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Margarine statt Butter

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Margarine statt Butter

Am 15. Juli 1869 erhielt der Pariser Chemiker Hippolyte Mège-Mourriés das Patent, um Margarine als Nahrungsmittel und damit Butterersatz für die Armen zu produzieren. Durch die Margarine wurde es möglich, in nahezu unbegrenzter Menge ein Fett zu schaffen, das genauso vielseitig wie Butter ist, jedoch wesentlich preiswerter und haltbarer.

Als die Butter knapp wurde
 
Mit Beginn des Industriezeitalters und der rasant wachsenden Bevölkerung stieg schlagartig auch der Fettbedarf. Allerdings konnte damals noch nicht genügend Butter hergestellt werden und so wurde die Butter immer knapper und damit teurer. Einfache Arbeiter und ärmere Menschen konnten sich Butter nicht mehr leisten. Aber gerade die Arbeiter in den Fabriken schufteten körperlich hart und benötigten dringend Fett, um ihren hohen Energiebedarf zu decken.

Butter wird Chefsache

Die Fettversorgung der Bevölkerung wurde zur Staatsaufgabe. Um einen Ansporn zu bieten, setzte Napoleon III. die damals enorme Summe von 100.000 Goldfranc für denjenigen als Belohnung aus, der ein neues Speisefett entwickeln konnte, das preiswerter und haltbarer als Butter war. Napoleon III. machte das nicht, weil er besonders edel und mildtätig war. Er hatte Angst um die Schlagkraft seiner Armee und vor einer Rebellion unter der armen Bevölkerung.

Der Margarine-Erfinder

Der Südfranzose Hippolyte Mège-Mourriés hörte von diesem Aufruf. Nach der Schule hatte er eine Ausbildung als Apotheker absolviert und sich mit Lebensmittelchemie befasst. 1838 bekam er eine Stelle in einem Pariser Krankenhaus. Seine erste richtige Erfindung waren Brausetabletten, die er für die Verabreichung von Medikamenten entwickelt hatte.
 
Er experimentierte mit verschiedenen Zutaten und entdeckte schließlich eine essbare, billige Mischung. Er erhitzte die weichen und öligen Bestandteile des Rindertalgs und verbutterte sie mit Magermilch. Das Ergebnis war ein streichfähiges und haltbares Speisefett. Wegen des perlenähnlichen Schimmerns nannte er es - in Anlehnung an das griechische Wort für Perle margaron - Margarine. Sie wurde 1869 als Oleo-Margarine zum Patent angemeldet.

Durch den Krieg von 1870 konnte der Erfinder seine Margarineproduktion aber nicht im großen Stil vorantreiben. So verkaufte er ein wenig später das Patent an zwei Holländer, die im niederländischen Oss die erste Margarine-Fabrik der Welt bauten.

Margarine aus Öl

Zwar war Margarine deutlich billiger als Butter und wurde notgedrungen auch gekauft, aber beliebt war sie eigentlich nicht. Denn lange wurde die Margarine nur als billiger Butterersatz angesehen. Doch ab dem Jahr 1902 trat die Margarine ihren weltweiten Siegeszug an. Dazu war aber eine weitere lebensmitteltechnische Entdeckung nötig. Man fand heraus, dass man mit Hilfe von Wasserstoff flüssige Öle härten konnte und so wurde die Margarine aus pflanzlichen Ölen möglich gemacht.

Butter und Margarine

Butter wird aus Milch oder daraus gewonnener Sahne (Rahm) oder Molkensahne hergestellt. Beim Butterungsvorgang zerreißen durch Schlagen die Hüllen der Fettkügelchen. Dadurch ballt sich das Fett zusammen. Als Nebenprodukt fällt Buttermilch an. Unsere heutige Margarine besteht dagegen hauptsächlich aus pflanzlichen Ölen wie Baumwollsaatöl, Rapsöl, Erdnussöl, Maisöl, Sojabohnenöl oder Sonnenblumenkernöl.

Gesünder als Butter?

Ob die Margarine, wie es lange in der Werbung behauptet wurde, tatsächlich gesünder ist als Butter, darüber sind sich die Forscher mittlerweile nicht mehr einig. Sicher ist nur, dass es echte Butter- und echte Margarinefans gibt, die auf keinen Fall ihr Streichfett gegen das andere eintauschen würden.

-ab-07.07.04 Text / Fotos: Butterbrot: CD; Homa Gold: www.unilever.de, Foto Margarine: GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Autor: Helge Höpfner

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