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Die Feinstaub - Angst geht um

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Die Feinstaub - Angst geht um

Zahlreiche deutsche Städte haben gegen die EU-Richtlinie verstoßen. Nun herrscht Panik überall, aber ist die angebracht und was sind die Hintergründe? Aus was besteht Feinstaub und ist er nur auf der Straße? Was machen die Autoindustrie, die Kommunen und das Ministerium für Umweltschutz? Hier ein paar Antworten auf viele Fragen:

Feinstaub, was ist das?

Feinstaub entsteht durch Verbrennungsprozesse in Autos, Industrieanlagen, Heizungen oder bei Reifenabrieb. Er enthält Metallpartikel, Kohlenstoff, Sulfate und Nitrate. Feinstaubpartikel sind winzigst, zehn Mikrometer klein, also etwa so klein wie ein Zehntel des Durchmessers eines menschlichen Haares und somit mit dem menschlichen Auge nicht zu erkennen. Sie dringen in die Lungen ein und können Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Versagen und Lungenkrebs auslösen.

EU- Richtlinien

Seit Januar 2005 gilt in ganz Europa ein Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub je Kubikmeter Luft, den die Europäische Union (EU) festgelegt hat. An 35 Tagen pro Jahr darf dieser Grenzwert in einer Stadt überschritten werden, sonst ist mit einer empfindlichen Strafe an die EU zu rechnen.

Doch schon jetzt haben Städte wie München, Düsseldorf, Augsburg, Dortmund oder Frankfurt mehr als 35 mal den Grenzwert überschritten. Als Verursacher dieses Feinstaubs gelten vor allem Dieselfahrzeuge, die ohne Rußfilter fahren, besonders LKWs sind davon betroffen. Gemessen wird mit speziellen, mobilen Stationen, die an stark befahrenen Straßen aufgebaut werden.

Der Schwarze Peter wird hin und her geschoben

Die Bundesregierung

Derzeit werfen sich alle, die Einfluss haben, gegenseitig vor, an der Situation Schuld zu sein. Das Bundesumweltministerium ist der Meinung, die Städte und Kommunen hätten die Richtlinien schon längst durchsetzen müssen. So hätten sie dafür sorgen müssen, dass alte Dieselfahrzeuge mit einem Filter nachgerüstet und neue Fahrzeuge nur mit solch einem Filter zugelassen werden. Außerdem hätten sie zum Beispiel Fahrverbote für ihre Städte aussprechen können.

Städte und Kommunen

Vertreter der Kommunen sind der Meinung eine EU-Richtlinie kann nicht ohne staatliche Vorgaben durchgesetzt werden. So müssten zum Beispiel Fahrzeuge mit Rußfilter Vergünstigungen bei den Steuern erhalten. Weil aber die Kommunen weniger Geld in ihre Kassen bekommen, wenn sie durch die verbilligte Kraftfahrzeugsteuer für Dieselfahrzeuge mit Rußfilter weniger einnehmen, wollen sie, dass der Staat für diese Einbußen aufkommt. Doch der Staat hat hierfür wiederum kein Geld.

Die Automobilindustrie

Die deutsche Automobilindustrie hat nun Sorge, dass ihr Absatz leidet. Gleichzeitig haben die deutschen Auto-Hersteller bisher den Einbau von Rußfiltern in ihre Dieselfahrzeuge nicht gerade gefördert. Im Gegenteil, es wird ihnen zum Teil sogar vorgeworfen, dass sie diese Entwicklung verschlafen hätten. Während französische Hersteller Rußfilter schon seit längerem ganz normal serienmäßig einbauen, wurden in deutschen Autos Rußfilter bisher nur als "Extras" und Sonderausstattung angeboten, die auch extra bezahlt werden mussten. Wenn ein Autofahrer seinen alten Dieselwagen nachrüsten wollte, dann hatte er oft das Problem, dass vom Hersteller gar kein passender Rußfilter für sein Modell angeboten wurde.

Einige Hersteller reagieren jetzt allerdings schneller, als von ihnen zunächst geplant und bauen schon bald den Rußfilter serienmäßig ein, so zum Beispiel Mercedes-Benz ab Sommer 2005. Bei BMW soll ab Sommer, bei Audi ab Herbst gegen Aufpreis der Rußfilter erhältlich sein.

Die Industrie

Auch wenn alle Dieselfahrzeuge mit Rußfilter ausgestattet werden würden - das Problem des Feinstaubs wäre noch lange nicht gelöst, denn laut TÜV ist Ruß nur zu 15 Prozent daran beteiligt, dass der Feinstaubanteil steigt - den riesigen Rest habe die Industrie zu verantworten. Und von der ist bisher noch kaum etwas zu diesem Thema zu hören.

Was dabei weiterhin übersehen wird:

Oft ist in Wohnungen eine höhere Feinstaubbelastung als auf der Straße. Vor allem dann, wenn in einer Wohnung viel geraucht wird. Aber auch das Braten, Kochen und Staubsaugen erhöht die Feinstaubbelastung zuhause. Im Büro sind es vor allem Kopierer und Laserdrucker, die belasten können.

Aber bitte, keine Panik!

Schon seit Jahrzehnten gibt es dieses Problem - aber durch die Richtlinien der Europäischen Union ist es so brisant geworden. Zuhause kann jeder für sich die Belastung schon mit einfachen Mitteln herabsetzen: nicht rauchen, spezielle Staubsauger nutzen und beim Kochen die Abzugshaube einschalten. Beim Straßenverkehr und für die Industrie dagegen wird es wesentlich schwieriger. Umweltmediziner halten deshalb Panikmache für übertrieben, aber natürlich ist es wichtig, sich des Themas weitblickend anzunehmen.

-ab-05.04.05 Text / Foto: Photodisc

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