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25 Jahre E-Mail in Deutschland

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25 Jahre E-Mail in Deutschland

Vor 25 Jahren, am 2. August 1984 wurde in Deutschland die erste E-Mail empfangen. Werner Zorn empfing an der Universität Karlsruhe die erste zivile elektronische Nachricht. Der Inhalt lautete: "Willkommen bei CSNET". Was CSNET ist und mehr über E-Mail, SPAM und Sicherheit im Internet erfahrt ihr hier ...

Viele von euch können sich ein Leben ohne elektronische Kommunikationsmittel kaum mehr vorstellen - Handy und Internet gehören zu eurem Alltag. Doch es ist erst vergleichsweise kurze 25 Jahre her, dass die erste E-Mail, so die korrekte Schreibung laut Duden, in Deutschland von Wolfgang Zorn unter der Adresse zorn@germany empfangen worden war.

Ein Großteil des Datenverkehrs im Internet wird heute über Glasfasern, so genannte Lichtleiter, abgewickelt.



Ähnlich wie die SMS-Kurznachrichten im Handynetz waren E-Mails eher ein Nebenprodukt der damals aufkommenden Vernetzung von Rechnern. Noch 1967 sagte einer der Mitentwickler des Internetvorläufers Arpanet, dass der Austausch von Botschaften kein wichtiger Beweggrund für die Vernetzung wissenschaftlicher Rechner sei.


Unverhoffter Erfolg der E-Mail

Doch die Nutzer machten aus diesem mehr oder weniger als Beiwerk gedachten Dienst eines der grundlegenden Kommunikationsmittel der Internet-Ära. E-Mails in der heutigen Form, also etwa NAME@DOMAIN.XY, wurden in den USA seit Ende 1971 versendet. Mitte der 1980er Jahre kamen mehr und mehr Knotenpunkte zum frühen Internet hinzu und E-Mail wurde nach und nach das Haupt-Kommunikationsmittel darin.

Am 2. August 1984 schließlich empfing der Informatikprofessor Werner Zorn von der Universität Karlsruhe aus dem CSNET die erste E-Mail Deutschlands unter der Adresse zorn@germany. So genannte Top-Level Domains wie .de, .com oder .org gab es damals noch nicht.

Wenig spektakulär lautete der Titel der damals empfangenen E-Mail "Wilkomen in CSNET!" Der Titel war tatsächlich falsch geschrieben, siehe weiterführenden Link am Ende des Artikels. CSNET war ein Vorläufer des Internet speziell für Wissenschaftler.

E-Mail via SMTP

 
Was den Nutzer heutzutage kaum mehr als einen Mausklick kostet, setzt im Hintergrund eine komplexe Maschinerie in Gang. Hier die prinzipielle Darstellung des Austauschs von EMails zwischen zwei Computern.

Die Übermittlung von E-Mails über das Internet erfolgt mit Hilfe von SMTP, das ist das "Simple Mail Transfer Protocol" (= "einfaches Postübermittlungsprotokoll"). Darin ist festgelegt, wie zwei Rechner, die E-Mails miteinander austauschen wollen, miteinander sprechen müssen.

Denn damit das Versenden von E-Mails auch klappt, müssen sie nach einem bestimmten Schema aufgebaut sein. Neben der Adresse des Empfängers werden auch Informationen über den Absender übermittelt und noch einige weitere technische Details.

Sicherheit

Doch E-Mail ist prinzipiell eine relativ unsichere Form der Kommunikation. Zum einen können die Angaben über den Absender auch gefälscht werden. Das nennt man "spoofing" und kann dazu führen, dass man vertrauliche INformationen an jemanden sendet, den man gar nicht kennt.


Kosmos Internet: Hier ist der Verkehr zwischen etwa ein Drittel der Netzwerkknotenpunkte aus dem Jahr 2005 grafisch dargestellt. Solche so genannten Visualisierungen, also die Sichtbarmachung von Daten, bergen oft eine eigentümliche Schönheit.



Zum anderen werden heutzutage meist so genannte HTML-Mails versendet. Dabei bedient man sich der Beschreibungssprache, die auch für Webseiten verwendet werden. Dadurch kann man den Inhalt einer E-Mail optisch ansprechend gestalten, doch auf Kosten der Sicherheit. Wer leichtgläubig auf Links in solchen Mails klickt, kann sich schnell einen Virus einfangen. Der kann dann zum Beispiel Passwörter sammeln und an den kriminellen Versender der E-Mail weiterleiten.


Verschlüsselung - ein Briefumschlag für E-Mails

Außerdem kann eine E-Mail auch auf allen Rechnern, die sie auf ihrem Weg passiert, gelesen werden. Sie gleicht also eher einer Postkarte als einem in einem Umschlag versendeten Brief. Abhilfe kann man mit Verschlüsselungssoftware schaffen. Dadurch wird der Inhalt in einen unleserlichen Zeichenwust verwandelt, der nur vom Empfänger mit einem speziellen Code wieder lesbar gemacht werden kann.

Ein Programm, das sich dazu eignet, ist unter anderem das kostenlose und frei verfügbare GnuPG. Leider ist die Anwendung solcher Programme nicht ganz einfach, im Prinzip aber jedem zu empfehlen.

Unerwünschte Werbemails - SPAM

Ein besonderes Ärgernis sind die ungefragt zugesandten Werbe-E-Mails. Sie werden als SPAM bezeichnet. Über die konkrete Herkunft des Begriffs herrscht Unklarheit. SPAM ist ursprünglich die Bezeichnung für Dosenfleisch und diese Bezeichnung wird in einem Sketch der Komikertruppe Monty Python sehr oft verwendet. Aber es gibt auch andere Deutungen.

Es gibt zum einen SPAM, in dem konkret für Produkte wie Uhren, Software oder medizinische Produkte geworben wird. Zum anderen gibt es SPAM, in dem einen ein hoher Geldbetrag in Aussicht gestellt wird. Aber man soll vorher einen geringen Betrag zahlen, um Formalitäten zu erledigen. Klar, dass das natürlich nur eine Betrugsmasche ist.

Schließlich gibt es noch SPAM in Form unsinniger Kettenbriefe, die immer wieder durch das Netz geistern und in denen beispielsweise steht, dass Bill Gates, der Chef von Microsoft, pro versendeter Mail einen Cent spendet, oder dass man große Pech haben wird, wenn man diese Mail nicht sofort an zehn Freunde weiterleitet. Das ist natürlich alles Quatsch.

Energieverschwendung durch SPAM

SPAM hat sich mittlerweile zu einem großen Problem entwickelt. Ernstzunehmende Schätzungen von Microsoft gehen davon aus, dass 97 Prozent des weltweiten Mailaufkommens SPAM sind. Das heißt: Von 100 weltweit versendeten Mails sind 97 Stück Werbemüll.

Auf Grund einiger Umrechnungen kommen die professionellen Virenbekämpfer der Firma McAfee zu dem Schluss, dass die Bearbeitung und Löschung der im Jahr 2008 versendeten SPAM-Mails durch die nutzlos aufgewendete Arbeitszeit zu einem Schaden von 22 Milliarden Dollar geführt haben. Dabei wurde so viel Energie verschwendet, dass damit 2,4 Millionen amerikanische Einfamilienhäuser hätten betrieben werden können!

Spammer verfolgen diese Masche, denn wenn von 100 Millionen SPAM-Mails nur 1000 Leute etwas bestellen, dann haben sie schon einen Gewinn gemacht. Das geht, weil E-Mails umsonst versendet werden können. Immer wieder gab es auch Überlegungen, ein Porto für E-Mails einzuführen. Selbst wenn es nur einen Cent kosten würde, würde es sich nicht mehr lohnen, so viele Mails ungefragt zu versenden.

Übrigens:

Die Franzosen sind besonders stolz auf ihre Sprache. Es gibt eine offizielle Anweisung, wonach in offiziellen Schreiben statt E-Mail die Bezeichnung Courriel (Kunstwort aus courrier électronique).

Immer mal wieder stolpert man über den Begriff "Snail Mail". Übersetzt bedeutet das "Schneckenpost" und bezeichnet den herkömmlichen Briefverkehr.


Hier gibt's mehr Informationen:

Hier findet ihr den Text der ersten in Deutschland empfangenen zivilen E-Mail.

Hier gibt es ein Interview mit Wolfgang Zorn, dem Adressaten der ersten E-Mail Deutschlands.

Hier findet ihr eine detaillierte und zeitlich geordnete Geschichte des Internet und seiner Dienste.


Wenn dich das Internet und Unterhaltungselektronik interessieren, dann wirf doch auch einen Blick in unseren WAS IST WAS-Band 100: Multimedia und virtuelle Welten.



Text: -jj- 28.7.2009 // Bilder: Struktur Internet Matt Britt cc-by-sa 2.5; E-Mail Prinzip ThePeritus GFDL; Glasfaser: BigRiz GFDL; SPAM USAF/PD

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt