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Luftschiff-Unglück bei Echterdingen

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Luftschiff-Unglück bei Echterdingen

Der Brand des Luftschiffes LZ-4 am 5. August 1908 hätte beinahe das Aus für die Zeppeline bedeutet, ehe die Ära der Luftschiffe richtig begonnen hatte. Doch eine Spendenaktion der flugbegeisterten Bevölkerung erreichte das Gegenteil und stellte das Zeppelin-Projekt finanziell auf sicheren Boden.

Graf Zeppelin war bereits 52 Jahre alt, als er damit begann, sich ab 1890 voll und ganz mit der Entwicklung von Starrluftschiffen zu beschäftigen. 1892 entwickelte Zeppelin zusammen mit dem Techniker Theodor Korber einen Prototypen.

Das Prinzip des Luftschiffes ist einfach: Gefüllt mit Gas, das leichter ist als Luft, erhält es Auftrieb und gleitet von motorenbetriebenen Propellern angetrieben voran.


 
Die Grafik zeigt ein Starrluftschiff: vorne unten siehst du die Gondel, dahinter kommen die Kabinen, rechts unten sind die Maschinen. Am rechten Ende Höhen- und Seitenruder. In der im mittleren Braun gezeichneten Zone befindet sich der Gassack.

LZ 1: Der Prototyp hebt ab 

Am 2. Juli 1900 war es endlich so weit: Um 20.03 Uhr, stieg der Graf mit seinem gelben Prototypen LZ 1 400 Meter hoch in den Himmel über dem Bodensee auf. 18 Minuten später landete er rund 6,5 Kilometer vom Startpunkt entfernt. Das Luftschiff wurde auf Pontons aus der schwimmenden Halle auf den Bodensee gezogen. Durch diese intelligente Lösung konnte stets die Windrichtung berücksichtigt werden.
Die erste Fahrt dauerte nur 18 Minuten, dann brach die Winde für das Ausgleichsgewicht und LZ 1 musste auf dem Wasser notlanden. Nach Reparaturen zeigte die Technik in den folgenden Wochen bei zwei weiteren Aufstiegen zwar einiges Potential, konnte aber mögliche Investoren noch nicht überzeugen. Da die finanziellen Mittel erschöpft waren, musste Graf von Zeppelin den Prototypen wieder zerlegen, die Reste und alle Werkzeuge verkaufen und die Gesellschaft auflösen.

LZ 2: Der Graf gibt nicht auf


Es dauerte fast sechs Jahre, bis LZ 2 am 17. Januar 1906 zum ersten und einzigen Mal aufsteigen konnte. Das Geld dafür wurde über Spenden aufgebracht, dazu kamen die Einnahmen einer speziellen Lotterie sowie weitere 100.000 Mark aus dem Privatvermögen des Grafen. 50.000 Mark steuerte Reichskanzler von Bülow aus einem Dispositionsfonds bei.
Aber auch LZ 2 hatte kein Glück: Das Schiff wurde von einem starken Wind über Land abgetrieben, später versagten die Motoren und die Steuerung. In der Nacht wurde das provisorisch verankerte Schiff durch einen aufkommenden Sturm irreparabel beschädigt.

LZ 3: Erfolgreich beim Militär

Im LZ 3 wurden alle noch brauchbaren Teile von LZ 2 verbaut. Die Nummer 3 war der erste erfolgreiche Zeppelin und legte bis 1908 auf 45 Fahrten insgesamt 4398 km zurück. Nach diesem Erfolg interessierte sich das deutsche Militär für die neue Technik. Graf Zeppelin verkaufte LZ 3 ans Heer. Dort bekam es die Bezeichnung Z I. Fünf Jahre lang diente es als Schulschiff. 1913 wurde das technisch überholte Schiff abgerüstet.

LZ 4: Ein Unglück mit Folgen

Die Armee wollte einen weiteren Zeppelin kaufen, stellte aber die Bedingung, dass dieser für eine 24-Stunden-Fahrt geeignet sein müsse. Am 4. August 1908 um 6:22 Uhr startete LZ 4 in Friedrichshafen, in Richtung Mainz. Ein kleiner Motorschaden zwang das Schiff am späten Nachmittag in der Nähe des Rheinkilometers 481 am Kornsand bei Trebur-Geinsheim zur Notlandung. Ein großer Gedenkstein, der Zeppelinstein am Rheinufer, erinnert an die örtlichen Bauern, die ihre Arbeit auf den Feldern liegen ließen, um der Mannschaft bei der Notlandung zu helfen. Der Motor konnte innerhalb von vier Stunden repariert werden, und das Luftschiff startete gegen 22:00 Uhr erneut.
Auf dem Rückflug gab es wieder Probleme mit dem Motor , so dass LZ 4 auf den Feldern bei Echterdingen in der Nähe von Stuttgart zwischenlanden musste. Ein Sturm kam auf und riss das Schiff am 5. August 1908 aus seiner Verankerung. Es strandete in einem Obstbaum, fing Feuer, und nach kürzester Zeit blieben von der stolzen Konstruktion nur noch rauchende Trümmer. Zwei Techniker, die mit der Reparatur der Maschinen beschäftigt waren, konnten sich nur durch einen gewagten Sprung retten.

Welle der Hilfsbereitschaft

Der Unfall des LZ 4 hätte beinahe das wirtschaftliche Aus für die Luftschiffe bedeutet. Doch da einer der zahlreichen Zuschauer spontan eine Spendenaktion ins Leben rief, löste er damit eine beispiellose Welle der Hilfsbereitschaft im ganzen Land aus. So kam aus der Volksspende die eindrucksvolle Summe von 6.096.555 Mark zustande, die es dem Grafen ermöglichte, die Luftschiffbau Zeppelin GmbH zu gründen und eine Zeppelin-Stiftung ins Leben zu rufen. Das Zeppelin-Projekt stand damit auch endlich finanziell auf sicherem Boden.
In den nächsten 30 Jahren dominierten die starren Riesenzigarren die Lüfte. Zwischen 1900 und 1938 wurden insgesamt 119 Zeppeline gebaut.
Die große Ära der Luftschiffe endete im Jahre 1937, als die Hindenburg zu ihrem Flug nach New York aufbrach und bei der Katastrophe von Lakehurst vermutlich nach einem Blitzschlag in Flammen aufging.

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Text: RR, 4. 8. 2008, Bilder: Zeppelin-Museum, Friedrichshafen


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