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Warum ist Schweinegrippe auch für Menschen gefährlich?

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Warum ist Schweinegrippe auch für Menschen gefährlich?

Im mittelamerikanischen Staat Mexiko sind innerhalb einiger Wochen 22 Menschen an einem neuen Grippevirus gestorben. Die Krankheit ist vermutlich vom Schwein auf den Menschen übergegangen und kann auch von Mensch zu Mensch übertragen werden. Warum eine Tierkrankheit auch für Menschen gefährlich werden kann und was das Wort Pandemie bedeutet, erfahrt ihr hier.

Seit etwa Mitte April 2009 breitet sich in Mexiko eine neue Grippeform aus, an der bisher rund 560 Personen erkrankt sind. 22 davon sind an der Infektion gestorben.

Für Verwirrung sorgte die Aussage des mexikanischen Gesundheitsministers, dass 152 Menschen an dieser Grippe gestorben sein sollen. Beides hat sich inzwischen als falsch erwiesen. Tatsächlich waren alle diese Menschen an verschiedenen schweren Atemwegserkrankungen wie zum Beispiel einer Lungenentzündung gestorben. Man vermutete, dass diese durch eine Schweinegrippe-Infektion entstanden seien. Nachgewiesen wurde der Erreger jedoch nur bei bislang 22 der Verstorbenen.

Panikwelle in Mexiko

Während der ersten Tage nach dem Ausbruch der Krankheit war durch diese Fehlinformation Panik im mittelamerikansichen Land entstanden. Um eine Ausbreitung der vermeintlich tödlichen Krankheit zu verhindern wurden die meisten öffentlichen Einrichtungen geschlossen. Vielerorts trugen die Menschen einen Mundschutz, um sich nicht anzustecken.

Das Problem ist, dass es einige Zeit dauert, bis nachgewiesen werden kann, an welchem Virus eine Person erkrankt ist. In der Zwischenzeit kam es zu den Folgenschweren Fehlinformationen. Tatsächlich muss wohl davon ausgegangen werden, dass die genannten rund 150 Personen an verschiedenen Grippeformen litten, bevor sie gestorben sind.

Das klingt zwar ebenfalls noch beunruhigend, doch muss man sich vor Augen halten, dass jedes Jahr in Deutschland rund 20.000 Personen an Grippe und deren möglichen Folgeerkrankungen sterben.

Woher kommt die neue Grippe?

Immer wieder entstehen neue Formen von Viren. Das liegt daran, dass sich die bestehenden Viren verändern, man sagt, sie mutieren. Im Fall der sogenannten Schweinegrippe ist Folgendes geschehen: Ein Virus, das normalerweise Schweine befällt hat sich so verändert, dass es auch Menschen krank machen kann und sich sogar von Mensch zu Mensch überträgt, sodass man gar keinen Kontakt zu Schweinen haben muss, um sich anzustecken.

Dadurch kann sich diese neue Grippe rasch verbreiten, denn nur wenige Menschen haben direkten Kontakt zu Schweinen, alle können sich jedoch bei anderen Menschen anstecken. Auf eine neue Erkrankung sind die körpereigenen Abwehrkräfte nicht vorbereitet und so kann der unbekannte Virus wesentlich mehr Schaden anrichten als die gängigen, mit denen unser Immunsystem häufiger konfrontiert wird.

Anfang des 20. Jahrhunderts gab es eine sehr folgenschwere Grippewelle, an sie im Zusammenhang mit der Schweinegrippe immer wieder erinnert wird.

Was war die Spanische Grippe?

Foto: Militärnotfallhospital in Kansas während der Spanischen Grippe.

Im Jahr 1918, zum Ende des Ersten Weltkriegs trat eine damals neue Form der Grippe auf, die sich rasend schnell weltweit verbreitete und in drei Wellen zwischen 25 und 100 Millionen Todesopfer kostete. Man weiß nicht genau, wie viele Menschen daran starben, da man es durch die Wirren des Krieges mit der Dokumentation nicht so genau nahm. Die Spanische Grippe erhielt ihren Namen deshalb, weil sie zuerst in Spanien vorgekommen war und sich dann innerhalb eines guten Jahre über die ganze Erde ausbreitete. Rund 500 Millionen Menschen müssen sich angesteckt haben.

Damals erkrankten in erster Linie Menschen mittleren Alters, da sich ihr Abwehrsystem übertrieben stark gegen die Krankheit einsetzte und sie dadurch besonders geschwächt wurden.

Auch wenn sich heute wieder eine Grippewelle ereignen würde, die mit der damaligen vergleichbar wäre, so gäbe es ganz sicher nicht so viele Tote, da man heute zum einen viel bessere medizinische Möglichkeiten hat und damals auch viele Menschen schon durch die Kriegsfolgen schwach und besonders anfällig waren.

Wie kommt es zu einer Pandemie?

Man unterscheidet eine Epidemie von einer Pandemie. Epidemie nennt man eine Krankheit, die sich in einem begrenzten Bereich seuchenartig ausbreitet. Von einer Pandemie spricht man hingegen, wenn sich die Infektion über mehrere Kontinente erstreckt.

Der Begriff Pandemie sagt jedoch noch nichts über die Gefährlichkeit einer Erkrankung aus. Auch wenn sich eine meist nicht tödlich verlaufende Infektionskrankheit in mehreren Erdteilen verbreitet, spricht man von einer Pandemie.

Dadurch, dass Fernreisen heute eine Selbstverständlichkeit sind, breiten sich auch Krankheiten sehr rasch über die ganze Erde aus. Es reicht schon, wenn sich einige wenige Infizierte mit dem Flugzeug in ein anderes Land oder einen anderen Erdteil begeben, um eine Krankheit in viele Länder einzuschleppen.

Häufig werden zur Eindämmung solcher Infektionswege krank wirkende Passagiere aus Ländern, in denen eine Seuche ausgebrochen ist bereits am Flughafen des Landes, in das sie einreisen wollen, untersucht und gegebenenfalls in die Quarantänestation einer Klinik gebracht um eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.

Viele Krankheiten lassen sich jedoch erst äußerlich erkennen, wenn der Patient bereits mehrere Tage ansteckend ist und möglicherweise schon zahlreiche andere Menschen infiziert hat.

Was kann man gegen die Schweinegrippe tun?

Im Moment gibt es noch keinen Impfstoff, der Menschen vor der neuen Form der Grippe schützt, die man mit der Abkürzung A/H1N1 bezeichnet. Experten gehen jedoch davon aus, dass Arzneimittel helfen, die man auch gegen die normale Grippe einsetzt, zum Beispiel die Wirkstoffe Oseltamivir und Zanamivir.

In Deutschland wird Oseltamivir unter dem Markennamen Tamiflu angeboten und wurde bereits im Jahr 2005 berühmt, als es wegen der in Asien ausgebrochenen Vogelgrippe von vielen Menschen auf Vorrat gekauft wurde.

Ob sich die Schweinegrippe überhaupt zu einer Pandemie entwickelt, ist momentan noch nicht vorherzusehen. Derzeit gibt es auch in Europa und anderen Erdteilen einige Personen, die sich nachweislich mit dem H1N1-Virus angesteckt haben. Doch bei allen ist die Erkrankung glimpflich verlaufen. Außerhalb Mexikos gab es keine Todesfälle, die in Zusammenhang damit gebracht werden. Die zuständigen Behörden zeigen sich derzeit vorsichtig optimistisch, was die Schweinegrippe angeht.

Der neue Virus äußert sich wie eine normale Grippe durch Husten, Schnupfen, Müdigkeit, Fieber, gelegentlich auch in Zusammenhang mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Ein erhöhtes Gesundheitsrisiko besteht, wenn sich aus der Grippe eine Lungenentzündung entwickelt.

Text: Liane Manseicher, 27.04.09, aktualisiert: 04.05.09; Fotos: Spanische Grippe: National Museum of Health and Medicine, Armed Forces Institute of Pathology, Washington, D.C., United States, alle übrigen Fotos: Tessloff Archiv.

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