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In luftiger Höhe nach Italien

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In luftiger Höhe nach Italien

Sie war eine Sensation, als sie am 17. November 1963 fertig gestellt und für den Verkehr freigegeben wurde: die Europabrücke, die in 190 Metern Höhe das Kernstück der österreichischen Brennerautobahn darstellt. Bis heute ist sie die höchste Balkenbrücke Europas und war bis 2004 sogar die höchste Brücke unseres Kontinents. 657 Meter lang schlängelt sich die Autobahn über das Wipptal. Wer auf dem Weg nach Italien durch Österreich fährt, dem ist sie sicher wohl bekannt.

Unter der Europabrücke hätte sogar der größte Kirchturm der Welt, das Ulmer Münster mit 161 Metern noch Platz. Von 1959 bis 1963 wurde sie als höchste Pfeilerbrücke Europas in Tirol erbaut. Auf dem Weg nach Österreich und Italien machen oft viele Reisende Halt, um sich auf der Europabrücke fotografieren zu lassen so etwa wie auf dem Eifelturm in Paris, vor dem Brandenburger Tor in Berlin oder dem Tower in London.

Brücken- Fakten

Der Brennerpass ist seit jeher die wichtigste Nord-Süd-Verbindung über die Alpen. Die zwischen 1963 und 1971 in Betrieb genommene Brennerautobahn ist die erste alpenquerende Autobahnverbindung und bis heute die meistbefahrene Alpenstraße.

Die Europabrücke ist der größte Bau der Autobahn Kufstein- Innsbruck- Brenner. Über sie queren unzählige Fahrzeuge in 190 Metern Höhe das Silltal zwischen Patsch und Schönberg, südlich von Innsbruck. Ihr Name soll die europäische Bedeutung der Brenner Autobahn betonen.

Nach vier Jahren Bauzeit wurde die sechsspurige Brücke, die 783 Meter lang ist, eingeweiht. Am oberen Ende wartet die "Europa-Kapelle" mit Fresken von K. Plattner (1964). Von der Raststation "Europabrücke" kann man auch heute noch Teile der alten Römerstraße, der historischen Vorläuferin der Brennerautobahn, sehen.

Eine Spannbeton-Balkenbrücke

Foto: Die Europabrücke von Osten her gesehen.

Geplant wurde die Brücke mit einem Hohlkastenstahltragwerk. Das heißt, dass die Auflagerung der Stahlkonstruktion auf Stahlbeton-Hohlpfeiler erfolgte.

Vom Typ her ist die Europabrücke auch eine so genannte Spannbeton-Balkenbrücke. Diese werden so konstruiert, dass der Betonbalken in Längsrichtung unter so starken Druck gesetzt wird, dass diese Druckkräfte größer sind als die bei Belastung auftretenden Zugkräfte. Dazu werden im unteren, am stärksten belasteten Teil des Balkens, Röhren in die Verschalung gelegt. Diese enthalten Drähte aus hochfestem Stahl.

Nachdem der Beton erstarrt ist, werden diese Drähte verspannt und verankert. So entsteht Druck im Beton. Dann werden die Röhren mit Mörtel gefüllt, der die Drähte fest mit dem Beton verbindet und gegen Rost schützt. Durch diese Technik lassen sich leichtere und elegantere Brücken bauen, als mit Stahlbetonträgern.

Einer der führenden damaligen Architekten, der amerikanische Univ.-Prof. G. E. Kidder Smith, sagte damals zur Europabrücke:

"...Das typische Merkmal der Brücke besteht in der klaren Unterscheidung zwischen tragenden und belastenden Teilen. Die Pfeiler über rechteckigem Grundriss steigen fast prismatisch empor und die Straße aus Stahl liegt wie eine gigantische Schiene auf ihnen auf. Durch den Verzicht auf eine Bogenkonstruktion erreichte man, dass die Brücke trotz ihrer riesigen Ausmaße fast unscheinbar wirkt und wie selbstverständlich in der schönen Landschaft steht. In ästhetischer Hinsicht wurde mit einem Minimum an Aufwand ein Maximum an Wirkung erreicht...".

Hoch, höher, am höchsten

Links: Das Viadukt de Millau.

Den Rang als höchste Brücke Europas musste die Europabrücke im Jahr 2004 an das französische Viadukt de Millau abtreten. Deren höchster Pfeiler misst 343 Meter. Mehr über diese gigantische Konstruktion lest ihr im verlinkten Artikel

Mehr zum Thema Brücken erfahrt ihr in Band 91 Brücken der Reihe WAS IST WAS.



-ab-17.11.03 aktualisiert: Liane Manseicher, 17.11.08; Text/ erstes Foto: Mit freundlicher Genehmigung der Alpen Straßen AG, Innsbruck; zweites Foto (von Osten: pd).

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt