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Wolf Biermann wird ausgebürgert

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Wolf Biermann wird ausgebürgert

Bereits um 18 Uhr, eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn, dichte Menschentrauben vor der Kölner Sporthalle. Dann, pünktlich um 19.00 Uhr ist es soweit. Wolf Biermann betritt die Bühne am 13. November 1976.

Da steht er, der kleine schnauzbärtige Mann, mit seiner Gitarre zum ersten Mal wieder im öffentlichen Rampenlicht nach zwölf Jahren totaler Bühnenabstinenz, in denen er - wie er selbst sagt - nur noch in seinem Zimmer gesungen hat.

1965 hatte man Wolf Biermann in der DDR mit einem Auftritts, Publikations- und Ausreiseverbot belegt, um ihn - den kritischen Kommunisten - im Lande des real existierenden Sozialismus endlich zum Schweigen zu bringen. Doch das Gegenteil wurde erreicht: Biermann, er wurde im Westen wie im Osten zum Mythos, zum leibhaftigen Symbol der Nichtanpassung.

7000 Menschen in der vollgestopften Kölner Sporthalle brachten ihm bei seinem ersten Westauftritt und zugleich seinem bevorstehenden 40. Geburtstag stehende Ovationen entgegen.

Biermanns Tournee durch sechs bundesrepublikanische Städte war von der IG Metall-Jugend organisiert worden. Nachdem ihm die DDR-Behörden überraschend ein Ausreisevisum erteilt hatten, lautetejetzt die Frage: "Lassen sie ihn wieder rein?".

Die DDR reagierte schnell und kompromisslos. "Die zuständigen Behörden der Deutschen Demokratischen Republik haben Wolf Biermann das Recht auf weiteren Aufenthalt entzogen.", tickerte die Nachrichtenagentur ADN.

Im Westen löste die Ausbürgerung eine Protestflut aus. Damit hatten die DDR-Behörden gerechnet. Doch dann geschah im Osten etwas, was die SED nicht erwartet hatte:

Zwölf ihrer namhaftesten Schriftstelle, darunter Stefan Hermlin, Günter Kunert, Christa Wolf, Stefan Heym und Heiner Müller solidarisierten sich mit dem "Ausgestossenen". Öffentlich forderten sie die DDR-Führung auf, die Ausbürgerung Biermanns zu widerrufen.

Trotz Solidaritätsaktion - für Wolf Biermann gab´s kein Zurück. Er blieb ausgebürgert. 13 Jahre musste er diesmal warten, bis mit dem Fall der Mauer auch das Regime gefallen war.

Am 15. November 2001 feierte Wolf Biermann seinen 65. Geburtstag. Schaltet man in dieser Woche den Fernseher ein, begegnet mandem Liedermacher auf allen Kanälen. Alle Kameras sind auf ihn gerichtet und noch immer lebt er nach dem Motto: "Nur wer sich ändert, bleibt sich treu." Herzlichen Glückwunsch!

-sw- 16.11.01

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