europa.

Heute wird 90 Prozent des Zuckerbedarfs in Europa mit hier angebauten Rüben gedeckt. Insgesamt werden in der EU etwa 120 Millionen Tonnen Zuckerrüben pro Jahr produziert. Daraus entsteht 14 bis 16 Millionen Tonnen Kristallzucker. Durch hohe Zölle ist die Einfuhr von Rohrzucker in Europa kaum lohnend. Weltweit entsteht aber etwa 55 Prozent des Zuckers aus Rohr.

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