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Hochseewindpark: Strom aus der Nordsee

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Hochseewindpark: Strom aus der Nordsee

Alpha ventus ist Deutschlands erster Hochsee-Windpark in der Nordsee. Er steht 45 Kilometer vor der Küste der Insel Borkum und markiert den Beginn einer neuen Ära der umweltfreundlichen Stromgewinnung. 250 Millionen Euro wurden in das Projekt investiert.

Im Jahr 2009 gingen in Deutschland etwa 950 neue Windenergieanlagen ans Netz. Ihre Gesamtleistung von fast zwei Gigawatt entspricht der Kapazität von zwei Atomkraftwerken.

Weil Windenergieanlagen das Landschaftsbild beeinflussen, ist die umweltfreundliche Energiegewinnung bei den Bürgern nicht unumstritten. Weil einzeln stehende Anlagen von den Behörden nicht mehr so häufig genehmigt werden wie früher, fasst man mehrere davon in so genannten Windparks zusammen.

Was ist ein Windpark?

Unter dem Begriff Windpark verstehen die Ingenieure eine Ansammlung mehrerer Windenergieanlagen in direkter räumlicher Nähe zueinander. Wenn in windreichen Regionen viele dieser typischen Rotoren auf einem riesigen Feld zu sehen sind, ist das ein Windpark.

Das Bundesverwaltungsgericht  (BVerwG) hat im Juni 2004 entschieden, dass in Deutschland genehmigungsrechtlich eine Ansammlung von mindestens drei Windenergieanlagen als Windpark gilt, wenn sie einander räumlich so zugeordnet sind, dass sich ihre Einwirkungsbereiche überschneiden oder wenigstens berühren."

Vor diesem Urteil gab es viele "gewachsene Windparks, die teilweise von verschiedenen Betreibern nacheinander errichtet wurden und durch die räumliche Nähe der Anlagen erst zu einem Windpark wurden.

Natürlich gibt es auch Windparks die im Zuge eines Bauvorhabens gleich als solche errichtet bzw. geplant wurden.

Der erste Windpark in Deutschland wurde im August 1987 im Kaiser-Wilhelm-Koog an der Schleswig-Holsteinischen Nordseeküste in Betrieb genommen.

Was ist ein Offshore-Windpark?

Das englische Wort offshore bedeutet auf deutsch außerhalb der Küstengewässer liegend, steht aber zusätzlich auch für "küstennah".

Ein Offshore-Windpark ist also ein im Meer befindlicher Windpark, der keine große Entfernung zur nächsten Küste aufweist.

Alpha ventus ist der erste deutsche Offshore-Windpark.

Anspruchsvolles Pilotprojekt

"Alpha Ventus" ist ein Testprojekt, mit dem grundlegende Erfahrungen in Bau und Betrieb von Windrädern fernab der Küsten in der offenen See, in großen Wassertiefen und unter Einsatz modernster Technik gesammelt werden sollen. Betreiber ist die Deutsche Offshore-Testfeld und Infrastruktur GmbH & Co. KG (DOTI), eine Grünung der Energieriesen E.ON und Vattenfall sowie der Stromgesellschaft EWE aus Niedersachsen.

Unter der Bezeichnung Borkum West hat DOTI die Genehmigungsrechte an dem Testfeld von der Stiftung der Deutschen Wirtschaft für die Nutzung und Erforschung der Windenergie auf See (Stiftung Offshore-Windenergie) gepachtet.

Im Testfeld alpha ventus kommen insgesamt zwölf Windenergieanlagen der 5-Megawatt-Klasse zum Einsatz: sechs Anlagen des Typs Areva Multibrid M5000 sowie sechs Anlagen der REpower 5M. Darüber hinaus werden für die Windenergieanlagen zwei Arten von Stahlfundamenten eingesetzt. Während die Areva Multibrid-Anlagen auf so genannten Tripods stehen, werden für die REpower-Anlagen so genannte Jacket-Fundamente gewählt.

Zum ersten Mal werden solche Anlagen küstenfern in 30 Meter Wassertiefe errichtet und betrieben. Die Forschungs- und Entwicklungsergebnisse sollen in Konstruktion, Bau und Betrieb zukünftiger Offshore-Anlagen einfließen.

Naturschutz als Forschungsaufgabe

Neben der reinen Stromgewinnung dient alpha ventus auch als Testfeld für Forschungsprojekte in Sachen Naturschutz, die vom Bundesumweltministerium gefördert werden. Der Windpark wird zudem wertvolle Erkenntnisse im Hinblick auf den Einsatz und die weitere Entwicklung der Offshore-Windenergie liefern.

Gefahr für Schweinswale

Trotzdem hat der Naturschutzbund Deutschland (NABU) kritisiert, dass bei dem Bau der Anlage Seevögel und die geschützten Schweinswale großen Belastungen ausgesetzt seien.

Beim Bau von Offshore-Windenergieanlagen, Ölbohrplattformen, Forschungsplattformen u. a., werden unter großem Lärm Fundamente in den Meeresboden gerammt, Bohrungen vorgenommen oder Fundamente vergossen. Vor allem Schweinswale, die einen Hörbereich von ca. 1150 kHz haben und sich über Ultraschall  orientieren, können durch die Schallwellen unter Wasser Schädigungen erleiden. Dabei kann es zu einer ständigen Schwerhörigkeit bei den Tieren kommen.

Die Schweinswale werden verschreckt und teilweise orientierungslos.

Die Zukunft liegt auf dem Meer

Politiker und die Energieerzeuger sehen Windparks auf See als die Zukunft der Stromerzeugung an. Schon jetzt sind mehr als 60 Vorhaben in Planung. 22 Windparks sollen in der Nordsee entstehen, drei in der Ostsee.

Nach Angaben des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie wurden inklusive Alpha Ventus bislang 25 deutsche Offshore-Projekte mit insgesamt mehr als 1.650 Windrädern genehmigt.


Übrigens: Streng genommen ist auch Windenergie eine Form von Solarenergie. Denn Wind weht nur auf Grund von Druckunterschieden in der Atmosphäre, die letztlich durch die Sonneneinstrahlung bewirkt werden.

Hier und hier erfährst du mehr über die Geschichte der Windenergie.


Wenn dich Energieversorgung und interessiert. dann wirf doch auch einen Blick in unseren WAS IST WAS-Band 3: Energie oder WAS IST WAS-Band 24: Elektrizität.


Text: RR, 26.7.2010; Bilder: Arne Nordmann/GFDL; Dreiblattrotor: Michael Höfner cc-by-sa 2.5;  Windpark Philipp Hertzog/GFDL; DOTI 2009/Matthias Ibeler, AREVA Multibrid/Jan Oelker 2010

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