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Friedrich Wilhelm Herschel - Musiker und Astronom

Berühmte Personen

Friedrich Wilhelm Herschel - Musiker und Astronom

1781 entdeckte der deutsch-britische Astronom Friedrich-Wilhelm Herschel den Planeten Uranus. Außerdem entdeckte der ausgebildete Musiker in den Tiefen des Raums die Spiralgalaxie NGC 3521.

"Ich habe tiefer in den Raum hineingeschaut, als jemals ein Mensch vor mir."

Fr.-Wilh.-Herschel

 Eine Musikerfamilie

Friedrich-Wilhelm Herschel wurde am 25. November 1738 in Hannover als Sohn des Musikers Isaak Herschel und seiner Frau Anna Ilse Herschel geboren. Sein Vater spielte in der Hannoverischen Garde Oboe. Im Alter von 14 Jahren folgte Friedrich-Wilhelm dem Vater und trat der Fußgarde ebenfalls als Oboist bei.

Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) wurde Hannover durch französische Truppen besetzt. Kurz vorher floh Friedrich-Wilhelm nach England. Dort feilte er weiter an seiner musikalischen Karriere, betätigte sich als Musiklehrer, Komponist und Organist. 1766 wurde er Musikdirektor in Bath.
Neben der Oboe spielte Herschel auch Cello und die Orgel. Er komponierte zahlreiche Musikstücke, darunter 24 Symphonien und viele Konzerte sowie Kirchenmusik. Mit Ausnahme einiger Oboenkonzerte ist seine Musik ins Vergessen gefallen.

Faszination der Sterne


Isaak Herschel war bestrebt gewesen, seinen Kindern eine musikalische Grundausbildung zu geben. Aber im Elternhaus war nicht nur viel musiziert worden, man philosophierte auch und interessierte sich für die Astronomie. In den Wirren des Krieges und der Flucht hatte Friedrich-Wilhelm, der sich in England William nannte,  den Bezug zur Astronomie zwischenzeitlich verloren.

Als er in England viele Bücher über die Sterne lesen konnte, kehrte das Interesse zurück. Sein gutes Einkommen als Musikdirektor bot ihm die Möglichkeit, seinen Bruder Alexander und die Schwester Caroline zu sich nach England zu holen. Während Alexander sich zunehmend der Musikerlaufbahn widmete, verband William und Caroline neben der Musik auch die gemeinsame Leidenschaft zur Astronomie.

Teleskope im Eigenbau


Die um 1765 üblichen Linsen- und Spiegelteleskope lieferten nicht die Leistung, die Herschel anstrebte, um tiefer in die Geheimnisse des Sternenhimmels eindringen zu können. Als blutiger Laie begann er selbst Spiegelteleskope zu bauen. Von anfänglichen Misserfolgen ließ er sich nicht entmutigen.

Von 1766 an fertigte er zahlreiche Teleskope mit ständig wachsendem Durchmesser und somit größerer Lichtleistung. Bruder Alexander und Schwester Caroline unterstützten ihn vor allem beim exakten Schleifen von Teleskopspiegeln. Bald führte er Himmelsdurchmusterungen durch, die Sterne bis zur 4. bzw. bis zur 8. Grösse erfassten.

Entdeckung des Uranus

Schlagartig berühmt wurde Herschel, als er 1781 ein neues Objekt im Sonnensystem entdeckte: den Planeten Uranus. Dieser siebte Planet des Sonnensystems ist vier Mal größer als die Erde.

Der Gasplanet besteht fast ausschließlich aus Wasserstoff und Helium, wird von 27 Monden umkreist und ist mit einer durchschnittlichen Oberflächentemperatur von Minus 183°C der kälteste Planet unseres Sonnensystems.

Nach dieser Entdeckung ernannte Georg III., der König von England, den erfolgreichen Himmelsforscher 1782 zum "Royal Astronomer" und sagte ihm eine jährliche Vergütung zu. So konnte William Herschel sich völlig der Astronomie zuwenden.


Die Vermessung der Sterne


Später stellte Herschel Teleskope nicht nur für den eigenen Gebrauch her, sondern auch, um seine Einnahmen aufzubessern. Anders als die meisten seiner Zeitgenossen wollte er sich nicht allein mit der Beobachtung von Mond, Planeten und Kometen zufrieden geben. Er wollte den Fixsternhimmels studieren und als erster eine vollständige Auflistung aller sichtbaren Sterne und Nebel erstellen.

Am 22. Februar 1784 entdeckte er die Spiralgalaxie NGC 3521. Sie ist etwa 30 bis 35 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt. Aufgrund des unregelmäßigen Halos wird vermutet, dass eine Kollision mit einer anderen Galaxie stattgefunden hat.

Für William Herschel war diese Entdeckung eher unbedeutend, gehörte sie doch zu einer Reihe ebenso bahnbrechender Sichtungen. Nacht für Nacht entdeckte Herschel zusammen mit seiner Schwester Caroline neue Wunder des Weltraumes.

1786 erschien ein Band mit Angaben über die Positionen von über 1000 neuen, von ihm entdeckten Sternhaufen und Nebelstrukturen.
1789 und 1802 wurden nochmals Kataloge erstellt, von 1796 bis 1799 untersuchte er die scheinbaren Helligkeiten und die Lichtamplituden von Veränderlichen Sternen, deren Ergebnisse ebenfalls in Katalogform zusammengefaßt wurden. Insgesamt sind hier vier Bände erschienen.

Infrarot

Herschels viele Endeckungen würden den Rahmen dieses Artikels sprengen und könnten mehrere Bücher füllen. Erwähnenswert ist hier noch seine Erforschung der Wärmestrahlung der Sonne.

Im Jahr 1800 lenkte er Sonnenlicht durch ein Prisma und legte hinter das rote Ende des sichtbaren Spektrums ein Thermometer. Die Temperatur stieg in diesem Bereich, und Herschel schloss daraus, dass dort eine unsichtbare Form von Energie wirksam sein müsse. Herschel hatte die Infrarotstrahlung entdeckt. Wegen seiner Verdienste um die Wissenschaft wurde er 1816 geadelt, und 1821 wählte ihn die Royal Society zu ihrem Präsidenten.

Eine Astronomen-Familie

Im Leben wurde William Herschel nicht nur durch seinen Bruder Alexander und die Schwester Caroline Herschel unterstützt. Auch sein Sohn John Herschel ging als bedeutender Astronom in die Geschichte ein.

Als er am 25. August 1822 starb, wurde seine Arbeit nahtlos fortgesetzt. Karoline überlebte ihn lange, sie kehrte später nach Hannover zurück und starb dort am 9. Januar 1848 im Alter von fast 98 Jahren. Viele Wissenschaftshistoriker sehen heute in F. W. Herschel die herausragendste Persönlichkeit der Astronomie im 18. Jahrhundert.

Wenn dich der Weltraum und Raumfahrt allgemein interessiert, dann wirf doch auch mal einen Blick in unseren WAS IST WAS-Band 6: Die Sterne oder in den WAS IST WAS-Band 16: Planeten und Raumfahrt.

Text und Collage: RR, Stand 16. 2. 2009
Fotos: NASA (Fotos des Planeten Uranus und des Sternennebels NGC 3521), Teleskopskizze aus der Zeitschrift "Leisure Hour", 2. 11. 1867

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