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Schallmauer durchbrochen

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Schallmauer durchbrochen

Am 14. Oktober 1947 schrieb der Pilot Chuck Yeager Luftfahrtgeschichte. Mit seinem Raketenflugzeug X-1 flog er als erster Mensch schneller als der Schall.

Die so genannte Schallmauer galt in der Luftfahrt lange als unüberwindbare Größe. Propellerflugzeuge waren ohnehin zu langsam gewesen, um Schallgeschwindigkeit zu erreichen. Erst mit dem Einsatz der Strahltriebwerke, wie sie in Düsenflugzeugen verwendet werden, änderte sich das. Damals rankten sich düstere Legenden um die Schallmauer: Die Piloten fürchteten, dass die Flugzeuge zerbrechen würden, wenn sie die Schallmauer erreichten daher auch der Name: Die Piloten glaubten, dass sie mit ihren Maschinen gegen eine Mauer prallen würden.

Schallgeschwindigkeit nach Ernst Mach



Schall breitet sich nicht unendlich schnell aus. Seine Geschwindigkeit ändert sich mit der Temperatur. Bei 20° C beträgt sie ziemlich genau 1 231 km/h.
 
Unterhalb der Schallgeschwindigkeit fliegt das Flugzeug innerhalb der Druckwellen, die von ihm ausgesandt werden. Diese breiten sich mit Schallgeschwindigkeit aus - und fliegen dem Flugzeug weit und ungehindert voraus.
 
Erreicht ein Flugzeug die Schallgeschwindigkeit - sie wird nach dem österreichischen Physiker Ernst Mach Mach1 genannt - sind das Flugzeug und seine Druckwellen gleich schnell. Dadurch verdichten sich die Druckwellen zu einer Schockwelle, die senkrecht zur Flugrichtung steht. Das ist die Schallmauer.
 
Bewegt sich das Flugzeug schneller als der Schall, überholt es die Schockwelle (eigenen Druckwellen). Diese Schockwelle ist als Überschallknall zu hören.

Chuck Yeager Vom Mechaniker zum Kampfpiloten



Der am 13. Februar 1923 in Myra, West Virginia geborene Charles Elwood Yeager war ein leidenschaftlicher Pilot. Seine Freunde nannten ihn "Chuck". Dieser Name ist ihm bis heute geblieben.
Als 18jähriger ging er zur US Army Air Force und ließ sich zum Flugzeugmechaniker ausbilden. Er wollte aber nicht am Boden bleiben und begann ein Jahr später mit dem Flugtraining. Bei einem ersten Flug wurde er luftkrank. Davon ließ er sich nicht entmutigen, machte seinen Flugschein und meldete sich 1943 zur Kampfpilotenausbildung. Im gleichen Jahr wurde er nach Europa versetzt und kämpfte im Zweiten Weltkrieg. In den zwei Jahren bis zum Kriegsende schoss er 12 feindliche Flugzeuge ab, wurde einmal über Frankreich selbst abgeschossen und flüchtete zurück zu seinen Leuten.

Schneller als der Schall



Nach dem Krieg blieb Yeager in der Air Force und wurde Testpilot. In einem Forschungsprogramm sollte er die raketengetriebene X-1 testen. Am 14. Oktober 1947 gelang Yeager mit diesem Flugzeug in einer Höhe von 13,700m der Durchbruch durch die Schallmauer, wobei er Mach 1.06 erreichte.
Eigentlich hätte er gar nicht fliegen dürfen, weil er sich kurz vorher bei einem Ausritt zwei Rippen gebrochen hatte. Aus Angst, nicht fliegen zu dürfen, ließ er sich nur von einem Tierarzt in der Umgebung behandeln. Durch diese gebrochenen Rippen war es für Yeager unmöglich die Luke der X-1 zu schließen, so dass er dazu das Ende eines Besenstiels verwendete.

Noch mehr Rekorde



Nach seinem historischen Flug setzte Yeager sich noch lange nicht zur Ruhe. Statt dessen brach er viele weitere Geschwindigkeits- und Höhenrekorde. So war er der erste amerikanische Pilot, der eine sowjetische MiG-15 (mit der sich ein nordkoreanischer Pilot nach Südkorea abgesetzt hatte) flog. 1953 arbeitete er mit einem Team an der X-1A, ein Flugzeug, das im Horizontalflug Mach 2 erreichen sollte. Allerdings flog am 20. November Scott Crossfield mit einer Douglas Skyrocket als erster Mensch Mach 2 im Horizontalflug. Zusammen mit Jack Ridley wollte Yeager diese Leistung übertreffen. Am 12.Dezember 1953 erreichten die beiden eine Geschwindigkeit von Mach 2.44. Allerdings verlor Yeager hinterher die Kontrolle über die X1-A. Nach einem 51 Sekunden dauernden Trudeln über alle drei Achsen bekam er die Maschine jedoch wieder unter Kontrolle und konnte sicher landen.
Yeager blieb bis zum Ende des Vietnamkrieges bei der US-Luftwaffe. Er wurde als einer der talentiertesten Piloten der USA betrachtet und schied im Rang eines Brigadegenerals aus dem Militär aus.

Buch und Film



Der amerikanische Schriftsteller Tom Wolfe setzte Yeager 1979 mit dem Roman The right Stuff (deutscher Titel: Die Helden der Nation) ein literarisches Denkmal. Das Buch wurde 1983 verfilmt. In Deutschland trägt der Film den Titel Der Stoff, aus dem die Helden sind. Hier wird Chuck Yeager von Sam Shepard gespielt. Yeager selbst hat in dem Film einen Auftritt als Barmann. Der Film dauert über drei Stunden und wurde mit vier Oscars ausgezeichnet.
Yeager hat außerdem selbst seine Biografie geschrieben: Das Buch trägt den Titel Yeager. Schneller als der Schall.

Wenn Dich Fliegerei interessiert, dann wirf doch einen Blick in unseren WAS IST WAS-Band 10: Fliegerei und Luftfahrt

Text: RR, 8. 10. 2007, Bilder: USAF

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