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Gleich und Gleich

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Gleich und Gleich

Zu Zeiten Samuel Hahnemanns starben Menschen oft nicht an der Krankheit, die sie hatten, sondern an den Heilmethoden der Ärzte. Deshalb entwickelte er die Homöopathie. Er untersuchte verschiedene Stoffe auf ihre Heilwirkung. Erstaunt stellte er fest, dass verdünnte Stoffe oft besser wirkten, als reine Substanzen.

Dr.Christian Friedrich Samuel Hahnemann waren die Heilmethoden seiner Zeit nicht geheuer. Illustration: Wikipedia

Samuel Hahnemann wurde am 10. April 1755 in Meißen geboren. Mit 21 Jahren begann er ein Studium der Medizin in Leipzig. Er wechselte immer wieder seinen Studienort und zog unter anderem nach Wien und Hermannstadt. In Erlangen beendete er sein Studium und schrieb dort seine Doktorarbeit. Auch in den folgenden Jahren zog er mehrfach um, unter anderem nach Braunschweig, Hamburg und Gotha.

Im Jahr 1790 übersetzte Hahnemann den Text "Materia Medica" des schottischen Arzneimittelforschers William Cullen. Darin erklärte Cullen unter anderem, weshalb seiner Ansicht nach Chinarinde bei Malaria helfe. Mit den Erklärungen war Hahnemann nicht zufrieden, darum machte er ein Experiment: Er nahm, als gesunder Mensch, Chinarinde ein.

Als "Globuli", Milchzuckerkügelchen, erhält man heute die meisten homöopathischen Präparate. Es gibt sie aber auch in Tropfenform. Foto: Corbis

Heilmittel im Selbstversuch

Hahnemann bemerkte, dass er einige Symptome (Anzeichen) von Malaria entwickelte. Neugierig machte er weitere Selbstversuche mit anderen Heil- und Giftpflanzen. Er notierte die von den einzelnen Pflanzen und Substanzen ausgelösten Symptome. Daraus entwickelte sich das "Repertorium", das Handbuch der Homöopathen.

Im "Repertorium" stehtt, welches Mittel welche Symptome hervorruft. Bei einer Erkrankung muss man das Mittel nehmen, dass die ähnlichste Wirkung zeigt. Um die Giftwirkung einiger Substanzen zu verringern, verdünnte Hahnemann sie. Dabei stellte er fest, dass durch die Verdünnung die Heilwirkung nicht gemindert wurde - sie nahm sogar zu.

Homöopathie gilt heute als "sanfte Medizin", weil sie ohne Spritzen und Operationen auskommt. Aber mit Homöopathie kann man keinen Beinbruch kurieren! Foto: Corbis

Grundsätze der Homöopathie

Der Begriff Homöopathie setzt sich zusammen aus den griechischen Worten "homoios" für "gleich, ähnlich" und "pathos" = "Leiden, Krankheit". Darin steckt der Gedanke, Mittel zu verwenden, die ein ähnliches Leiden verursachen, wie die Krankheit, die geheilt werden soll. "Ähnlich" heißt auf Latein "simile". Daher auch die Bezeichnung "Simile-Prinzip".

Das zweite Prinzip der Homöopathie ist, nur Verdünnungen der wirksamen Stoffe zu verwenden. Es gibt mehrere Verdünnungsstufen, auch als "Potenzen" bezeichnet. Die wichtigsten werden mit C oder D, gefolgt von der Verdünnungszahl, bezeichnet. Naturwissenschaftler können das nicht nachvollziehen: ab einer bestimmten Verdünnungsstufe ist in einem homöopathischen Mittel kein Molekül des Wirkstoffes mehr vorhanden.

Das dritte Prinzip ist die Arzneimittelprüfung am gesunden Menschen. Man erhält homöopathische Präparate durch Versuche mit freiwilligen Personen (oft der Homöopath selbst). Er nimmt eine Substanz zu sich und notiert aufmerksam und gewissenhaft die auftretenden Symptome.

Für Naturwissenschaftler und Schulmediziner ist nicht nachvollziehbar, wie homöopathische Mittel wirken. Für sie gilt: Wo kein Wirkstoff, da keine Wirkung. Foto: Corbis

Mögliche Erklärung

Man vermutet, dass bei der Heilung durch Homöopathie ein Placebo-Effekt wirkt. Ein Placebo enthält keinen Wirkstoff. Trotzdem fühlt sich ein Patient besser oder die Krankheit verschwindet ganz, weil er glaubt, er hat etwas Wirksames zu sich genommen. Aber es gibt auch Berichte über die Anwendung der Homöopathie bei Tieren. Bei Tieren gibt es keinen Placebo-Effekt, so dass diese Vermutung nicht ganz richtig sein kann.

Als Ergänzung zu einer klassischen Behandlung, oder wenn die Schulmedizin nicht mehr weiter weiß, ist Homöopathie sicher nicht verkehrt.

Samuel Hahnemann eröffnete noch in hohem Alter eine Praxis in Paris, wo er schließlich am 2.Juli 1843 starb. Sein Grab befindet sich heute auf dem Friedhof "Pere Lachaise".

Übrigens:

Die Bezeichnung "sanfte Medizin" für die homöopathische Heilweise rührt daher, dass zu Zeiten Hahnemanns oft so genannte "Drastika" verabreicht wurden - Chemikalien, die oft Blei oder andere giftige Substanzen enthielten. Die Menschen starben dann nicht durch die Krankheit, sondern durch den Heilversuch.

Die "normale" Medizin wird auch als Schulmedizin oder Allopathie (gr.: "allos"="anderer") bezeichnet.

"Placebo" kommt aus dem Lateinischen und heißt "Ich werde gefallen". Damit werden wirkstofffreie Medikamente bezeichnet, die aber auch oft helfen, eine Krankheit zu lindern oder zu heilen. Man erklärt sich das durch psychologische Mechanismen.

Links:

Der Original-Artikel von Samuel Hahnemann, in dem er seine Idee vorstellt

Hier erfährst du mehr über deinen Körper

Text: -jj- / 8.4. 2005

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