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Der erste Hubschrauber

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Der erste Hubschrauber

1907 gelang dem Franzosen Paul Cornu der erste Hubschrauberstart. Allerdings erreicht die Maschine gerade mal eine Höhe von 1,5 Metern. Doch das war der Startschuss für die Entwicklung neuer Fluggeräte.

Die Fähigkeit, sich aus dem Stand in die Luft zu schwingen, ist ein alter Menschheitstraum. Das Universalgenie Leonardo da Vinci zeichnete bereits im 16. Jahrhundert einen ersten tauglichen Entwurf einer solchen Maschine.

Die nutzbare Entwicklung der "Drehflügler" begann aber erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, nachdem die Militärs senkrecht startende Flugzeuge forderten und dadurch die Forschung und Entwicklung vorantrieben. Dabei flogen die ersten Hubschrauber schon 1907.

In Frankreich wetteiferten im Herbst 1907 zwei Maschinen darum, als erste das Hubschrauberprinzip umzusetzen, doch keine schaffte es wirklich, und es sollte Jahrzehnte dauern, bis die Stabilitätsprobleme gelöst waren.

Der mit vier Rotoren versehene Gyroplane Nr. 1 der Brüder Breguet erhob sich am 19. September mit einem Mann an Bord rund einen halben Meter über den Boden, wurde allerdings an den vier Enden von Helfern gehalten. Es handelte sich um eine kreuzförmige Gitterkonstruktion aus Stahlrohr mit mit einem Gewicht von insgesamt 575 Kilogramm und vier paarweise angeordneten Hubschrauben an jedem Ende. Diese Propeller wurden immerhin schon von einem Antoinette Benzinmotor mit rund 45 PS Leistung angetrieben.

Am 29. September erreichte der Gyroplane sogar eine Höhe von 1,5 Meter. Doch war das wieder kein freier Flug, weil auch hier eine Hilfsmannschaft den Hubschrauber an den vier Enden hielt, um ein Umkippen zu verhindern.

Der erste freie Flug eines Hubschraubers gelang am 13. November 1907 in der Nähe von Lisieux, südlich von Le Havre. Paul Cornu war ein französischer Fahrradhersteller, der wie viele andere seiner Zeitgenossen, der Faszination des Motorfluges verfallen war.

Seine Zwei-Rotoren-Maschine verfügte über zwei Steuerflächen und einen 24 PS Antoinette-Motor, die Kraft wurde über Riemen auf die beiden an Auslegern befestigten gegenläufigen Rotoren übertragen. Cornu erhob sich bis zu 1,5 Meter hoch und bis zu 60 Sekunden lang in die Luft - mehrmals sogar mit "Passagieren". Weil er ohne Unterstützung schwebte, gilt er als Sieger dieses Wettstreits.

Bereits im Jahre 1906 hatte Cornu ein erstes Modell mit einem 2 PS Motor zum Fliegen gebracht. Der Erfolg ermutigte ihn, einen richtigen Flugapparat zu. Am 27. September 1907 wagte er einen ersten unbemannten Flugversuch mit 50 Kilogramm Ballast, wobei die Maschine kurz vom Boden abhob.

Beim ersten bemannten Flugversuch am 9. November riss ein Antriebsriemen, so dass der Versuch erst vier Tage später glückte. Bei einer Flugzeit von etwa 20 Sekunden erreichte Cornu eine Höhe von 30 Zentimetern. Beim zweiten Versuch am Nachmittag erhob sich der Hubschrauber schon auf eine Höhe von 1,5 Meter. Dabei klammerte sich Cornus Bruder ans Chassis und wurde mitgetragen, obwohl sich dadurch das Gesamtgewicht von 258 auf 326 Kilogramm erhöhte.

Es folgten noch weitere Flüge, von denen der längste etwa 60 Sekunden dauerte. Außerdem konnte man beim Geradeausflug eine Geschwindigkeit von 11 Stundenkilometer erreichen. Paul Cornu führte zwar danach noch einige kurze Flüge durch, musste aber später alle weiteren Versuche beenden, weil ihm die finanziellen Mittel hierzu fehlten.

Am 22. Juli 1908 erreichte der von Bréguet-Richet gebaute Gyroplane Nr. 2 eine Höhe von vier Metern, wurde aber bei der Landung beschädigt.

Text: Roland Rosenbauer, 11. 11. 2002, Bild: Edwin Levick.

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