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Volkstümlich und intelligent Karl Valentin

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Volkstümlich und intelligent Karl Valentin

Ein Semmelknödel, zwei Semmelknödel - oder doch zwei Semmelknödeln? Und wie lautet dann die Mehrzahl von Kartoffelknödel? Karl Valentin nahm die Sprache beim Wort und lotete die Grenzen des gerade noch Sagbaren aus - um sie komisch verdreht über all ihre Grenzen hinauszuführen.

Kein Clown, kein Schauspieler, kein Humorist, kein Kabarettist und doch alles zusammen - Karl Valentin war ein Münchner Original von grotesker Einmaligkeit. Artistisch jonglierte er mit allen Höhen und Tiefen des Witzes, wenn er zum virtuosen Spiel mit unserem alltäglichen Sprachumgang ausholte. Er war ein Meister verzwickter Wechselreden und entlarvte gnadenlos die Fallgruben menschlichen Denkens. Mit seiner Partnerin Liesl Karlstadt parodierte er gemeinsam den Alltag der so genannten kleinen Leute. Der "Buchbinder Wanninger" gehört zu seinen populärsten Sprachclownerien.

So stellte er sich vor: "Ich, Karl Valentin, ein Münchner Komiker, bin der Sohn eines Ehepaares. Aus Gesundheitsrücksichten erlernte ich im Alter von zwölf Jahren die Abnormität."

Die Anfänge

Karl Valentin wurde am 4. Juni 1882 als Valentin Ludwig Fey in der Münchener Vorstadt Au geboren. Nach Besuch der Volks- und Bürgerschule begann er mit einer Schreinerlehre. Dazu sagte er: "Ich lernte hobeln, sägen, nageln. - Bald entwendete ich einen Nagel, schlug ihn in die Wand und hing an demselben das goldene Handwerk der Schreinerei für immer auf."
Nach einem Besuch im Variete Kolosseum, beschloss er 1896 Komiker zu werden. 1902 besuchte er in München eine Komikerschule. Sein erstes Engagement in Nürnberg am Variete am Zeughaus endete tragisch: Sein vater starb, und er reiste zurück nach München, um die elterliche Speditionsfirma zu übernehmen, die er 1906 verkauft.
1908 hatte er als Komiker mit dem Monolog "Das Aquarium" Erfolg und wurde an die Volkssängerbühne im "Frankfurter Hof" engagiert.

Duo mit Liesl Karlstadt

1909 lernte er seine spätere Partnerin Elisabeth Wellano kennen. Für sie erfand er den Künstlernamen Liesl Karlstadt, den er aus dem Namen des Münchener Humoristen Karl Maxstadt konstruierte. An ihr fand der hypochondrische, von Ängsten geplagte Sonderling Halt und in ihr eine wahrhaft aufopferungsvolle Mitarbeiterin an Texten und Inszenierungen.

Als Duo waren die beiden unübertrefflich, ihre komische Szenen, welche die Hilflosigkeit von Personen in der verzwickten Alltagswelt darstellen mit einer aus Sprache und Situation entwickelten absoluten Logik.

Karl Valentin trennte die Bühne strikt von seinem Privatleben. 1911 heiratete er Gisela Royes, die er schon 12 Jahre kannte und mit der er zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Töchter hatte: Gisela (6) und Berta (1).

Große Erfolge

Vor dem ersten Weltkrieg entstand der erste Film (Karl Valentins Hochzeit), er feierte große Erfolge als Volkssänger und Komiker. Während des Krieges (1914-18) brachte Valentin in über 120 Lazarettvorstellungen sein Publikum zum Lachen. Im Kabarett Wien-München übernahm er die Direktion, erste Entwürfe zu "Tingeltangel" (Orchesterprobe, das komische Orchester) und zu Ritterstücken entstanden. Das Lied von den "Altn Rittersleut", wie sie auf der Burg von Grünewald gehaust und es ihnen vor nichts gegraust hat, wurde einer von Karl Valentins populärsten Texten. Er gehörte zu dem umfangreichsten Projekt, an das der geniale Komiker viele Jahre seines Lebens gewandt hat: "Die Raubritter vor München" sollte immer ein großer Film werden, aus Mangel an finanziellen Mitteln konnte Valentin aber immer nur einzelne Szenen oder Revuepassagen daraus realisieren.
Mit Liesl Karlstadt unternahm er 1922 und 1923 Gastspielreisen nach Zürich und Wien. In der Wiener Ring Zeitung konnte man 1922 lesen: Bleibt bei uns in Wien! Die Münchener werden dann wissen, was sie an Euch gehabt haben . 1924 erfolgte das erste Berlin-Gastspiel, dem weitere folgten. Die Stücke Karl Valentins inszenierten die Alpträume unseres Alltagslebens. Scheinbar vertraute Situationen endeten unweigerlich und regelmäßig in der größtmöglichen Katastrophe. Dann kam stets, was Kurt Tucholsky einen "Höllentanz der Vernunft um beide Pole des Irrsinns" nannte und Bertolt Brecht als einen "durchaus komplizierten, blutigen Witz" lobte.

1935 trennte sich das Paar, das über 25 Jahre lang gemeinsam auf der Bühne stand. Rund 400 Sketche und Komödien gingen aus dieser Zusammenarbeit hervor. Liesl Karlstadt war Valentins Koautorin, Koregisseurin, Organisatorin, Souffleuse und auch Psychiaterin. 1936 entstand "Die Erbschaft", Valentins bester Tonfilm. Wegen "Elendstendenzen" wurde er von der Nazizensur verboten. Karl Valentin wirkte in insgesamt 29 Filmen mit.

Die letzten Jahre

In der Zeit von 1941 - 1946 trat Valentin nicht mehr öffentlich auf, blieb aber über den Rundfunk seinem Publikum verbunden. Im Oktober 1947 stand er noch einmal mit Liesl Karlstadt gemeinsam auf der Bühne. Am 9. Februar 1948 starb er in Planegg.

Liesl Karlstadt, geboren am 12. Dezember 1892, überlebte ihn um 12 Jahre. Sie starb am 27. Juli 1960.

Auf den Seiten des Münchner Valentin-Musäum (Kein Schreibfehler!) findest du ausführliche Biografien von Karl Valentin und Liesl Karlstadt.

Text: Roland Rosenbauer, Bilder: Piper, Atlas

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