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Raketenforscher Eugen Sänger

Berühmte Personen

Raketenforscher Eugen Sänger

Ein Raumschiff, das wie ein Flugzeug von einer Piste aus starten und landen kann - davon träumte Eugen Sänger schon 1926. Sein Konzept war eine der Grundlagen für die Space-Shuttles der NASA. Am 22. September 1905 wurde Eugen Sänger geboren.

Eugen Sänger kam im böhmischen Preßnitz zur Welt, einer freien Bergstadt, die es heute nicht mehr gibt. 1905 gehörte der Ort zur österreichisch-ungarischen k. k. Monarchie.

Als Jugendlicher las er den Science-Fiction-Roman Auf zwei Planeten von Kurd Lasswitz. Dieses Buch hat damals auch den Raketenpionier Hermann Oberth beeinflusst.
Mehr über Oberth erfährst du, wenn du unten auf den entsprechenden Link klickst.

Der Traum von der Weltraumfahrt

Später las Sänger Oberths Buch "Die Rakete zu den Planetenräumen". Oberth dachte bereits sehr praktisch an Weltraumfahrt und erkannte Möglichkeiten, die andere ins Reich der Utopie verweisen wollten.
Eugen Sänger ging nach Wien und begann an der dortigen technischen Hochschule ein Studium der Flugzeugtechnik. 1930  wurde er mit einer Dissertation zur Statik des Fachwerkflügels promoviert, erwarb seinen Flugschein und erforschte die Lüfte in Theorie und Praxis.

Raketenforschung

Sänger blieb noch bis 1935 an der Technischen Hochschule in Wien und begann als wissenschaftlicher Assistent. Zwischen 1932 und 1934 experimentierte er mit  Raketenmotoren und Flüssigtreibstoffen. Der Umgang mit betäubend fauchenden Stichflammen war nicht ungefährlich und verlangte äußerste Vorsicht und Besonnenheit.

1933 veröffentlichte Eugen Sänger das Buch "Raketenflugtechnik", in dem er auch die Flugeigenschaften seiner geplanten Raumfähren beschrieb.

Der Zeit voraus

Sänger erkannte früh die Bedeutung des Raketenantriebes für die Luftfahrt und sogar für eine militärische Nutzung. Das Österreichische Bundesministerium für Landesverteidigung lehnte Sängers Antrag auf weitere Forschungsmittel jedoch ab.

Sängers Pläne waren zu sehr ihrer Zeit voraus: Er plante den Bau eines Troposphären-Rennflugzeuges und einer ganzen Raketenflugwerft. Auch der Serienbau von Jagdflugzeugen, die Durchführung eines 5.000 km Nonstop-Fluges, die Entwicklung einer Beryllium-Rakete, die Vorbereitung eines Nonstop-Erdrundfluges mit Raketenantrieb, die Gründung einer Weltraumstation, der Bau von Raumschiffen und die Aufnahme von Raumfahrten gehörten zu Sängers Visionen.

International anerkannter Wissenschaftler

1935 hatte Sänger seine Patente in Österreich, Japan, Frankreich und England veröffentlicht. In einer Zeit der konkurrierenden Nationalstaaten begann Sängers Name immer lebhafter um die Welt zu laufen. Er war zu einem Pionier der globalisierten Wissenschaft geworden.

Geheimprojekte der Nazis


Sänger wurde zur Mitarbeit an der "Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt" aufgefordert. 1936 zog er nach Deutschland. Seit drei Jahren regierten hier die Nationalsozialisten, denen Sängers Forschung nicht verborgen geblieben war.

Für das Reichsluftfahrtministerium errichtete und leitete er die Raketentechnische Forschungsstelle Trauen in der Lüneburger Heide. Hier war er maßgeblich an der Entwicklung von Hochdruckbrennkammern beteiligt.

1939-1945 unternahm er  Flugschleppversuche mit Hochtemperatur-Staustrahltriebwerken. Mit dem von René Lorin entwickelte Staustrahlrohr konnte eine mehrfache Schallgeschwindigkeit erreicht werden. Sänger testete es an verschiedenen Bombern der deutschen Luftwaffe.
Während des Zweiten Weltkrieges arbeitete er an der Entwicklung eines raketengetriebenen Orbitalbombers. Dieser Silbervogel sollte Amerika erreichen und bombardieren können. Später wurde das Projekt wegen mangelnder Rohstoffe aufgegeben.

Neue Heimat in Frankreich

Nach dem Ende des Krieges wurden die deutschen Raketenforscher von den Amerikanern und Sowjets geholt, die mit deren Wissen ihre eigenen Projekte voranbringen wollten.

Sänger entkam den Sowjets und ging nach Frankreich, wo er für die dortigen Flugzeughersteller verschiedene Entwicklungen betrieb.
1951 gründete er zusammen mit anderen Forschern und Wissenschaftlern in Paris die Internationale Astronautische Föderation, eine der ersten Nichtregierungs-Organisationen..

Wieder in Deutschland


1954 wurde Sänger Leiter des Forschungsinstitutes für Physik der Strahlenantriebe an der Technischen Universität Berlin. Sängers Konzept von 1933 war die Grundlage für den seit Anfang der 1980er Jahre verwirklichten Raumtransporter - den Space-Shuttle der NASA.

Im Februar 1964 schloss er einen Projektvorschlag über einen zweistufigen Raumtransporter für die Firma Junkers ab. Einen Tag später erlitt er einen tödlichen Herzinfarkt.

Sängers letzter Vorschlag führte zum Sänger Raumtransportkonzept der 90er Jahre.

 
Bei der NASA findest du mehr Informationen über das Weltraumprogramm, historische und aktuelle Missionen - leider nur in englischer Sprache.

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Text: RR, 20. 8. 2010, Foto: privat


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