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110 Jahre Blutdruckmessung

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110 Jahre Blutdruckmessung

Vor 110 Jahren wurde von Scipione Riva-Rocci das erste Gerät zur Messung des Blutdrucks entwickelt. Bis heute funktionieren die meisten Geräte nach seinem Prinzip. Wir verraten euch, wie sie funktionieren sowie die Bedeutung von Systole und Diastole ...

Fast immer wird heutzutage bei der Untersuchung von Erwachsenen auch der Blutdruck gemessen. Denn der Blutdruck zeigt an, ob mit dem Herz-Kreislaufsystem alles in Ordnung ist. Zu hoher und zu niedriger Blutdruck sind schlecht: Ist er längere Zeit zu hoch, und bewegt man sich zu wenig oder isst zuviel, dann droht ein Herzinfarkt oder Schlaganfall. Ist er zu niedrig, ist man schlapp und müde und nie richtig leistungsfähig.

Blutdruck messen aber wie?

Aber wie kann man den Blutdruck messen? Schließlich fließt das Blut ja im Köper. Dafür gibt es zwei Methoden: eine direkte und eine indirekte. Die direkte Messmethode nennt man auch invasiv, weil man dabei in den Körper und die Blutgefäße eindringen muss. Diese blutige Art der Messung führt man nur bei Operationen durch, wenn der Patient narkotisiert ist. Dabei wird ein Druckfühler in eine Arterie eingesetzt.

Die indirekte Methode ist nicht-invasiv, findet also außerhalb des Körpers statt. Dabei wird mit Hilfe einer aufblasbaren Gummimanschette der Blutfluss in der Arterie im Arm gemessen. In den Arterien fließt das Blut mit Druck vom Herzen weg in die Extremitäten, also Arme und Beine. In den Venen wird das Blut zurück zum Herz transportiert.

100 zu 80 ?

Die Methode mit der Gummimanschette wurde 1896 vom italienischen Arzt Scipione Riva-Rocci entwickelt. Bis heute wird manchmal auf ärztlichen Protokollen die Blutdruckmessung mit RR für Riva-Rocci abgekürzt. Dort stehen zwei Zahlenwerte, normal sind etwa 120/80. Der erste Wert zeigt den maximalen Pumpdruck des Herzens an, der zweite Wert den Druck, der ohne Herzschlag im Kreislaufsystem herrscht. Wie kommt man zu den Werten?


Die Grafik muss man von links nach rechts "lesen". Die rote Welle zeigt den Verlauf des Blutdrucks an. Das Herz zieht sich jeweils im Wellental zusammen. Die graue Linie zeigt, wie aus der Gummimanschette nach und nach die Luft abgelassen wird. Auf der schwarzen Linie siehst du die entstehenden Geräusche und zu welchen Blutdruckwerten das führt.


Systole

Die Gummimanschette wird aufgeblasen und unterbricht den Blutfluss total. Gleichzeitig hört der Arzt mit dem Stethoskop oberhalb der Manschette den Arm ab. Nun lässt er über ein Ventil langsam die Luft ab. Kann gerade das erste Blut wieder im Arm fließen, dann hört der Arzt die ersten Schläge(A). Das ist die obere Grenze des Blutdrucks, der so genannte systolische Wert (Im Beispiel von oben: 120). Er entspricht der Kraft, die das Herz in Ruhe zum Pumpen aufbringt.

Diastole

Nun wird der zweite Wert gemessen, der den allgemeinen Druck im Kreislaufsystem angibt. Dazu wird langsam immer weiter Luft aus der Manschette abgelassen. Der Arzt hört so lange ein Pochen, so lange der Luftdruck in der Manschette größer ist als der Blutdruck. Der Druck, bei dem das letzte Pochen zu hören ist, ist der so genannte diastolische Blutdruck (Im obigen Beispiel: 80). Das ist der Druck im Blutkreislauf zwischen zwei Herzschlägen.

Tradition in der Medizin

Der Luftdruck in der Manschette wird angegeben, als würde man ihn mit der altertümlichen Methode der Quecksilbersäule messe, die noch der Arzt Riva-Rocci verwendete. Das hat sich in der Medizin als Tradition gehalten. Bei einem Wertepaar von 120/80 heißt das, dass das Herz beim Zusammenziehen so viel Druck ausübt, wie eine 120 Millimeter, also zwölf Zentimeter hohe Quecksilbersäule. Und wenn das Herz sich gerade mit Blut füllt, dann herrscht im Kreislaufsystem ein Druck entsprechend 80 Millimeter oder acht Zentimeter.

Herzschlag und Korotkow-Geräusche

Die Geräusche, die der Arzt in seinem Stethoskop hört, sind nicht die Schlaggeräusche des Herzens, sondern Verwirbelungsgeräusche des Blutes an der Stelle, wo die Gummimanschette das Blutgefäß im Arm abdrückt. Sie treten aber natürlich im Takt des Herzschlags auf. Die Geräusche sind nach ihrem Entdecker, einem russischen Militärarzt, als Korotkow-Geräusche bekannt.

Die Methode mit Stethoskop ist für daheim nicht geeignet. Für zu Hause gibt es verschiedene Geräte. Am besten sind jene, die am Oberarm messen. Handgelenksmessgeräte sind im allgemeinen eher ungenau. Wichtig ist, die Manschette auf Herzhöhe anzulegen oder das Handgelenk auf Herzhöhe zu halten, sonst geben die Messgeräte nicht den tatsächlichen Druck wieder.

Übrigens:

Der amerikanische Arzt Harvey Cushing verbesserte und verbreitete die Methode von Riva-Rocci ab 1901.

Erst im 17. Jahrhundert kam man darauf, dass es einen Zusammenhang zwischen Puls, Herzschlag und dem Blutkreislauf gibt, ja, dass überhaupt ein Blutkreislauf existierte. Es gab damals erbitterte gelehrte Auseinandersetzungen darüber, ob und wie das Blut im Körper transportiert wird.

Begriffserklärungen:

Stethoskop: Hörgerät für den Arzt. Körpergeräusche, etwa Atmung und Herzschlag, kann er damit viel deutlicher wahrnehmen. Verwendet der Arzt das Stethoskop, dann auskultiert er (auskultieren=abhören).

Wenn dich dein Körper oder die Geschichte der Medizin interessiert, dann wirf doch auch mal einen Blick in unseren WAS IST WAS-Band 50: Der menschliche Körper
  oder in unsereren WAS IST WAS-Band 66: Geschichte der Medizin

Text: -jj- 29.11.2006 //Bilder: Messgerät/Stethoskop Rsabbatini/PD ; Grafik: PhilippN/GFDL ; Handmessgerät: Peng/GFDL

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