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Wie aus einer Idee eine interaktive DVD wird

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Wie aus einer Idee eine interaktive DVD wird

Die Idee der DVDi stammt von Stephan Kolloff. Er hat dieses internationale Projekt geleitet. Dazu war er nicht nur in Deutschland, sondern auch in Russland unterwegs. Und die DVDi - ob ihr es glaubt oder nicht, hat sogar Station in Australien gemacht. Warum? Das haben wir Stephan gefragt. Außerdem wollten wir wissen, wie die interaktive DVD entstanden ist und wie man überhaupt ein Spieleentwickler wird.

S.Kolloff: Ich bin durch Zufall dazu gekommen. Ich war Lehrer und hab sehr viel Zeit vor dem Computer verbracht, sowohl mit Spielen als auch beim Programmieren. Bei den Spielen war mein Favorit immer Tomb Raider". Ich fand es genial in fremden Welten herumzustöbern, neue Wege zu suchen und Geheimnisse zu lüften.

Dann las ich eine Anzeige in der Zeitung. Eine Firma suchte jemanden für den Multimedia-Bereich. Bei dem Bewerbungsgespräch bekam ich ein Bild vorgelegt und wurde gefragt: Was hörst du, wenn du dieses Bild siehst? ich fand das Klasse, denn da war klar: Man braucht für diesen Job viel Fantasie und muss auch in Zusammenhängen denken können.

WIW-Red.: Welche Eigenschaften braucht ein Spielentwickler noch?

S. Koloff: Man muss sehr strukturiert sein, immer den Überblick behalten und abstrakt denken können. Schließlich hat man rund 300 Seiten Drehbuch und die muss man in eine Navigation packen und sich die Worte als Geschichte und Screens auf dem Bildschirm vorstellen können. Man muss das ganze Spiel durchdenken.

WIW-Red.: Du hast ja schon viele Lernspiele und software entwickelt, so z.B. die CD-Roms mit der "Maus", "Milli Meta"; "Die wilden Fußballkerle", "Maja", "Wicki" oder "Lauras Stern". Was ist denn der Unterschied zwischen einer DVD und einer interaktiven DVD?

S. Kolloff: Eine DVDi wird für den DVD-Player entwickelt und der ist nur ein Wiedergabegerät, so wie ein Kassettenrecorder. Deshalb kann man nur eingeschränkt Befehle erteilen, die er ausführen kann. Ein Computer ist da viel weiter und anders, denn er führt Berechnungen aus und kann auf Befehle vielfältiger reagieren. Durch den DVD-Player ist man beim Entwickeln stärker eingeschränkt.

WIW-Red.: WAS sind die Unterschiede für den Spieler?

S. Kolloff: Statt der Maus, hat er die Fernbedienung. Das macht die Sache einfacher, weil man nur 5 Tasten zum Spielen braucht und man kann auf seinem Fernseher im Wohnzimmer spielen dadurch hat man ein größeres Bild als auf dem Computer.

Das eingebaute Filmmaterial sieht man richtig "groß" auf dem Bildschirm. Und es ist viel cooler, weil man zusammen auf der Couch sitzen kann und zu zweit oder in zwei Teams gegeneinander spielen kann.

WIW-Red.: Wie ist das Quiz aufgebaut?

S. Kolloff: Es gibt leichte und schwere Fragen aus 26 Wissensgebieten. Sie sind in einer Pyramide angeordnet. Unten hat man eine große Auswahl und kann das Wissensgebiet aussuchen, das man am besten kann. Je höher der Spieler in der Pyramide aufsteigt, desto kleiner wird die Auswahl und damit wird die Sache immer schwieriger.

WIW-Red.: Die Fragearten hast du ganz vielfältig gestaltet. Wie sehen die denn aus?

S. Kolloff: Es gibt welche mit vier Antwortmöglichkeiten, andere werden nach Gehör gelöst, es gibt Bilderrätsel und "Top oder Flop". Dabei kann eine Frage auch mehrere richtige oder falsche Lösungen haben. Bebildert ist das Spiel mit handgezeichneten Animationen, Illustrationen, Filmausschnitten und Fotos.

WIW-Red.: Also, du hast dir die Spielidee, in diesem Fall die Pyramide, die Fragearten, die Auswahl der Gebiete und die entsprechenden Filme ausgedacht und gesichtet, und dann? Wie entsteht so eine DVDi?

S. Kolloff: Genau, man macht die Materialsammlung und daraus ein Konzept. Wenn man das hat, dann sucht man sich einen Autoren und der denkt sich die Fragen aus, denn die müssen sprachlich einheitlich, gut verständlich und eindeutig sein. Das entspricht dann dem Drehbuch. Dieses wurde von den Lektorinnen des Tessloff Verlages nochmals überprüft. Das fertige Drehbuch wurde dann in Hamburg ins Englische übersetzt, denn die DVDi ist zweisprachig.

WIW-Red.: Du bist ja richtig viel unterwegs gewesen, um das Projekt zu realisieren.

S. Kolloff: Stimmt, denn dann bin ich zur Produktionsfirma nach Russland gereist und habe das gesamte Material mitgebracht. Gemeinsam mit dem Programmierer Boris (links) und der Projektleiterin Jenia, die beide schon sehr viel internationale Projekte gemacht haben, sind wir alles durchgegangen. Britta, die Grafikerin aus Nürnberg, hatte schon alle Rahmen und Formulare gestaltet. Außerdem tauchen auch Theo, Tess und Quentin auf, die drei Figuren aus der WAS IST WAS TV-Serie. Wir besprechen also, wie diese Formulare befüllt werden sollen mit Texten und Bildern. Besprochen wird z.B. auch, wie das Menü funktioniert oder was bei welchem Befehl passiert und wann welche Geräusche oder Musik kommen. Mit all diesen Infos setzt sich Boris hin und beginnt zu programmieren.

WIW-Red.: Ist dann für dich die Arbeit hier beendet?

S.Kolloff: Nein, noch lange nicht. Ich habe in der Zwischenzeit gemeinsam mit Jan, einem Multimedia- Techniker, alle Videos zurecht geschnitten. Da gab es noch keinen Ton. Anschließend wurden passende Geräusche und die Musik ausgewählt. Jan hat z.B. auch extra für die DVDi komponiert. Manchmal ist es gar nicht so einfach die richtigen Geräusche zu finden. So wurde z.B. das Geräusch des quietschenden Keilriemens extra aufgenommen. Auch das Brüllen eines Krokodils wurde erst in den USA gefunden. Dann gings in ein Tonstudio. Die Sprecher von Theo, Tess und Quentin aus der WAS IST WAS TV-Reihe, haben auch für die DVDi ihre Rollen übernommen und eingesprochen.

WIW-Red.: Und die englische Fassung?

S. Kolloff: Für die englischen Stimmen wurden extra englischsprachige Sprecher engagiert. Über acht Stunden hat das Einsprechen gedauert, denn es waren über 500 Fragen die vertont werden mussten. Die so entstandene Tonspur wird dann geschnitten. So kamen pro Sprache über 3000 einzelne Dateien heraus, die auf einer DVD gespeichert wurden. Das ganze Hörmaterial, also die Musik, die Geräusche und die Tonaufnahmen wurden nach Russland geschickt.

Dazwischen musste immer genau besprochen werden, wo was hinkommt, damit nicht der Überblick verloren wird. Jan bekam aus Russland dann auch noch fertig gezeichnete Animationen, die er vertonte.

WIW-Red.: Wie lange dauerte denn das Ganze?

S. Kolloff: Nach rund sechs Monaten war das ganze Rohmaterial fertig. Nach weiteren fünf bis sechs Monaten kamen immer wieder neue Testversionen, die immer wieder überarbeitet wurden. Wenn dann die so genannte Beta-Version, in der das ganze Material eingearbeitet ist, fertig ist, wird wieder getestet.

WIW-Red.: Und wer hat das übernommen?

S. Kolloff: Gemeinsam mit unserer Praktikantin Alexandra, habe ich das Spiel drei Monate lang durchgetestet und gespielt. Immer und immer wieder. Auf ganz unterschiedlichen DVD- Spielern, damit das Quiz auch überall gleich gut läuft. Jedes Mal, wenn ein Fehler, ein so genannter "Bug" gefunden wurde, bekam Boris eine Mail und der Fehler wurde behoben.

WIW-Red.: Und dann machten die ersten fertigen Versionen eine lange Reise nach Australien. Warum denn das?

S. Kolloff: Weil es dort ein Testlabor mit furchtbar vielen DVD-Spielern gibt. Da werden die Spiele im Dauerbetrieb getestet. An jedem DVD-Spieler sitzt jemand, der eine spezielle Funktion ununterbrochen testet. Und erst wenn die Tester in Australien sagen: "Jetzt ist alles o.k.!", dann wird die erste Master- DVD gebrannt und die kommt dann ins Presswerk zum Vervielfältigen. Das Booklet, der Einleger und die ganze Verpackung werden produziert, die DVDs gepresst und gedruckt und maschinell verpackt und dann werden die DVDis an die Läden ausgeliefert.

WIW-Red.: Hast du von der DVDi geträumt?

S. Kolloff: Naja, das nicht. Aber sobald irgendwo eine entsprechende Frage kam, hatte ich sofort die Antwort. Es war ein unglaublich schönes Gefühl, als sie fertig war! Richtig toll!

WIW-Red.: Toll ist ja auch, dass man nicht nur Spielen, sondern auch noch sein Englisch trainieren kann.

S. Kolloff: Stimmt, es gibt ein deutsch englisches Glossar zur DVDi, das man sich online herunterladen kann. Das ist echt gut. So kann man spielend sein Englisch trainieren und das ab jedem Alter, denn die DVDi wurde ohne Altersbeschränkung freigegeben. Das heißt: ich wünsch allen, von 0 bis 99 viel Spaß damit!

WIW-Red.: Danke für das Gespräch, Stephan.

-ab-12.10.2006 Interview / Fotos: Screenshots aus DVDi: "Das große interaktive Wissensquiz Vol. 1", Stephan Kolloff.

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