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20 Jahre Kabelfernsehen

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20 Jahre Kabelfernsehen

Am 16. Juli 1982 wurde das Kabelpilotprojekt AKK in Ludwigshafen unterzeichnet. Dieses Datum markiert das Ende eines langen politischen Glaubenskrieges in der Bundesrepublik und den Beginn eines neuen Medienzeitalters.

Solange Fernsehen durch die Luft verteilt wurde, konnten nur wenige Programme ausgestrahlt werden, da die Frequenzen nur eine begrenzte Datenmenge aufnehmen konnten. Dazu kam noch das Problem, dass Menschen, die im Schatten von Hochhäusern oder in tiefen Tälern wohnten, vom Fernsehen abgeschnitten waren. Deshalb wurde schon in den 70er Jahren das Kabelfernsehen entwickelt. Hier werden Hörfunk- und Fernsehprogramme nicht terrestrisch über Antennen, sondern über Kupfer- oder Glasfaserkabel verbreitet. Neben den ortsüblichen Programmen werden ins Kabel auch Programme eingespeist, die über Satelliten oder Richtfunkstrecken herangeführt werden. Auch zusätzliche Dienste wie Kabeltext und Internet können Kabelbetreiber anbieten

Wahlkampfthema Nummer Eins
Für alle, die heute über 20 Jahre alt sind, sind private Rundfunk- und Fernsehsender selbstverständlicher Bestandteil des Medienalltages geworden. Da ist es kaum noch nachzuvollziehen, dass die Einführung dieser Programme 1980 sogar das heißeste Wahlkampfthema war.

Fernsehen war damals Sache der Politik. Mit ARD, ZDF und einem dritten Programm als Bildungskanal seien die Deutschen gut bedient, argumentierte damals die regierende SPD/FDP-Koalition. Kommerzielle Betreiber gefährdeten die Grundstrukturen einer demokratischen Gesellschaft, brächten die Meinungsvielfalt in Gefahr und schadeten der Familie durch Reizüberflutung.

Tatsächlich fürchteten die Politiker mächtige Medienkonzerne, die möglicherweise die Bevölkerung manipulieren könnten. Dazu kam die Angst, dass jene Programme, die über Rundfunkräte von den Parteien kontrolliert wurden, Zuschauer verlören.

1981 sprach das Bundesverfassungsgericht sein bahnbrechendes Urteil, das sich über alle bis dahin ergangenen Gerichtsentscheidungen gegen Privatfernsehen hinwegsetzte und entschied zugunsten der neuen Programmvielfalt.

Neue Techniken und schlechte Programme
Satellitenschüsseln wurden damals noch nicht in Massen produziert wie heute, deshalb dachte kaum jemand an die Möglichkeiten dieser Empfangstechnik. Kabel war dagegen machbar, und da die Kommunikationstechnik damals noch beim Postminister angesiedelt war, stellte die Politik die Weichen für den Ausbau des Netzes.

Nach der Ludwigshafener Vertragsunterzeichnung dauerte es weitere zwei Jahre, bis 1984 die ersten neuen Programme ausgestrahlt wurden: Eineinhalb Stunden Nachrichten von drei Sprechern gelesen, ohne Bilder, peinliche Showeinlagen von örtlichen Künstlern und 20 Stunden Bildschirmzeitung, so begann in Deutschland 1984 das Privatfernsehen.

1985 wagten sich die Verleger an das neue Medium: Ein Zusammenschluss von 160 Verlegern gründete Sat 1. Die deutschen Fernsehzuschauer sollten endlich mehr Spaß und Informationen bekommen.

Im gleichen Jahr holte der Medienkonzern CLT das in Luxemburg produzierte RTL-plus Programm nach Köln und schockte Politik und Medienwächter: Mit blanken Busen in Shows und reißerischen Berichten über Prominente, Sex, Verbrechen und Skandale startete ein Programm, das die schlimmsten Bedenken der damaligen Politiker wahr werden ließ.

Doch die Rechnung ging auf: 1984 hatten nur 20.000 Haushalte die Möglichkeit, das Programm über Kabel zu sehen, heute erreicht der Umsatz von RTL über drei Milliarden Mark. Das Privatfernsehen, eigentlich nur von zwei großen Konzernen betrieben, nämlich von Springer und Bertelsmann, setzte zu einem ungeahnten Höhenflug an, der erst 2002 durch die Kirch-Pleite jäh gebremst zu sein scheint.
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Text: Roland Rosenbauer - 15. 7. 2002 - Bild: Brugg Kabel AG

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