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5. Mai Tag der Hebammen

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5. Mai Tag der Hebammen

Damit ihr euch die vielfältigen Tätigkeiten einer Hebamme vorzustellen könnt, dürft ihr eine freiberuflichen Hebamme einen Tag lang begleiten. Einige Fachbegriffe erklären euch die Links am Ende der Seite

7.00 Uhr: Besuche bei den Wöchnerinnen auf der Entbindungsstation im Krankenhaus. Frau T. klagt über Schmerzen an der Brust beim Stillen. Ich untersuche sie, zeige ihr noch einmal, wie sie ihr Baby am besten zum Trinken anlegt und gebe ihr eine Salbe, die die Entzündung lindert.

Frau L. geht heute mit ihrem drei Tage alten Max nach Hause. Ich vereinbare mit ihr einen Termin für den ersten Hausbesuch. Den anderen Müttern helfe ich, ihre Babies zu baden, zu wickeln und anzuziehen. Ein junger Papa ist auch dabei.

10.00 Uhr: Einige Hausbesuche bei Wöchnerinnen stehen auf dem Programm. Ein Neugeborenes zu Hause zu haben ist für alle eine große Umstellung. Ich spreche mit ihnen darüber, ob sie mit der Ernährung und Pflege ihres Kindes zurecht kommen und gebe ihnen Tipps. Ich sehe mir an, ob der Nabel der Säuglinge gut abheilt.

Bei einer Frau klingelt es ständig an der Tür und Besucher kommen, die das Baby sehen und gratulieren möchte. Die Arme ist schön völlig erschöpft. Ich sage ihr, dass sie sich jetzt Ruhe gönnen muss. Die Besucher können auch in ein paar Wochen noch kommen.

13.00 Uhr: Einige Schwangere kommen zur Schwangerschaftsvorsorge. Ich wiege und untersuche sie, schicke Blut- und Urinproben ins Labor. Die Herztöne der Babies werden mit dem CTG (Cardiotokogramm) gemessen. Die Sonden dieses Geräts schnalle ich den Schwangeren mit einem Gürtel um den Bauch. Sie können sich dann entspannt hinlegen und auf einem Bildschirm die Herzfrequenzen ihres Kindes beobachten.

Bei einer Hochschwangeren, Frau K. zeigt das Gerät auch regelmäßige Wehen an. Ich untersuche sie und stelle fest, dass ihr Muttermund (die Öffnung der Gebärmutter, durch die das Kind bei der Geburt hindurch muss) bereits leicht geöffnet ist. Bis zur Geburt wird es nicht mehr lange dauern, auch wenn der Geburtstermin erst für in zwei Wochen errechnete ist. Ich sage Frau K. dass sie ihre Kliniktasche packen soll, aber sie hat bereits alles vorbereitet, ihr erstes Kind kam auch drei Wochen zu früh auf die Welt.

16.30 Uhr: Frau S. ruft an und ist völlig aufgelöst. Ihre zwei Wochen alte Katharina hat seit heute Nacht nichts mehr getrunken. Die Kleine schreit schon seit über einer Stunde. Ich beruhige die Mutter und erkundige mich nach Katharinas Gesundheit, währenddessen schläft das Kind ein. Später, wenn beide sich ausgeruht haben, klappt es mit dem Stillen bestimmt. Falls nicht habe ich versprochen, heute Abend vorbei zu kommen.

Bild: Jede Schwangere erhält einen Mutterpass in dem alle Vorsorgeuntersuchungen eingetragen werden.

17.00 Uhr: Geburtsvorbereitungskurs. Zehn schwangere Frauen sind dabei, einige ihrer Männer sind heute auch mitgekommen. Wir sprechen darüber, wie eine Geburt verläuft und wie die Männer ihre Frauen dabei unterstützen können. Danach üben die Frauen mit mir eine Atemtechnik, die ihnen bei den Wehen helfen wird.

19.00 Uhr: Rückbildungsgymnastik. Nach der Schwangerschaft müssen sich bestimmte Muskeln zurückbilden, dafür mache ich mit den Frauen einige Übungen. Manche von ihnen haben ihre Säuglinge dabei.

Mitten in der Nacht, 1.30 Uhr: Frau K. ruft an, ihre Wehen sind seit heute Nachmittag sehr stark geworden. 20 Minuten später treffen wir uns im Kreissaal (Entbindungsraum) des Krankenhauses. Der Muttermund ist bereits wesentlich weiter offen, als noch heute Nachmittag.

Das CTG zeigt Wehen im Abstand von zwei Minuten. Frau K. ist froh, dass es diesmal nicht so lang dauern wird, wie bei ihrem ersten Kind. Trotzdem bittet sie mich um ein Schmerzmittel. Herr K. ist dabei und unterstützt seine Frau, indem er ihren Rücken massiert und ihr hilft, sich auf die Atmung zu konzentrieren.

Nach drei Stunden steht die Geburt unmittelbar bevor. Ich rufe den Frauenarzt. Frau K. presst ein paar Mal sehr fest und schon ist das Köpfchen des Kindes zu sehen. Jetzt weigert sie sich weiter zu machen, sie hat solche Schmerzen. Aber wir ermutigen sie gemeinsam, dass sie gleich ihr Baby im Arm halten wird. Und zwei Wehen später ist es auch schon da. Ich klemme die Nabelschnur ab und Herr K. darf sie durchschneiden.

Nachdem die Eltern ihr Kind begrüßt haben, nehme ich die Erstuntersuchung vor. Ich ziehe den kleinen Felix an und zeige seiner Mutter, wie sie ihn an die Brust legen kann. Zwei Stunden bleiben Mutter und Kind noch zur Beobachtung im Kreissaal. Ich räume alles auf, damit der Raum wieder startklar ist für die nächste Geburt.

Arbeiten alle Hebammen in Krankenhäusern?
Sehr viele Hebammen sind in Krankenhäusern angestellt oder arbeiten als Beleghebammen, Freiberuflerinnen, die alle Einrichtungen des Krankenhauses nutzen. Manche Hebammen haben aber auch eigene Praxen und Geburtshäuser, in denen sie Geburten und Beratungen durchführen. Schließlich gibt es noch die Möglichkeit der Hausgeburt. Auch dabei darf eine Hebamme natürlich nicht fehlen.

Seit wann gibt es Hebammen?
Da schon immer Kinder geboren wurden, gab es vermutlich auch schon immer Menschen, die den Frauen bei der Geburt beistanden. Schon im Talmud (Buch der Gesetze der jüdischen Religion) und im Alten Testament der Bibel werden Hebammen erwähnt. Im Alten Rom hatten die Hebammen ein hohes Ansehen.

Auch im Mittelalter war Geburtshilfe die Sache von kundigen Frauen. Da sich Hebammen gut mit dem weiblichen Körper auskannten und Methoden zur Empfängnisverhütung wussten, wurden sie jedoch gelegentlich verdächtigt, Hexen zu sein.

Erst um 1700 kamen Unterrichtsbücher für Geburtshilfe auf. Vorher war das Wissen über die Vorgänge der Geburt, über Heilkräuter und hilfreiche Maßnahmen mündlich und durchs Zusehen überliefert worden.

Wie wird man Hebamme?
Heute ist die Ausbildung zur Hebamme natürlich gesetzlich geregelt. Innerhalb von drei Jahren erwirbt man an einer Hebammenschule die theoretischen und vor allem praktischen Kenntnisse und Fähigkeiten, die zur Geburtshilfe, Betreuung von Schwangeren und Wöchnerinnen sowie zur Säuglingspflege nötig sind.

Kann man auch als Mann Hebamme werden?
Ja. Die Berufsbezeichnung lautet dann Entbindungspfleger. Allerdings sind rund 86 Prozent der Hebammen weiblich.

LM 04.05.04, Cartoon: Petra Graef, Tessloffs Aufklärungsbuchbuch

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt