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Aspirin - mehr als nur ein Mittel gegen Kopfschmerzen

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Aspirin - mehr als nur ein Mittel gegen Kopfschmerzen

Am 6. März 1899 wurde das Warenzeichen "Aspirin" in die Warenzeichenrolle des kaiserlichen Patentamts in Berlin eingetragen. Seit damals wird die mit Stärke vermengte Salicylsäure zu Tabletten gepresst, die in Wasser schnell zerfallen. Es war das erste Medikament, das in dieser Form auf den Markt kam.

Heutzutage sind die kleinen Pillen nicht mehr wegzudenken. Sie wirken entzündungshemmend, blutverdünnend, schmerzstillend und fiebersenkend.

Sie gehören zu den Medikamenten, die für die dringlichsten Bedürfnisse einer Bevölkerung zur medizinischen Versorgung notwendig sind. Aus diesem Grund wird das Mittel nicht umsonst seit 1977 auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation geführt. Die Rede ist von Acetylsalicylsäure beziehungsweise Aspirin. Doch wie entstand dieses scheinbare Wunderheilmittel?

Erste Verwendungen von Aspirin

Bereits die alten Griechen, Germanen, Kelten und andere Völker, kannten die schmerzlindernde und fiebersenkende Wirkung von Aspirin. Natürlich ist die Substanz und deren Name damals noch nicht bekannt gewesen, dennnoch wusste man, wie und wodurch man das Mittel erhält.

Die antiken Griechen gewannen beispielsweise einen aspirinähnlichen Stoff aus dem Saft der Weidenrinde. Die Weidenrinde galt zu dieser Zeit und auch später im Römischen Reich als eine Arznei.

Eine weitere Möglichkeit einen aspirinähnlichen Stoff zu bekommen, bestand darin, Bibergeil, ein Sekret aus den Drüsensäcken des Bibers, zu nutzen, um Salicylsäure zu erhalten. Salicylsäure schmeckt bei Einnahme bitter und bewirkt Nebenwirkungen wie Magenbeschwerden.

Die Salicylsäure wurde bis ins 19. Jahrhundert gegen Krämpfe, Nervosität und hysterische Anfälle eingesetzt.

Aspirin wird Marke

Bild rechts: So sieht die Marke Aspirin heute aus

Johann Andreas Buchner war die erste Person, die Salicin aus den Weidenrindenextrakten isolierte. Salicin ist ein chemisch verwandter Stoff der Acetylsalicylsäure (= Wirkstoff von Aspirin), der im Körper zu Salicylsäure umgesetzt wird.

Aspirin wurde schließlich 1853 erstmals von Charles Frédéric Gerhardt synthetisiert. Allerdings war seine Acetylsalicylsäure noch unrein, weshalb eine Reinsynthese notwendig war.

Die erfolgte am 10. August 1897 durch den Konzern Bayer, der dieses Produkt, also die Acetylsalicylsäure, dann Aspirin nannte.

Wer diese Reinsynthese allerdings zuerst durchführte, ist bis heute unklar. In der Diskussion stehen die beiden deutschen Chemiker Arthur Eichengrün und Felix Hoffmann.

1971 wurde durch John Robert Vane schließlich geklärt, wie Aspirin funktioniert. Hierfür erhielt er 1982 zusammen mit den Forschern Sune Bergström und Bengt Samuelsson den Nobelpreis für Medizin.


Eigenschaften und Wirkung von Aspirin


Acetylsalicylsäure ist ein weißes Pulver, das ein wenig nach Essigsäure riecht und bei einer Temperatur von 136°C schmilzt. Aspirin senkt die Bildung von bestimmten Gewebshormonen, den sogenannten Prostaglandinen.

Diese Gewebshormone sind für Blutgerinnung, Entzündungen, Schmerz und vieles mehr verantwortlich. Je nachdem, wie viel Aspirin eingenommen wird, wirkt es anders. Bei geringen Dosen wirkt es nur gerinnungshemmend.

Wird mehr Aspirin eingenommen, wirkt es schmerzstillend, antirheumatisch, fiebersenkend und bei großen Mengen (2-5 Gramm) entzündungshemmend.

 
Aspirin wird in der Regel als Schmerzmittel oder zur Senkung von Fieber eingesetzt. Aber auch gegen Rheuma und vor allem zur Vorbeugung von erneuten Schlaganfällen und Herzinfarkten findet es Anwendung. Außerdem weisen einige Studien mittlerweile darauf hin, dass eine Langzeiteinnahme von Aspirin möglicherweise zur Krebsvorbeugung dienen kann.

Bist du daran interessiert, wie Aspirin wirkt, dann nimm es unter keinen Umständen selbstständig ein, sondern nur nach Rücksprache mit deinen Eltern oder deinem Arzt, wenn entsprechende Beschwerden vorliegen. Denn auch Aspirin hat, wie die meisten Medikamente, Nebenwirkungen.

Mögliche Nebenwirkungen

Generell lässt sich sagen, dass Aspirin bei kurzzeitiger Adwendung und einer Dosierung von 0,5 bis 1 Gramm in der Verträglichkeit ungefähr mit anderen apothekenpflichtigen Schmerzmitteln vergleichbar ist.

Da die Prostaglandine, also die Gewebshormone, die die Acetylsalicylsäure hemmt, auch an der Regelung der Magensäuresekretion und der Magenschleimhautdurchblutung beteiligt sind, kann es durch einen (langfristigen) Einsatz von Aspirin zu Magenbeschwerden (also Übelkeit, Sodbrennen, Erbrechen) kommen. Bei Asthmatikern können Anfälle ausgelöst werden.

Weitere Beschwerden bei der Einnahme von Aspirin sind Schleimhautreizungen, Blutungen im Magen-Darm-Trakt und Magengeschwüre. Außerdem begünstigt eine Aspirineinnahme Nasenbluten.

Für Kinder und Jugendliche die eine fieberhafte Erkrankungen haben, kann Aspirin sehr gefährlich werden, da hier die Möglichkeit besteht, dass Aspirin das Reye-Syndrom (Erklärung unten) auslöst. Aus diesem Grund sollte in diesem Fall auf andere Medikamente (z.B. Paracetamol oder Ibuprofen) ausgewichen werden. Trotzdem gibt es auch im Kindesalter Krankheitsbilder, bei denen eine Behandlung mit Aspirin sinnvoll ist.

Auch in der Schwangerschafft ist Aspirin besonders problembehaftet, da es das ungeborene Kind gefährden kann.

Zusätzlich dazu gibt es eine Aspirinallergie und Hinweise darauf, dass Aspirin die Wirksamkeit von Impfstoffen herabsetzt.

Begriffserklärungen:

Synthese kommt aus dem griechischen Wort sýnthesis und bedeutet: Zusammensetzung, Zusammenfassung, Verknüpfung. Eine Synthese bezeichnet in unserem heutigen Sprachgebrauch die Vereinigung von zwei oder mehr Bestandteilen zu einer neuen Einheit.


Das Reye-Syndrom
ist eine Erkrankung, bei der eine akute Schädigung des Gehirns und eine Veränderung der Leber im Vordergrund stehen. Das Reye-Syndrom tritt selten auf und endet nicht selten mit dem Tod des Patienten. Es kann in allen Altersstufen vorkommen, betrifft aber hauptsächlich Kinder im Alter von vier bis neun Jahren.

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Text: RR, Stand: 1. 3. 2012, Fotos: Bayer HealthCare AG

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