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Johann Jakob Hemmer und das Wetter

Berühmte Personen

Johann Jakob Hemmer und das Wetter

Vor 275 Jahren wurde der Pfälzer Johann Jakob Hemmer geboren. Der vielseitige Gelehrte baute ein Wettermessnetz mit Stationen in ganz Europa und darüber hinaus auf, das für seine Zeit außergewöhnlich war. Er legte außerdem klare Messprinzipien fest, nach denen sich die Wetterkunde bis heute richtet. Erstaunlich, dass sein Name lange Zeit in Vergessenheit geraten konnte.

Am 13. Juni 1733 wird Johann Jakob Hemmer in dem Dorf Horbach in der Pfalz geboren. Er studiert Philosophie, Mathematik und katholische Theologie, wird Hauslehrer und später Hofkaplan, also Geistlicher am Hof des Kurfürsten Carl Theodor in Mannheim. Auch in dieser Funktion bleibt er den Wissenschaften treu und wird Mitglied der Pfälzischen Akademie der Wissenschaften, leitet ab 1776 das Physikalische Kabinett und arbeitet für die neu gegründete Pfälzische Meteorologische Gesellschaft.

Wettervorhersage fast eine Form der Wahrsagerei

Foto: Modell der Mannheimer Wetterwarte.

Der Lehre vom Wetter (Meteorologie) verschreibt sich Hemmer immer mehr. Zu seiner Zeit gibt es nämlich noch keinerlei wissenschaftliche Wettervorhersagen. Niemand kann absehen, wie sich das Wetter innerhalb der nächsten Tage entwickeln wird.

Für die Landwirtschaft ist das sehr schlecht, weiß man doch nie, ob man etwa das Getreide noch ein paar Tage auf dem Feld stehen lassen kann oder ob ein Unwetter naht und die Ernte vernichtet.

Doch eines ist Hemmer klar: Wenn er Wettervorhersagen machen will, benötigt er Messstationen auch in entfernten Gegenden, denn schließlich ist das Wetter ja immer in Bewegung. Ab 1780 baut er ein Netzwerk von 39 Wetterstationen auf, das sich nicht nur über ganz Deutschland sondern auch bis nach Frankreich, Italien, Ungarn und sogar nach Grönland, Moskau und die USA erstreckt.

Gleiche Daten für alle

Foto: Das Deklinatorum Magneticum, ein Gerät zur Messung der Abweichung der magnetischen Nord-Süd-Richtung vom geographischen Meridian, mit dem unter anderem die magnetische Stärke des Nordlichts gemessen werden kann. Es stammt aus der Zeit um 1770.

Um die Messdaten aus den verschiedenen Stationen miteinander vergleichen zu können, entwickelt er ein System, das noch heute die Grundlage der Wetterkundler darstellt. Vier Gesichtspunkte waren ihm dabei wichtig:

1.      Überall müssen die gleichen Messinstrumente benutzt werden
2.      Alle Wetterbeobachter müssen die gleichen Regeln anwenden
3.      An allen Stationen müssen die Messinstrumente zur gleichen Zeit abgelesen werden, nämlich um 7, 14 und 21 Uhr. Diese Zeiten nennt er die Mannheimer Stunden, die noch heute angewendet werden.
4.      Alle Wetterdaten müssen so schnell wie möglich nach Mannheim gelangen um hier ausgewertet werden zu können.

Auf diese Weise gelingt es Hemmer, große Fortschritte in der Wettervorhersage zu machen, wenngleich die Übermittung der Daten immer noch ein Problem darstellt. Mit Postkutschen oder per Schiff überbrachte Nachrichten kommen für die Wettervorhersage einfach zu spät. Erst 1837 wird der Telegraf erfunden, durch den Botschaften fast ohne Verzögerung über weite Strecken übermittelt werden können.  

Der Einschlag gibt den Ausschlag

Nachdem ein Blitz in den Schwetziger Marstall eingeschlagen hat, ordnet der Kurfürst an, alle Schlösser und Pulvertürme in der Kurpfalz mit Blitzfängern auszustatten. Gut, dass sein Hofgelehrter Johann Jakob Hemmer sich bereits seit einiger Zeit mit dem Phänomen der atmosphärischen Elektrizität also mit Blitzen auseinandergesetzt hat.

Foto rechts: Mannheimer Zeughaus mit zwei Hemmerschen Fünfspitzen als Blitzableiter auf dem Dach. Kupferstich von 1782.

Tatsächlich gibt es auch schon die ersten Blitzableiter. Sie waren 1752 von dem Amerikaner Benjamin Franklin erfunden worden. Hemmer experimentiert jedoch an einer eigenen Variante des Wetterleiters, wie man damals sagt: einem Fünfspitz. An einer Auffangstange befinden sich fünf Spitzen, die in alle Richtungen zeigen.

Richtig schreiben wichtig für die Wissenschaft

Über seine physikalischen Forschungen hinaus macht sich Hemmer auch Gedanken über die deutsche Sprache. Zu seiner Zeit gibt es noch kein allgemein gültiges Nachschlagewerk für die deutsche Rechtschreibung so wie heute den Duden. Um das Deutsche als Sprache der Wissenschaft nutzen zu können (und nicht das Latein wie damals noch vielfach üblich) fordert er feste Regeln für den Sprachgebrauch. Wörter sollen möglichst genau so geschrieben werden, wie sie klingen. Außerdem versucht er, für viele Fremdwörter deutsche Ersatzbegriffe zu prägen. Seine Vorstellungen setzten sich jedoch nicht durch.

Johann Jakob Hemmer stirbt am 3. Mai 1790 in Mannheim. Leider wird seine wetterkundliche Arbeit nach seinem Tod nicht weitergeführt und auch sein physikalisch-meteorologisches Kabinett wird während der Wirren der Französischen Revolution 1795 zerstört. Deshalb geriet sein Name lange Zeit in Vergessenheit, wenngleich seine Prinzipien für die Wetterbeobachtungen bis heute angewendet werden.

Links

Mehr über den vielseitigen Forscher erfahrt ihr im Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim, aus dem auch die Bilder zu diesem Artikel stammen.

Die genaue Funktionsweise eines Blitzableiters könnt ihr in unserer Erlebniswelt selbst ausprobieren.

Wer sich über Wetter und Wetterkunde informieren möchte, sollte einen Blick in unseren WAS IST WAS Band 7 Wetter werfen.

Text: Liane Manseicher, 11.06.08; Fotos: Blitz: Tessloff Archiv; alle anderen: Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim.

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt