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175 Jahre deutsche Eisenbahn

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175 Jahre deutsche Eisenbahn

Am 7. Dezember 1835 fuhr die erste deutsche Eisenbahn, der Adler zwischen den Städten Nürnberg und Fürth. Mit dem neuen Verkehrsmittel begann der Aufbruch ins Industriezeitalter.

Der Beginn der Industriellen Revolution wird von Historikern auf das Jahr 1770 datiert. Die industrielle Massenfertigung von Verbrauchsgütern und die Erfindung der Dampfmaschine läuteten zunächst in England ein neues Zeitalter ein.
Kontinentaleuropa war noch nicht so weit. Verglichen mit Großbritannien war Deutschland ein rückständiges Agrarland. Die meisten Menschen lebten damals auf dem Land, die Städte waren klein und unbedeutend.

Ein Land wie ein Puzzle

1835 gab es kein einheitliches Deutschland. Der Wiener Kongress hatte den "Deutschen Bund" geschaffen, ein Geflecht aus souveränen Einzelstaaten, deren Landesherren ihre Interessen gegen die Nachbarstaaten durchsetzen wollten. Die Handelsreisenden mussten an jeder der kleinen Staatsgrenzen Zölle zahlen, was ein Wachsen der Volkswirtschaft verhinderte.

Zeit für Reformen

Seit 1815 kämpften Fabrikanten und Kaufleute für Handelsfreiheit und einen bürgerlichen Nationalstaat. Der Ökonom Friedrich List wies 1819 in einer Bittschrift der deutschen Kaufleute darauf hin, dass 38 Zoll- und Mautlinien in Deutschland den Verkehr lähmten. Die Reformer dieser Zeit blickten neidvoll auf die britische Insel, wo seit Jahren Lokomotiven über die Gleise rollten und Güter schnell von A nach B transportierten.

Gründung des Zollvereins

Nach zähen Verhandlungen entstand am 1. Januar 1834 der Zollverein, der zu seiner Gründung 18 Mitgliedsstaaten umfasste. Später traten ihm alle Staaten bei, die schließlich das Deutsche Reich bildeten.
Erst der Zollverein ermöglichte die Entwicklung der Eisenbahn, die neben den Wasserstraßen das Land grenzüberschreitend erschließen konnte.
Die einzigen Verkehrsmittel für den Transport von Personen und Gütern waren Tragtiere, Kutschen und Wagen sowie Binnenschiffe.


Die erste deutsche Eisenbahn

Der Adler war die Lokomotive zur ersten deutschen Eisenbahn. Er wurde von den britischen Eisenbahnpionieren George und Robert Stephenson konstruiert und 1835 in hundert Einzelteilen nach Nürnberg geliefert.

Ab dem 7. Dezember 1835 fuhr der Adler auf der Ludwigsbahn zwischen Nürnberg und Fürth auf einer Länge von 7,45 Kilometern.
Lokomotivführer der ersten Eisenbahnfahrt in Deutschland war der Engländer William Wilson. Ursprünglich sollte er nur für einige Monate in Nürnberg bleiben, um einen Nachfolger anzulernen. Er blieb jedoch bis an sein Lebensende in Nürnberg, wo er auch begraben wurde. Der Adler fuhr mit einer Reisegeschwindigkeit von 35 km/h. In der Spitze hätte er 65 km/h Höchstgeschwindigkeit erreichen können.

Kein Ersatz für die Pferdekutsche

Einen Tag später begann der Linienverkehr: Ab 8. Dezember 1835 fuhr ein pferdebespannter Zug stündlich von Nürnberg nach Fürth und zurück. Nur zweimal am Tag - um 13 Uhr und 14 Uhr - zog der Adler diesen Zug. Die hohen Preise für die aus Sachsen einzuführende Steinkohle, anfangs noch per Fuhrwerk, verhinderten in den ersten Jahren einen häufigeren Einsatz der Lokomotive.

Nachbau zum Eisenbahnjubiläum

Die originale Adler-Lokomotive ist trotz ihrer historischen Bedeutung verloren gegangen. Nach 22 Jahren Dienstzeit wurde sie 1857 als technisch veraltet ausgemustert und ohne Räder zum Schrottpreis verkauft.

Zum 100-jährigen Jubiläum der Eisenbahn in Deutschland 1935 gab die Deutsche Reichsbahn im Ausbesserungswerk Kaiserslautern einen weitgehend originalgetreuen Nachbau in Auftrag.

Neue Wege aus Eisen


Die neue Technik verbreitete sich schnell. Schon 1842 konnte man von Dresden über Leipzig nach Berlin fahren. Und war eine Reise von München nach Berlin 1830 noch beschwerlich und unbequem und dauerte fünf Tage in einer Kutsche, so brauchte man 1890 mit der Bahn nur noch 18 Stunden.


Begegnung der Generationen

Auf seinen Fahrten begegnet der Adler zahlreichen ICE- Hochgeschwindigkeitszügen. Offensichtlicher kann der Kontrast zwischen den Epochen nicht sichtbar werden.

Die Eisenbahn als Motor wirtschaftlicher Entwicklung steht im Mittelpunkt der Ausstellung Die Strecke des Adlers im Nürnberger Museum Industriekultur, die am Beispiel dieser Bahnlinie die voranschreitende Industrialisierung darstellt.

Vom Adler zum Spaceshuttle

 Eine Schau im Planetarium, das am Startpunkt der nicht mehr existierenden Adler-Strecke liegt, thematisiert unter der Überschrift Vom Adler zum Spaceshuttle Reisen auf der Erde und im Himmel. Ursprünglich hätte die Schau "Vom Adler zum Eagle" heissen sollen, in Anspielung an die erste Mondlandung. Die Landefähre hieß bekanntlich "Eagle", das englische Wort für Adler.

Wenn ihr euch für die Geschichte der Eisenbahn, für die Technik und die Entwicklung der Bahn interessiert, dann könnt ihr viel Wissenswertes im WAS IST WAS 54 "Die Eisenbahn" nachlesen - das wurde übrigens von den Experten des Nürnberger DB Museums verfasst!


Text und Fotos: Roland Rosenbauer, 2.12.2010, Logo mit freundlicher Erlaubnis der Stadt Nürnberg.

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