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6. Juni - Tag der Organspende

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6. Juni - Tag der Organspende

Wozu werden Organe gebraucht? Wann wird ein Mensch zum Organspender? Was bedeutet Hirntod? Wer sich mit diesem nicht gerade einfachen Thema auseinander setzen möchte, liest hier weiter.

Was bedeutet Organspende?

Links: Modell der menschlichen Organe.

Wenn bei einem Menschen ein Organ wie etwa Lunge, Leber oder Niere nicht mehr richtig funktioniert, hilft in manchen Fällen nur ein Ersatzteil, ein neues Organ. Doch woher bekommt man das?

Viele Organe können (noch) nicht künstlich hergestellt werden, deshalb muss man sie aus dem Körper eines anderen Menschen holen. Weil dieser jedoch Herz, Leber und Lunge selbst benötigt, können sie erst entnommen werden, wenn der Spender nicht mehr lebt.

Die einzige Ausnahme stellt die Niere dar. Weil jeder Mensch zwei Nieren besitzt, kommt es gelegentlich vor, dass eine gesunde Person einem ihm nahestehenden Kranken eine ihrer Nieren schenkt. Ein prominentes Beispiel dafür ist Ivan Klasni, nierenkranker Stürmer von Werder Bremen, der von seinem Vater eine Niere bekam. Auch Teile von Leber und Lunge werden manchmal als Lebendspende übertragen.

Rechts: Trifft das Spenderorgan für die Transplantation ein, ist für die Operation schon alles vorbereitet. Der Empfänger liegt im OP (links im Bild).

Doch meist handelt es sich um sogenannte Todspenden. Dabei werden einer Person, die den Hirntod erlitten hat, bestimmte Organe herausoperiert. Organe können nämlich nur dann wieder verwendet werden, wenn sie nicht selbst abgestorben sind. Der Kreislauf des Sterbenden muss also für diese Operation aufrecht erhalten werden. Die Körperteile müssen dann schnell zum Empfänger gebracht und diesem eingepflanzt werden.

Was bedeutet Hirntod?

Links: Der Hirntod tritt meist in der Intensivstation ein.

Bis in die 1960er Jahre wurde ein Mensch für tot erklärt, wenn sein Herz und Kreislauf still standen und er nicht mehr atmete. Durch die moderne Apparatemedizin kann man jedoch Herztätigkeit und Atmung über lange Zeit künstlich aufrecht erhalten.

Damit kam die Frage auf: Wann ist jemand tot? So wurde die neue Definition des Hirntodes eingeführt. Sie besagt, dass der Patient dann tot ist, wenn sein Gehirn nicht mehr funktioniert und dieser Prozess sich auch nicht mehr umkehren lässt. Der Hirntod muss von zwei Ärzten unabhängig voneinander bestätigt worden sein, ehe Organe entnommen werden dürfen.

Das Problem dabei ist, dass der Sterbende, der bereits für tot erklärt wurde, noch sehr lebend aussieht: sein Herz schlägt, er atmet mithilfe einer Maschine und kann sogar noch Bewegungen zeigen.

Rechts: Die Organentnahme findet im Operationssaal statt.

Für die Angehörigen, die diesen Menschen gerade verlieren, ist es sehr schwer nachzuvollziehen, dass dieser schon tot sein soll. Gern wollen sie ihm beim Sterben beistehen. Doch das geht nicht, wenn er zur Organentnahme in den Operationssaal gebracht werden muss.

Und letztlich ist auch nicht vollständig geklärt, wie viel ein Hirntoter tatsächlich noch mitbekommt.

Leben schenken

Gleichzeitig ist die Organentnahme eben nur in diesem Stadium möglich. Was für die eine Familie ein schrecklicher Schicksalsschlag ist, wird für einen Schwerkranken zum Glücksfall. Endlich bekommt er ein neues Herz oder eine neue Niere.

In Deutschland gibt es viel weniger Organspenden als nötig wären um alle Kranken zu versorgen. Etwa dreimal so viele Patienten warten auf eine neue Niere als Organe zur Verfügung stehen. Gerade viele Herz- und Leberkranke sterben, bevor sie ein passendes Ersatzteil bekommen konnten.

Deshalb wirbt die Deutsche Stiftung Organspende darum, dass mehr Menschen sich einen Organspendeausweis (siehe  links) ausstellen lassen. Mit diesem Papier bescheinigt man, dass man im Falle des eigenen Todes damit einverstanden ist, dass einem Körperteile entnommen werden. Bislang besitzen nur etwa 17 Prozent der Deutschen dies Dokument.

Wer wird zum Spender?

In Deutschland und der Schweiz dürfen einem Toten nämlich nur dann Organe entnommen werden, wenn dieser sich zu Lebzeiten dafür entschieden hat oder wenn seine Angehörigen dem zustimmen falls keine Erklärung vorliegt.

In Österreich und etlichen anderen EU-Ländern gilt hingegen die erweiterte Widerspruchslösung. Das bedeutet, man muss vor seinem Tod etwa durch einen Nicht-Spende-Ausweis deutlich machen, wenn man eine Organentnahme ablehnt. Andernfalls darf diese Operation an jedem ausgeführt werden. Auch in Deutschland wird eine Gesetzesänderung in diese Richtung erwogen.

Natürlich wird jeder mögliche Spender im Todesfall genau untersucht, ob er keine Krankheiten hat, die dem Empfänger seines Organs gefährlich werden könnten.

Links

Mehr Informationen über Organspende erhaltet ihr

...bei der Deutsche Stiftung Organtransplantation, die für die Koordination aller Organspenden in Deutschland zuständig ist:

Kritische Aufklärung über Organtransplantation findet ihr hier.

Mehr über das Thema Körper lest ihr in folgenden WAS IST WAS Bänden: Band 50 Unser Körper und Band 108 Das Gehirn.

Über die Möglichkeiten der modernen Medizin informiert euch WAS IST WAS Band 66 Geschichte der Medizin. 

Text: lm 06.03.08, Bilder: Organspendeausweis: pd; Illustration Organtransplantation: aus WAS IST WAS Band Geschichte der Medizin, illustriert von Alessandro Baldanzi; weitere Fotos: Tessloff Archiv.

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt