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Wie ist das mit den Historienfilmen, Herr Junkelmann?

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Wie ist das mit den Historienfilmen, Herr Junkelmann?

"Gladiator", "Troja", "Alexander" - die Filmindustrie hat historische Helden und Themen wiederentdeckt. Spannend, wie der bekannte Historiker Marcus Junkelmann findet. Er befasst sich schon lange mit der Geschichte der Gladiatoren im alten Rom. Er hat viele wissenschaftliche Bücher geschrieben und widmet sich der experimentellen Archäologie. Wir hatten ihn zu Gast und konnten ihn fragen, was er von der neuen Welle der großen Historienfilme hält:

Marcus Junkelmann: "Hollwoods Traum von Rom".

Die neuen Helden

Spannend und äußerst aufschlussreich findet Markus Junkelmann die neuen Historienfilme. Als begeisterter Filmzuschauer, aber auch Wissenschaftler setzt er sich mit historischen Filmen auseinander. Über die Geschichte von Historienfilmen, über die Absichten von Regisseuren und über unsere Sehgewohnheiten und was wir alles als "altes Rom" zu kennen glauben, hat er ein Buch geschrieben. In "Hollywoods Traum von Rom" ist er der Verarbeitung historischer Themen im Film von den Anfängen bis "Gladiator" auf der Spur.

Der Film "Ben Hur" wurde mit elf Oscars ausgezeichnet!

Aufgemerkt!

Was uns überhaupt nicht auffällt, stellt der Wissenschaftler fest: Dass das Wagenrennen, so wie wir es aus "Ben Hur" kennen, nie statt gefunden hat. Oder, dass es im alten Rom gar keine Galeerensklaven gab, auch wenn wir sie im Film zu sehen bekommen. Auf den Schiffen waren keine Sträflinge, sondern freie Soldaten.

Jeder Regisseur will mit seinem Film eine bestimmte Aussage treffen und da kann es durchaus vorkommen, dass die historischen Tatsachen vernachlässigt werden. So sehen wir in "Gladiator" einen riesigen Platz, der das Forum sein soll, auf dem Tausende von Soldaten aufmarschieren. Solch einen Platz hat es in Rom nie gegeben. Das Forum war viel verwinkelter. Das Bild das vom alten Rom entsteht, sieht aus wie die Reichsparteitage in Nürnberg. Der Regisseur Ridley Scott hat dieses falsche Bild absichtlich gewählt, aber wissen das die Zuschauer? Herr Junkelmann zweifelt daran. Auch wenn ein Fachmann wie er diese Fehler erkennt, bei uns Laien bleiben häufig nur die imposanten Filmausschnitte hängen, die für uns zur historischen Wirklichkeit gehören, wie das Wagenrennen oder die Galeerensklaven - auch wenn es die nie gegeben hat.

Für Herrn Junkelmann war Russell Crowe die Idealbesetzung für den "Gladiator".

Sollten Jugendliche dennoch diese Filme sehen?

Mal abgesehen davon, dass viele dieser Filme erst ab 12 oder sogar 16 Jahren frei gegeben sind - nun, der Historiker überlegt. Auf der einen Seite bekommen wir so natürlich ein verschobenes Bild vergangener Epochen. Packende Bilder wie das Wagenrennen oder auch die "Asterix-Comics" und ihr Inhalt bleiben im Gedächtnis und trüben den Blick für die Wirklichkeit. Aber auf der anderen Seite interessieren wir uns oft nur dank solcher Filme oder Comics für Geschichte. Kaum war "Gladiator" in den Kinos bekam Herr Junkelmann viel Post von Schülern, die zum Film Arbeiten schreiben wollten, die wissen wollten, ob Gladiatoren tatsächlich so gelebt hatten, wie im Film dargestellt. Hätten diese Schüler auch ohne den Film dieses Thema aufgegriffen?

Am besten, so empfiehlt der Kenner, ist es den Film mit mehreren Leuten oder als ganze Klasse anzusehen und das Thema dann gemeinsam zu besprechen. So kann ein Lehrer an einem spannenden Beispiel Geschichte erklären und mit Vorurteilen aufräumen.

Falsche Quellen als Ausgangspunkt

So lange es Historienfilme gibt, haben sich die Filmemacher oft Quellen bedient, die selbst nicht historisch waren. Zum Beispiel fallen die Anfänge des Films zusammen mit einer Zeit als in der Kunst die Historienmalerei sehr beliebt war. Also orientierte man sich an den Bildern des 19. Jahrhunderts, nur die waren eben auch ein Spiegel ihrer Zeit. Manche modische Errungenschaft der Römer, wie Armmanschetten, haben wir nicht den Römern zu verdanken, denn die haben so was nie getragen, sondern der Tatsache, dass ein Filmemacher von einem anderen abschaute.

Plakat zu "Alexander"; Filmstart: 23. Dezember 2004, ab 12 Jahren.

Warum es gerade jetzt wieder so viele historische Film gibt?

Da hat Herr Junkelmann eine ganz einfache Erklärung parat: Sie sind einfach wieder finanzierbar. Für große Schlachten brauchte man früher Tausende von Komparsen und auch die wurden mit der Zeit teuer. Dank des technischen Fortschritts braucht man heutzutage nur eine Hand voll Darsteller, die dann per Computer vervielfältigt werden - und man hat ein riesiges Schlachtengetümmel.

Und dank technischer Tricks kann dann der Zuschauer in der Vogelperspektive über dieses Schlachtfeld gleiten. So wie im neuen "Alexander der Große -Film" von Regisseur Oliver Stone mit Colin Farrell in der Titelrolle. Ein Adler wird zum Symbol für Alexander. Und so fliegt der Vogel über das Schlachtfeld und die Kamera nimmt den Zuschauer mit.

Bei "Alexander" - Kinostart am 23. Dezember 2004 - war Herr Junkelmann, der den Film schon vorab zu sehen bekam, sehr begeistert von den Schlachtszenen, die wohl zu den besten und genausten Darstellungen dieser kriegerischen Handlungen zählen, die man im Film bisher gesehen hat. Dafür stimmen viele Details im Dekor nicht, Fresken, Kostüme und auch die Charakteren sind seiner Meinung nach nicht gut getroffen. Der Haupstdarsteller ist zu zögerlich als Alexander und seine Geschichte zu sehr auf die Familiengeschichte reduziert.

Marcus Junkelmann als Römer

Filme als Entspannung

Aber dennoch sieht sich der Historiker solche Filme immer wieder gern an. Nicht nur um die zahlreichen Fehler zu finden, wie er schmunzelnd erzählt, sondern vor allem, weil er sich bei einem guten Kinofilm auch gut entspannen kann - und da kann er durchaus über einen falschen Römerhelm hinwegsehen. Und wenn man´s genau nimmt, wer außer ihm und ein paar anderen Historikern bemerkt solche Fehler denn.......

Nächste Woche erzählen wir euch, wie der Wissenschaftler Marcus Junkelmann selbst an das Thema Gladiatoren herangeht und was experimentelle Archäologie überhaupt bedeutet.

Wenn ihr mehr über Herrn Junkelmann wissen möchtet: Auf www.junkelmann.de werdet ihr fündig.

-ab-20.12.04 Text / Foto Junkelmann: www.junkelmann.de; Buchcover: "Hollywoods Traum von Rom"; Filmplakate: Ben Hur, Gladiator, Alexander der Große.

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