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Gift im Essen: Nitrofen und Nitrofuran

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Gift im Essen: Nitrofen und Nitrofuran

Die Schlagzeilen in Verbindung mit der Landwirtschaft und der Lebensmittelindustrie reißen nicht ab. Nach dem Nitrofen-Skandal ist jetzt auch noch importiertes Geflügelfleisch aufgetaucht, das mit Nitrofuran belastet ist. Die Namen der beiden Stoffe klingen zwar sehr ähnlich, es handelt sich aber um zwei völlig verschiedene Substanzen.

Nitrofen ist ein Wirkstoff, der in Pflanzenschutzmitteln vorkommt. In Deutschland ist das Gift aber schon seit 1980 nicht mehr erlaubt. Auch europaweit wurde der Einsatz von Nitrofen 1988 verboten. Und trotzdem ist die Substanz in die Nahrungskette gelangt, weil deutsche Landwirte nitrofenverseuchtes Getreide verfüttert haben.

Verseuchtes Futter war schuld

Den Bauern ist keine Schuld anzulasten. Sie hatten unwissentlich Pflanz- und Saatgut gekauft, das in einer verpesteten Lagerhalle im mecklenburgischen Malchin aufbewahrt worden war. Dort wurde zu DDR-Zeiten nitrofenhaltiges Pflanzenschutzmittel gelagert.

Mehrere Bundesländer betroffen

Inzwischen sind in mehreren Bundesländern Nitrofen-Rückstände in verschiedenen Lebensmitteln nachgewiesen worden. Die höchsten Werte wurden in Putenfleisch gefunden, das auch an den Verbraucher gelangte und vor allem in Kindergärten verzehrt wurde.

Panik ist übertrieben

Trotz dieser beängstigend klingenden Nachrichten hat sich die anfängliche Panik als übertrieben erwiesen. In Untersuchungen wurde zwar festgestellt, dass Nitrofen in sehr hohen Dosen krebserregend sein kann, doch es ist unwahrscheinlich, eine solch große Menge der schädlichen Substanz mit der Nahrung aufzunehmen. Ein Mensch mit dem Körpergewicht von 60 Kilogramm müsste jeden Tag mehr als 0,009 Milligramm des Stoffes aufnehmen, um seine Gesundheit zu gefährden. Diesen Toleranzbereich hat das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz festgelegt.

Gefahr für Schwangere

Etwas kritischer ist die Lage für schwangere Frauen. In diesem Fall können schon geringe Mengen Nitrofen eine fruchtschädigende Wirkung haben. Auch Kleinkinder sollten nicht unnötig belastet werden. Verbraucherministerin Künast hat gerade eine Eilverordnung zur Halbierung des Grenzwertes für Nitrofen bei Säuglings- und Kleinkindernahrung vorbereitet. Er soll auf 0,005 Milligramm pro Kilo festgesetzt werden.

Was ist Nitrofuran?

Wie Nitrofen so ist auch Nitrofuran ein antibakteriell wirkendes Arzneimittel EU-weit verboten. Seit 1994 verzichtet man auf die für Antibiotika in der Tierzucht verwendeten Stoffe, weil sie als krebserregend gelten. In Fleisch deutscher Herkunft wurden bislang auch keine Rückstände festgestellt. Anders bei außereuropäischen Importwaren. Das Mittel, das außerdem im Verdacht steht, bei Menschen erbgutverändernd zu wirken, wurde in importiertem Geflügelfleisch aus Thailand und Brasilien entdeckt. Seit April wird nur Geflügel aus dem asiatischen Land lückenlos kontrolliert, nicht aber aus Südamerika.

EU-Entscheidung steht an

Hoffentlich werden in Zukunft noch strengere Schutzmaßnahmen zugunsten des Verbrauchers durchgesetzt. Die nächste politische Entscheidung steht unmittelbar bevor. Am 20. Juni behandelt der zuständige EU-Ausschuss das Thema Nitrofuran. Experten hoffen, dass auf der Sitzung die lückenlose Kontrolle von brasilianischen Geflügelimporten beschlossen wird.

Zoff in der Politik

Was Nitrofen betrifft, so hat sich der Skandal in den letzten Wochen zum Politikerstreit ausgeweitet. Die Vertreter beider Parteien, das heißt Verbraucherministerin Künast und Bundeskanzler Schröder auf der einen, der deutsche Bauernverband und die Opposition auf der anderen Seite werfen sich gegenseitig Versäumnisse vor. Die Landwirte werden beschuldigt, an veralteten Strukturen festzuhalten, wohingegen diese die Regierung dafür verantwortlich machen, seit dem BSE-Skandal kein lückenlos funktionierendes Kontrollsystem bei Lebensmitteln aufgebaut zu haben.

Nic 19. Juni 2002

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