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Konrad Lorenz: Der "Vater der Graugänse"

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Konrad Lorenz: Der "Vater der Graugänse"

Konrad Lorenz häufig auch als Vater der Graugänse bezeichnet hat sich als erster Wissenschaftler überhaupt intensiv mit der Psyche von Tieren beschäftigt. Kein Forscher vor ihm hat ihre angeborenen und erlernten Verhaltensweisen so hautnah untersucht. Am 7. November wäre der Wegbereiter der Verhaltensforschung 100 Jahre alt geworden.

Schon als Kind konnte der spätere Nobelpreisträger aus Österreich mit Tieren mehr anfangen als mit Menschen. Auf dem Dachboden seines Elternhauses in der Nähe von Wien hielt er sich Dohlen, im Freien beobachtete der Fünfjährige mit Vorliebe die Entenküken auf dem Gartenteich. Er erhielt sogar kranke Tiere aus dem Wiener Zoologischen Garten, um diese wieder gesund zu pflegen.

Graugans "Martina" als Forschungsobjekt

Konrad Lorenz machte sein Hobby zum Beruf und studierte in Wien und New York Zoologie und Medizin. Seine entscheidende Entdeckung gelang Lorenz an seiner ersten Graugans Martina. Er prägte das Küken auf sich, spielte ihm also vor, seine Mutter zu sein. Er beobachtete schon damals, dass Jungvögel einerseits angeborene Verhaltensweisen aufweisen, andererseits bestimmte Verhaltensmuster in einer eng begrenzten Lebensphase erlernen, die später meist nicht mehr rückgängig zu machen sind.

Verhaltensforschung - eine neue Disziplin

Damit war die Grundlage für eine neue Wissenschaft gelegt: die Verhaltensforschung. Durch die Prägung kam Lorenz den Tieren so nah wie niemand zuvor. Er konnte seine Schützlinge aus der Perspektive der Tiere beobachten in natürlicher Umgebung und ohne Laborexperimente. Als Verhaltensforscher mit Leib und Seele scheute sich Lorenz z.B. nicht, mit einer Schar Küken durch einen Teich zu schwimmen, um mit ihnen die Nachfolgeprägung einzuüben.

Durch die Eltern geprägt

Eine seiner wichtigsten Schriften Über die Instinkthandlung schloss Konrad Lorenz 1937 ab. Sie besagt, dass Jungvögel auf akustische und optische Signale ihrer Eltern angewiesen sind und somit eine Bindung zu ihnen aufbauen zu können. Dabei kann jedoch jedes Lebewesen oder Objekt, das bestimmte Reize aussendet, die Eltern ersetzen und somit eine Prägung hervorrufen.

Zweifelhafte Karriere

Als ambitionierter Wissenschaftler wollte Lorenz in den 30er Jahren vor allem eins: Karriere machen. Deshalb versuchte er sich frühzeitig mit den Nazis zu arrangieren und trat 1938 auch der NSDAP bei. Dass Lorenz nicht nur als Mitläufer zum hoch angesehenen Professor für Medizin und Psychologie aufstieg, sondern seine Forschung zeitweise auch in den Dienst der Rassenlehre Hitler-Deutschlands stellte, bedauerte er später zutiefst.

1973: Nobelpreis

Trotz einiger Anfangsschwierigkeiten setzte Konrad Lorenz seine Laufbahn auch nach 1945 fort. 1961 bis 1973 war er als Leiter des neu begründeten Max-Planck-Instituts für Verhaltensforschung in Seewiesen/Oberbayern tätig. 1973 dann die Krönung der Karriere: Konrad Lorenz und seine Kollegen Karl Frisch und Nicolaas Tinbergen erhielten gemeinsam den Nobelpreis für Medizin und Physiologie als erste Verhaltensforscher überhaupt. 1989 starb der berühmte Wissenschaftler an Herzversagen.

Nic 05.10.2003 / Buchcover mit freundlicher Genehmigung des Carl Hanser Verlags (Klaus Taschwer/Benedikt Föger: Konrad Lorenz)

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