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Von Manga bis Visual Kei Japan voll im Trend

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Von Manga bis Visual Kei Japan voll im Trend

Japan ist in. Wem das noch nicht aufgefallen ist, der lebt wirklich hinter dem Mond. Da ich selbst ein großer Fan von diesem Land bin, will ich euch einfach mal erzählen, wie ich zu meinem Hobby gekommen bin.

Angefangen hat alles mit dem Anime Sailor Moon (Ein Anime ist eine japanische Zeichentrickserie). Damals wusste ich noch nichts von Mangas, Kanji und Visual Kei.

Ich fand diese Mädchen mit den großen Augen und den langen Beinen, die für Liebe und Gerechtigkeit kämpfen, einfach nur süß kawaii, wie das auf japanisch heißt und habe mir die Comics gekauft.

Ein paar Jahre später meine Begeisterung für Sailor Moon war etwas abgeklungen, ich war ja schließlich älter und reifer (ähem) geworden entdeckte ich in einem Büchergeschäft ein Regal mit Comics, auf denen Mädchen mit noch (!) größeren Augen abgebildet waren.

Ich konnte nicht anders und nahm einen mit dem Titel Kamikaze Kaito Jeanne heraus. Ich hätte Luftsprünge machen können das war die Vorlage zu der Anime-Serie, die ich mir zur Zeit im Fernsehen ansah (Habe ich geschrieben, ich wäre reifer geworden? Nun, das nehme ich mal zurück!). So habe ich mir meinen ersten Manga gekauft. Himmel, muss man da viele Begriffe erklären. Also, ein Manga ist ein japanischer Comic, der von hinten nach vorne und von rechts nach links gelesen wird.

Manga oder Marvel?

Das, was für mich den Unterschied zwischen einem japanischen und einem deutschen oder amerikanischen Comic ausmacht, ist, dass man sich mit den Personen in einem Manga viel besser identifizieren kann. Welches Mädchen kann sich schon in Peter Parker aus Spiderman oder in Superman hineinversetzen? Auch die Zeichnungen gefallen mir viel besser und man merkt, wie viel Arbeit der oder die Mangaka, also der Zeichner des Comics, hineingesteckt hat.


Wände voller Superhelden: Die Mangaabteilung in einem japanischen Buchgeschäft

Es gibt Mangas für alle Altersgruppen und Interessengebiete. Während es in Shoujo-Mangas meistens um ein Mädchen mit den typischen Schul- und vor allem Jungenproblemen geht, viel Wert auf schöne Zeichnungen gelegt wird und auch die Romantik nicht zu kurz kommt,  so steht in den Shounen-Mangas Action im Vordergrund.

Mein Geschmack hat sich ziemlich verändert und mittlerweile besitze ich eine stolze Sammlung von fast 90 Mangas aus den unterschiedlichsten Bereichen.

Auf der Suche nach neuem japanischen Lesefutter entdeckte ich schließlich in Nürnberg den Ultra Comix, einen Comicladen, der nicht nur Mangas und Anime DVDs, sondern auch CDs von verschiedenen japanischen Gruppen führt. Auf gut Glück kaufte ich mir das Album Coll:set von Despairs Ray, schlicht und einfach, weil mir das Cover so gut gefiel. Von diesem Moment an war ich Japanfan durch und durch.

Eine Woche später ging ich wieder in den Comicladen, welcher mittlerweile mein zweites Zuhause geworden ist, und kaufte mir die CD Vulgar von Dir en grey. Ich hätte nie gedacht, dass irgendeine Band Despairs Ray übertreffen könnte. Wie sehr ich mich doch geirrt hatte.

Visual Kei Männer oder Frauen?

Dir en grey kann man nicht einfach in zwei Sätzen beschreiben. Der Musikstil der bereits seit 1997 existierenden Band hat im Laufe der Zeit eine große Veränderung durchgemacht.


Japanische Jugendliche in Visual Kei Kostümen

Bis vor ein paar Jahre konnte man Dir en grey noch in den Visual Kei einordnen. Visual kommt aus dem Englischen und bedeutet visuell, also alles, was mit sehen zu tun hat. Kei (wird Kee ausgesprochen) ist japanisch und heißt Herkunft, System. Die Musik kann ganz unterschiedlich sein. Die Stile reichen von Pop über Rock und Punk bis hin zu Metal und Gothic. 

Im Visual Kei ist das Optische besonders wichtig. Auffallende bunte Frisuren, Lack- und Lederkleidung, jede Menge Schminke, farbige Kontaktlinsen und auch Kleider und Miniröcke sind die Merkmale einer typischen Visu-Band. Erwähnenswert ist, dass es in diesem Genre nur männliche Künstler gibt. Das Hauptziel ist das Betonen der femininen Seite. Das geht meistens so weit, dass man sie nicht mehr von Frauen unterscheiden kann.

Doch seit ihrem 2003 veröffentlichten Album Vulgar wurden Dir en grey zusehends normaler (rein optisch gesehen): Die Musik wurde härter, aber man findet nach wie vor Elemente verschiedenster Stile. Rock, Hard Rock, Goth und Heavy Metal gehen Hand in Hand mit Techno und sogar teilweise Jazz. Die musikalische Vielfalt reicht von Schreigesang (Na ja, eigentlich nur Geschrei) bis hin zu Balladen, bei denen man sich fragt, ob es für Sänger Kyos Stimme überhaupt so etwas wie Grenzen gibt.

Da die Texte japanisch sind und nur ab und zu mal ein paar englische, früher auch deutsche und russische Sätze oder Wörter darin vorkommen und  man doch wissen möchte, wovon seine Lieblingsband so singt, habe ich schließlich begonnen, Japanisch zu lernen.

Konnichiwa (Hallo) Sayonara (Auf Wiedersehen)

Die japanische Sprache ist völlig anders als zum Beispiel das Deutsche. Es gibt ja keine Buchstaben, sondern verschiedene Zeichen. Im Japanischen gibt es zwei Alphabete: Hiragana und Katakana. Und dann gibt es noch die Kanji. Das sind Zeichen, die aus dem Chinesischen übernommen und zum Teil verändert wurden. Ein Kanji steht für ein Wort und jedes einzelne muss auswendig gelernt werden.

Hiragana und Katakana sind Silbenalphabete mit jeweils ca. 50 Zeichen. Es gibt keine einzelnen Konsonanten, nur die einzelnen Vokale oder eine Kombination aus Konsonanten und Vokalen. Die Ausnahme ist der Buchstabe n. Hiragana ist die normale Alltagsschrift, Katakana wird für ausländische Begriffe, wie zum Beispiel Sandwich verwendet. Im Japanischen gibt es weder Singular und Plural, noch die verschiedenen Personen. Dafür gibt es drei verschiedene Höflichkeitsstufen. Die werde ich aber definitiv nicht lernen, das wird mir viel zu anstrengend!

Nach zwei Semestern Japanisch im Bildungszentrum kann ich mich jetzt vorstellen, Einkaufen gehen, die Uhr lesen, zählen, ich kenne die verschiedenen Verkehrsmittel und beherrsche sowohl Katakana als auch Hiragana (Sagen wir mal, ich könnte das alles, wenn ich nicht so faul wäre).

Leider habe ich nach dem zweiten Semester aufgehört, weil ich nicht richtig gelernt habe und somit nicht mehr mitgekommen bin. Jetzt bereue ich das sehr und ich habe mir vorgenommen, nach den Sommerferien wieder weiter zu machen und dann aber auch fleißiger zu lernen.

Text:  Sarah Jonis 19.7.2006; Bilder: Mangaladen: Doc Sleeve/GFDL: Cosplay © Mike Chachich/GFDL; Mangapanorama © Takeuchi Naoko, Kdansha, TV Asahi, Toei Dga; Hiragana GFDL

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt