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Der Webstuhl und die Industrielle Revolution

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Der Webstuhl und die Industrielle Revolution

Im April 1743 wurde in England Edmund Cartwright geboren. Auf ihn geht die Entwicklung des ersten funktionsfähigen mechanischen Webstuhls namens Power Loom zurück. Diese Maschine war ein wichtiges Element der Industriellen Revolution.

Gewebe oder Stoffe aus einzelnen Fäden herzustellen, war für den Menschen schon immer wichtig. Ohne schützendes Fell braucht man Stoffe, um sich gegen das Wetter zu schützen oder man möchte durch teure Kleidung seine gesellschaftliche Stellung ausdrücken.


Eine Methode zur Produktion von Stoffen ist das Weben. Die ersten Webstühle sind schon aus der Steinzeit bekannt. Das waren noch sehr einfache Vorrichtungen, bei denen Kettfäden durch Steine nach unten gezogen wurden. Der Schussfaden wurde per Hand durchgezogen.


Mechanische Bandmühlen


Im 16. Jahrhundert entwickelte man die ersten maschinellen Webstühle, die meist wassergetriebenen Bandmühlen. Die dienten zur Produktion gewebter Bänder und führten zu ersten Massenentlassungen. Zum Teil schaffte nun ein Arbeiter das, was bis zu 16 Weber vorher in Handarbeit webten. Das führte zu ersten sozialen Spannungen, weil die Entlassenen zum Teil als Bettler endeten. Einige Fürsten verboten darum die Einfuhr solcher Geräte.


Entwürfe für den ersten vollständig mechanisierten Webstuhl, der nicht nur schmale Bänder produzieren konnte, gab es schon 1678. Doch den Durchbruch schaffte erst Edmund Cartwright. Er wurde am 24. April 1743 in der Grafschaft Nottingham geboren. Nach einem Studium in Oxford begann er ab 1784 mit der Entwicklung eines mechanischen Webstuhls.


Erstes Patent 1785


Schon 1785 erhielt er sein erstes Patent auf eine Webmaschine, die aber noch von Hand angetrieben werden musste. Zwei kräftige Männer waren zu deren kraftraubendem Betrieb nötig. 1786 beantragte er ein Patent auf eine Weiterentwicklung seiner Maschine.


Dabei kam ein neuer mechanischer Antrieb für die beweglichen Teile des Webstuhls zum Einsatz. Eine Weiterentwicklung ermöglichte den Betrieb des Webstuhls mit Dampf. Dieses Maschine erlangte als Power Loom, also Kraftwebstuhl, Berühmtheit. 1787 eröffnete Cartwright eine eigene Weberei, in denen Power Looms zum Einsatz kamen.


Von der Heimarbeiter zum Fabrikarbeiter


Eine finnische Fabrikhalle voller Cartwright'scher "Power Loom"-Webstühle.

Die Einführung des Webstuhls hatte die Mechanisierung der Arbeit zur Folge: Hatte man vorher eine ganze Reihe an Tätigkeiten auszuführen, um vom Ausgangsprodukt zur fertigen Ware zu kommen, wurde man nun als Maschinenbediener gleichsam selbst ein Teil der Maschine. Es galt nun, dem Takt der Maschine angepasst, ihren reibungslosen Lauf zu gewährleisten.


Der massenhafte Einsatz der Maschinen läutete wiederum das Zeitalter der Industrialisierung ein. Die Webmaschine in Kombination mit der Dampfmaschine gilt als einer der Ursprünge der so genannten Industriellen Revolution. Denn nun konnte eine große Menge an qualitativ gleichwertigen Produkten kostengünstig produziert werden. Was früher ein Luxusartikel war, wurde nun für breitere Bevölkerungsschichten zugänglich.


Kinderarbeit war in Fabriken früher an der Tagesordnung. Es gab spezielle Webstühle, die an die Körpergröße der Kinder angepasst waren. Hier ein Bild aus Amerika, 1908.



Zudem waren viel weniger Maschinenbediener nötig als vorher bei der Fertigung, die oftmals im Kreis und unter Mitwirkung der ganzen Familie zu Hause stattfand. Die Rationalisierung der Arbeit setzte ein, die sich bis in unsere Tage fortsetzt. Das führte dazu, dass all jene, die vorher in Handarbeit Fäden sponnen und die Stoffe webten, entweder arbeitslos wurden und verelendeten oder in Fabriken arbeiten mussten.


Wenig Geld hart verdient


Das diese Arbeit kein Zuckerschlecken war, macht ein Kommentar des Schwelmer Pastors Friedrich Christoph Müller klar, der über die Arbeit an den Bandmühlen schrieb: Der schlechteste Tagelöhner, der, wenn er bei dem Bauern arbeitet, des Tages wohl vier- bis fünfmal speiset, und seine Ruhe- oder Überstunde dabei hat, würde auf die Galeeren verdammt zu sein glauben, wenn er vom frühesten Morgen bis zum spätesten Abend z. B. vor einem Bandstuhl stehen, einen Tag wie den anderen wirken, und keine andere Nahrung haben sollte, als dünnen Kaffee, Schwarzbrot und Kartoffeln.


Maschinensturm zieht auf


Doch die Heimarbeiter wehrten sich von 1800 bis 1850 als Maschinenstürmer gegen den Verlust ihrer Arbeitsplätze. In gewalttätigen Auseinandersetzungen wurden die ersten mechanischen Webereien zerstört. Justiz und Militär reagierten sowohl in England als auch in Deutschland hart und entschlossen.


Teils sahen die verantwortlichen Politiker die Schuld aber auch bei den Fabrikanten, die unmenschliche Arbeitsbedingungen und niedrigste Löhne zu verantworten hatten. Einer der bekanntesten Aufstände in Deutschland, der schlesische Weberaufstand von 1844, war aber kein solcher Maschinensturm sondern richtete sich gezielt gegen die schlechten Löhne und unmenschlichen Arbeitsbedingungen einzelner Fabrikanten.


Die Industrialisierung stellte die so genannte Soziale Frage: Wie sollte mit dem größer werdenden Heer der Arbeitslosen und Verelendeten umgegangen werden, die im Sinne der Warenproduktion überflüssig waren? Das war die Geburtsstunde von Genossenschaften, Gewerkschaften und der Arbeiterbewegung und führte schließlich zur umfangreichen Gesetzgebung im sozialen Bereich wie wir sie heute kennen. Und noch heute stellt sich die Frage, wie die Gesellschaft zu den Menschen steht, deren Arbeitskraft nicht mehr benötigt wird, weil Maschinen viel mehr leisten können.


Der Erfinder und Geistliche Edmund Cartwright starb am 30. Oktober 1823 in Kent in England. Von seiner Erfindung, dem Power Loom wurden in England 250 000 Stück verkauft.



-jj- 23.4.2008 // Bilder: Gewebe: Ikiwaner/GFDL; Webstuhl Dänemark: JEW/GFDL; Rest: PD

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