Archiv

In unserem Archiv findest du die beliebtesten Texte und Kinderfragen aus 15 Jahren wasistwas.de. Klick rein in deine Lieblingsthemen!

Die Tauchfahrt der "Trieste"

Berühmte Personen

Die Tauchfahrt der "Trieste"

Am 30. September 1953 führte das Tauchboot "Trieste" im Tyrrhenischen Meer einen Rekordtauchgang auf 3.050 Meter durch. Sieben Jahre später war die "Trieste" das erste U-Boot, das im Marianengraben mit etwa 10.910 Metern Tiefe eine der tiefsten Stellen des Weltmeeres erreichte. Konstrukteur dieses so genannten Bathyskaphs war der Schweizer Physiker und Abenteurer Auguste Piccard.

Der Schweizer wurde durch seine Erforschung der Tiefsee und der Stratosphäre, des zweiten "Stockwerks" der Erdatmosphäre, bekannt.

 Höhen - ...

Am 27. Mai 1931 erregte er weltweites Aufsehen, als er mit einem Ballon erstmalig in die Stratosphäre aufstieg. Durch Jules Vernes`Schriften angeregt, hatte er nach dem Prinzip eines Bierbraukessels eine druckbelüftete Kapsel entwickelt.

Foto: Auguste Piccard - der Wegbereiter der modernen Luft- und Raumfahrt  

... und Tiefenrekorde

 Nach 1937 wandte sich Piccard der Tiefseeforschung zu und versuchte in mehreren Anläufen mit einer selbstangetriebenen, unbefestigten Tiefseetauchkugel aus Metall den Tiefenrekord zu brechen.



Aus höchster Höhe in tiefste Tiefen

Für seine Tiefseetauchgeräte prägte Auguste Piccard den Begriff "Bathyskaph" oder "Bathyscaph". Dabei bediente er sich der griechischen Worte "bathos" - Tiefe - und "skaphos" - Schiff.


1947 baute er sein erstes U-Boot. Das Bathyskaph erhielt die Bezeichnung "FNRS-2". Piccard wandte das Prinzip des Stratosphärenballons auf die Tiefen des Ozeans an. Bis 25 Meter Tiefe wurden die Tauchversuche bemannt durchgeführt. Unbemannt tauchte "FRNS-2" sogar bis 1.400 Meter.

Foto: Die erste Tiefseetauchkugel aus Metall



Rekordtauchboot "Trieste"

1953 lief Piccards zweites Tiefseetauchgerät "Trieste" vom Stapel. Es handelte sich hier um eine direkte Weiterentwicklung des Vorläufers "FNRS-2", der durch Seegang schwer beschädigt worden war. Den Namen "Trieste" erhielt das Boot durch die norditalienische Stadt, die Piccards Forschungsvorhaben förderte.





Foto: Die "Trieste", Piccards zweites Tiefseetauchgerät

Der erste Rekord

Bereits am 30. September 1953 führte die "Trieste" im Tyrrhenischen Meer bei der Mittelmeerinsel Ponza einen Rekordtauchgang auf 3.050 Meter durch. Sie hielt dabei einem Wasserdruck von bis zu 420 bar stand, was etwa dem 400fachen des Luftdrucks entspricht.

Tiefer und noch tiefer ...

Dieser Rekord wurde bereits im Februar 1954 durch den französischen Bathyscaphen "FNRS-3" überboten, welcher vor der westafrikanischen Küste 4.050 Meter tief tauchte. Der Rekord der "FNRS-3" hatte Gültigkeit bis 1959, als die "Trieste" im Pazifik 7.320 Meter erreichte.

Der ungebrochene Rekord

Am 23. Januar 1960 schließlich tauchte Piccards Sohn Jacques mit der "Trieste" auf die bis heute gültige Rekordtiefe von 10.740 bzw. 10.916 Metern (je nach Messung) hinunter, eine Stelle am Grund des Marianengrabens. Hier widerstand das Tiefseetauchboot einem Druck von 1.170 bar, dem 1.155-fachen des mittleren Luftdruckes in Meereshöhe. Mehr über diesen Rekord erfährst du, wenn du unten auf den Link klickst, der unter dem Artikel angehängt ist (J. Piccard: Reise zum tiefsten Punkt der Erde).  

Foto: Auf Rekordkurs...




So funktioniert die Technik des Bathyskaphen

Die Besatzung sitzt in einer druckfesten Tauchkugel, die an einem petroleum- bzw. benzingefüllten Auftriebskörper aufgehängt ist. Dieser Tank ist an der Unterseite durchlässig, was für den Druckausgleich notwendig ist: Die nötige Wassermenge muss in den Tank eindringen können um eine Zerstörung des Tauchbootes zu vermeiden. Das Petroleum wird in der Tiefe anders als etwa Gas - kaum zusammengedrückt, behält also sein Volumen und damit seinen Auftrieb bei.

Foto: Viel Platz hat die Besatzung in der Tauchkugel nicht.


Bei Auf- und Abwärtsbewegungen wird der Bathyskaph wie ein Ballon mittels Ballast gesteuert. Je nach Notwendigkeit wird Eisenballast abgegeben oder in kleinem Umfang auch Benzin ausgelassen.

Horizontal bewegt sich die Konstruktion wie jedes andere U-Boot mittels Elektromotoren und Schrauben fort. Bei Ausfall der Elektrik steigt der Bathyskaph automatisch auf. Die Batterien selbst lagern unter Umgebungsdruck, Öl oder andere Flüssigkeiten wie Batteriesäure stellen den Druckausgleich her.


Foto: Die Auf- und Abwärtsbewegungen der Tauchkugel werden, wie bei einem Heißluftballon, mittels Ballast gesteuert.




Bathyskaphe sind stets auf die Unterstützung durch ein Mutterschiff angewiesen. Entweder schleppt es das U-Boot ins Zielgebiet oder führt es gleich an Bord mit und lässt es dort zu Wasser. Erst am Zielort kann eine Befüllung mit Auftriebsflüssigkeit und Ballast erfolgen.
 
Während des Baus an einer neuen Kugel starb Auguste Piccard am 24. März 1962 in Lausanne.
 
Im Rückblick gesehen hat er die moderne Luft- und Raumfahrt erst möglich gemacht, weil er die Druckkabine und den Stratosphärenballon erfunden hat.

Wenn dich die Erforschung der Tiefsee interessiert, dann wirf doch einen Blick in unseren WAS IST WAS Band 32: Meereskunde.


RR, 10. 1. 2011 / Nic akt. 30.9.2012, Fotos: Institut International de Physique Solvay (Portrait Auguste Piccard), U.S. Naval Historical Center (Bilder der Trieste), Schnittzeichnung: Scott Foresman (PD).

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt