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Ernst Boris Chain und das Penizillin

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Ernst Boris Chain und das Penizillin

Vor 100 Jahren, am 19. 6. 1906, wurde der deutsch-britische Chemiker Ernst Boris Chain geboren. Er machte das von Alexander Fleming entdeckte Penizillin nutzbar und schuf damit die Voraussetzung für die heutigen Antibiotika.


1928 experimentierte der Mikrobiologe Alexander Fleming in seinem Labor mit Staphylokokken, das sind Krankheitserreger, die beispielsweise bei einer Lungenentzündung vorkommen. Dabei entdeckte er, dass eine seiner Bakterienkulturen von den Sporen eines Schimmelpilzes befallen worden war. Als er die verunreinigte Probe wegwerfen wollte fiel ihm auf,  dass sich überall dort, wo sich der Pilz ausbreitete, keine Bakterien ansiedelten und dort, wo welche vorhanden waren, diese sogar eingingen.

Die Entdeckung des Penizillin

Das Phänomen regte ihn zu weiteren Versuche an. So fand er heraus, dass der Pilz eine für eine Reihe von Bakterienarten tödlich wirkende Substanz produzierte. Besonders faszinierte ihn aber die Tatsache, dass diese Substanz die weißen Blutkörperchen nicht angriff und für Tiere ungiftig war.

Er nannte dieses Stoffwechselprodukt des Schimmelpilzes, Penizillin, und veröffentlichte seine Erkenntnisse in Fachzeitschriften. In diesem Berichten führte Fleming aus, dass Penizillin besonders auf eitererregende Bakterien wachstumshemmend wirkt und ein Heilmittel gegen Infektionen wie Eiterungen, Lungen- und Hirnhautentzündung etc. sein könnte. Leider interessierte sich fast niemand dafür. Fleming selbst gelang es nicht, aus dem Pilz ein Extrakt zu gewinnen, welches als Medikament einsetzbar war. So gab er seine Versuche schließlich enttäuscht auf.

Ernst Boris Chain



Erst 1939 schaffte es Ernst Boris Chain, Penizillin aus der Kulturflüssigkeit, in welcher die Schimmelpilze gezüchtet werden, zu extrahieren und zu reinigen.
Chain hatte nach dem Chemiestudium an der Berliner Charité gearbeitet, doch als 1933 die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland ergriffe, verließ er wie viele andere Wissenschaftler das Tausendjährige Reich und siedelte sich in England an. In Cambridge widmete er sich der Erforschung des Penicillins. 1939 erhielt er die britische Staatsbürgerschaft.

Der Weg zum Antibiotikum

Zusammen mit Howard Florey startete Chain ein Jahr später einen Tierversuch: 50 Ratten wurden mit einer tödlichen Dosis Streptokokken infiziert wurden. Von der Hälfte der Tiere, die das Penizllin erhielten, starb nur eine einzige. Alle anderen Ratten, die kein Penizillin erhielten, starben innerhalb weniger Stunden.

Der erste Mensch, der mit Penizillin behandelt wurde, war ein 43-jähriger Polizist aus London, der sich beim Rasieren geschnitten und sich an der infizierten Wunde eine Blutvergiftung zugezogen hatte. Tatsächlich war das Fieber nach 5 Tagen verschwunden, doch weil die Penizillinvorräte aufgebraucht waren, konnte die Behandlung nicht fortgesetzt werden und der Mann verstarb nach einem Monat.

Wegen des inzwischen tobenden 2. Weltkrieges interessierten sich die amerikanischen Streitkräfte sehr für das neue Medikament. Ab 1944 erfolgte die großtechnische Produktion des Penizillins für die US-amerikanischen Streitkräfte. Erst ab März 1945 konnten es auch Zivilisten auf Rezept in amerikanischen Drugstores kaufen.

Der Nobelpreis

Fleming erhielt 1944 den Adelstitel und durfte sich fortan Sir Alexander Fleming nennen. Chain wurde 1969 zum Sir geadelt. 1945 erhielt er zusammen mit Fleming und Howard Florey den Nobelpreis für Medizin "für die Entdeckung des Penizillins und seiner heilenden Wirkung bei verschiedenen Infektionskrankheiten".

und hier von Ernst Boris Chain  (englisch)

und in unserer Erlebniswelt kannst du selbst das Penizillin entdecken.

Text: Roland Rosenbauer, 19. 6. 2006

Bild: Nobel-Foundation

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