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Der Vater des Antibiotikums

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Der Vater des Antibiotikums

Vor 150 Jahren wurde Paul Ehrlich, der Vater des Antibiotikums, geboren. Ehrlichs Leistungen bei der Erforschung von Infektionskrankheiten und ihrer Bekämpfung sind auch heute noch unbestritten. Als einer der ersten deutschen Mediziner erhielt er im Jahre 1908 den Nobelpreis. Viele seiner Entdeckungen finden in der heutigen Medizin noch immer Verwendung und gerade was den Bereich der Antibiotika angeht, ist Paul Ehrlich auch knapp 90 Jahre nach seinem Tod ein Meilenstein geblieben.

Ein auffallend guter Student

Geboren wird Paul Ehrlich am 14.3.1854 als Sohn jüdischer Eltern in Strehlen, das damals zu Preußen gehörte (heute zu Polen). Von 1864 bis 1872 besucht er das Gymnasium in Breslau, danach beginnt Ehrlich sein Medizinstudium. Schon während des Studiums fällt er durch die Entdeckung neuer Zellen (= kleinster selbständiger Baustein des Körpers) auf. Früh beginnt er damit, Zellen unter dem Mikroskop sichtbar zu machen, indem er sie einfärbt.

Als Arzt den Krankheitserregern auf der Spur

Nach seinem Studium wird Paul Ehrlich 1878 als Arzt an die Berliner Klinik Charité berufen. Hier befasst er sich mit dem Nachweisen bestimmter Krankheitserreger (z.B. Bakterien) durch andere Stoffe vor allem durch Farben. Ehrlich erwirbt in dieser Zeit u.a. große Kenntnisse über Blutkrankheiten. Seit 1882 beginnt durch gemeinsame Forschungen mit Robert Koch auch Ehrlichs Zusammenarbeit mit anderen bedeutenden Medizinern seiner Zeit.

Bereits mit dreißig Jahren wird er auf Grund seiner außerordentlichen Leistungen zum Professor ernannt. Wenige Jahre später lehrt Ehrlich bereits an der Universität Berlin und verlässt die Charité. Ab 1891 setzt er seine Forschungen auf dem Gebiet der Krankheitsbekämpfung (Immunologie) am Institut für Infektionskrankheiten in Berlin fort. Ehrlich schafft eine allseits anerkannte Maßeinheit für die Stärke eines Serums (=Medikament).

1896 schließlich wird er Direktor eines eigenen Instituts für Serumprüfung und Serum-forschung. Dieses Institut zieht wenige Jahre später nach Frankfurt am Main um und wird im Folgenden auch mit der Kontrolle der bereits existierenden Medikamente betraut.

Institutsleiter, Nobelpreis und Antibiotikum eine steile Karriere
In den folgenden Jahren dehnt Ehrlich seine Forschungen auf verschiedene Krankheitsarten aus. Für die Stärkebestimmung von Medikamenten erhält er schließlich im Jahre 1908 den Nobelpreis, die höchste wissenschaftliche Auszeichnung überhaupt. Doch damit nicht genug. Nur zwei Jahre später legt er zusammen mit seinen Mitarbeitern den Grundstein für eine völlig neue Behandlungsmethode bei Infektionskrankheiten. Ehrlich entwickelt den ersten Vorläufer der Stoffe, die wir heute als Antibiotika bezeichnen.

Was genau ist ein Antibiotikum
Der Name Antibiotikum stammt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie gegen etwas Lebendes. Ein Antibiotikum ist eine Stoff, der bestimmte lebendige Krankheitserreger (in diesem Fall Bakterien) abtöten kann. Damit ist man in der Lage, durch ein bestimmtes Medikament eine ganz bestimmte Krankheit heilen zu können.

Antibiotika sind zum Teil selbst Abfallprodukte anderer kleiner Lebewesen (wie z.B. Pilze oder auch Bakterien) und können somit aus der Natur gewonnen werden. Wahrscheinlich gab es in der Geschichte viele ähnliche Anwendungen von Stoffen, jedoch ist uns das Wissen aus früheren Hochkulturen darüber verlorengegangen.

Heute kann man Antibiotika auch künstlich im Labor herstellen und ist somit in der Lage, viele verschiedene Medikamente zu erhalten. Und das ist auch nötig, denn einige Bakterien- arten wissen sich zu wehren und entwickeln mit der Zeit ihren eigenen Schutz gegen das Gift. Das nennt man dann Resistenz. Resistenzen sind der Grund dafür, dass die Antibiotikaforschung gezwungen ist, immer wieder neue Medikamente zu entwickeln. Und hierfür hat Paul Ehrlich den Grundstein gelegt, als er 1909 das erste künstliche Antibiotikum gegen die gefürchtete Syphilis, eine damals weit verbreitete tödliche Krankheit, entdeckte.

Ehrlichs Arbeiten: Eine Lebensleistung mit weitreichenden Folgen

1910 bereits werden erste Mengen des Serums produziert und zum Einsatz gebracht. Das
Medikament wirkt eine Sensation. Und zugleich der letzte Höhepunkt der Karriere Paul Ehrlichs, der nur noch wenige Jahre zu leben hat. Am 20.8.1915 stirbt er einundsechzigjährig und nach schwerer Krankheit in Bad Homburg. Ehrlichs Grab befindet auf dem israelischen Friedhof in Frankfurt am Main.

Leider war es Paul Ehrlich nicht mehr vergönnt zu erleben, wie im Jahre 1929 Alexander Fleming das erste natürliche Antibiotikum, nämlich das Penicillin, entdeckte und somit die Geschichte der Krankheitsbekämpfung grundlegend revolutionierte.

Weitere Informationen über das Leben Paul Ehrlichs findet ihr hier.

Text: Rafael Treml, Foto mit freundlicher Genehmigung des Paul-Ehrlich-Institus

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