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Kinderherzen in Not

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Kinderherzen in Not

Das Herz ist eines der wichtigsten Organe in unserem Körper. Doch manchmal ist das Herz schon bei der Geburt fehlgebildet. Für die Betroffenen kann das lebensgefährlich sein. Deshalb müssen sie oft schon in jungen Jahren operiert werden.

Warum pocht das Herz?

Wenn man seine Hand auf die Brust legt, kann man seinen eigenen Herzschlag spüren. Das Herz ist wie ein Motor für den Körper. Es schlägt, damit das Blut in alle Organe und Körperteile gepumpt wird. Im Blut werden Sauerstoff und andere wichtige Stoffe transportiert. So werden alle Körperteile damit versorgt.

Foto: Das Herz liegt in der Mitte des Brustkorbs und ist leicht nach links verlagert.

Am Tag schlägt das Herz über hunderttausend Mal, in der Minute zirka 80 Mal. Es ist wichtig, dass es gleichmäßig und kräftig pumpt, damit der Blutkreislauf aufrecht erhalten wird. Schlägt das Herz im falschen Rhythmus, oder nicht stark genug hat das Auswirkungen auf die Gesundheit und kann sogar lebensgefährlich sein.

Angeborene Herzfehler

Bei manchen Kindern ist von Geburt an etwas mit dem Herzen nicht in Ordnung. Es gibt viele verschiedene Herzfehler von unterschiedlicher Schwere. Zum Beispiel gibt es Kinder, die mit einem Loch im Herzen geboren werden. Dadurch ist das Herz viel empfindlicher und kann nicht stark genug pumpen.


Kindern mit einem solchen Herzfehler geht beim Spielen draußen schneller die Puste aus. Sie müssen ihr Herz schonen. Manche Fehler sind sogar so Ernst, dass so schnell wie möglich operiert werden muss. Mit einer einer Ultraschalluntersuchung kann man die Herzfehler erkennen, da ein geschädigtes Herz anders pumpt, als ein gesundes.

So sieht ein Ultraschallbild eines Herzens aus, in dem ein Loch ist.




Normales Leben nach der OP?

Auch die heute 18jährige Clara war eine Patientin in der Herzchirurgie. Sie hatte ein Loch in der Hauptkammerscheidewand, die die beiden großen Herzkammern voneinander trennt. In der medizinischen Fachsprache heißt das Ventrikelseptumdefekt (VSD). VSDs sind die häufigsten angeborenen Herzfehler. Für wasistwas.de spricht sie darüber.


wasistwas.de: Was war das Problem mit deinem Herz?
Clara: Durch das Loch in der Scheidewand hat sich das sauerstoffreiche Blut mit dem sauerstoffarmen vermischt. Dadurch musste das Herz viel schwerer arbeiten. Deshalb hatte ich damals Konditionsprobleme. Hätte man das Loch nicht geschlossen, wäre mein Herz wahrscheinlich irgendwann völlig überlastet gewesen. Heute wäre ich vielleicht schon auf dem Niveau einer 40jährigen.

Abbildung: Links ein gesundes Herz, rechts eines mit einem Loch in der Scheidewand.

wasistwas.de: Wie hat man dann das Loch geschlossen?
Clara: Als ich acht Jahre alt war, wurde ich operiert. Mir wurde der Brustkorb geöffnet und dann haben die Ärzte das Loch geschlossen. Allerdings wurde es nicht genäht, weil die Öffnung so groß war. Man hat es mit einer Art Schirm verschlossen. (Man nennt das einen Patch. er besteht aus Herzbeutelgewebe oder Goretex. Anm. d. Red.)

wasistwas.de: Hast du etwas davon gemerkt?
Clara: Nein. Ich war die ganze OP über unter Vollnarkose und habe nichts mitbekommen. Insgesamt war ich nur zwei Wochen im Krankenhaus, weil alles sehr gut verlaufen ist.

wasistwas.de: Gab es Nebenwirkungen?
Clara: Ja. Durch die Operation hat sich mein ganzer Oberkörper verzogen, sodass ich Nacken- und vor allem Kopfschmerzen bekam. Damals hatte ich fast sechs Mal pro Woche Kopfschmerzen. Aber dann bekam ich Krankengymnastik, sodass ich heute nur noch gelegentlich Nackenschmerzen habe.

wasistwas.de: Hätte es eine Alternative zu dem chirurgischen Eingriff gegeben?
Clara: Naja, es gibt auch die Möglichkeit, mit einem Katheter durch die Oberschenkelvene zum Herzen zu gelangen. Man schiebt dann einen Schlauch durch die Ader und muss nicht den Oberkörper aufschneiden. Dann hat man auch keine Narbe. Aber das Loch in meinem Herzen war wohl so groß, dass man den aufwändigen Eingriff machen musste. Ich weiß nicht, ob man es mit einem Katheter auch zu 100 Prozent verschließen hätte können.

Mit so einem Katheter kann man kleinere Löcher schließen.



wasistwas.de: Wie kommst du mit der Operation heute klar?
Clara: Anfangs war es schwierig. Vor allem die große Narbe an meiner Brust hat mich stark belastet, weil man sie sehr leicht sieht. Viele Kinder waren deswegen neugierig und zum Teil auch verletzend. Aber mittlerweile stehe ich über solchen Äußerungen. Ich habe die Narbe und die OP als einen Teil von mir akzeptiert und kann jetzt sehr viel offener damit umgehen und darüber sprechen als früher. Durch die OP ist mir immerhin ein weitgehend normales Leben ermöglicht worden.

25.07.2010 // Text: Jan Wrede (mit besonderem Dank an Clara); Bilder: Vorschau: (pd); Anatomie: Mikael Häggström (pd); Ultraschall: Ekko (pd); VSD: Ladyofhats (pd); Katheter: Ekko (pd)

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt