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Togo die Sperber

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Togo die Sperber

Genau wie Nachbar Ghana gehört das westafrikanische Land Togo zu den WM-Neulingen. Die Sperber wie die togolesische Nationalmannschaft auch genannt wird, die bisher eher als zweitklassiges afrikanisches Team galten, qualifizierten sich überraschend deutlich durch einen ersten Platz in der afrikanischen Gruppe 1 für die WM.




Foto: Nationalmannschaft bei Trainingsspiel in Deutschland. Mit dabei: Star Emmanuel Adebayor (erster stehend von links)

Durchmarsch bei der Qualifikation

Bei neun Siegen in 15 Spielen und nur einer Niederlage kann Togo schon zum Aufsteiger des Jahres gekürt werden. Die Sperber warfen sogar klassische Fußballnationen wie den Senegal, Sambia und Mali aus dem Rennen. Ihren Weltranglistenplatz verbesserten die Westafrikaner damit von Platz 99 auf derzeit Platz 59 (Stand April 2006). Zum Vergleich: andere WM-Teilnehmer sind ähnlich platziert: Angola Platz 58, Ghana Platz 50, Australien Platz 40.

Adebayor Torschützenkönig bei der Qualifikation

Mit elf Toren ist Stürmer Emmanuel Adebayor Afrikas erfolgreichster Torschütze bei den Qualifikationsspielen. Auch sonst hat der 22-jährige eine großartige Karriere vorzuweisen. Als Jugendlicher wurde er vom französischen FC Metz entdeckt. Nach Startschwierigkeiten im kalten Europa brachte er Metz 2003/04 mit 13 Toren in die erste Liga.

Er wechselte in den AS Monaco, wo er sich rasch einen Stammplatz erkämpfte und in der Saison 2005/06 für rund 10 Millionen Euro an den englischen Erstligisten Arsenal London ging.

Die anderen Spieler des Togoer Nationalteams sind kaum bekannt. Die meisten spielen in europäischen Vereinen der unteren Ligen. Zwei von ihnen verdienen in Deutschland ihr Geld: Toure Assimiou bei Bayer Leverkusen und Karim Guede bei Hamburger SV. Beide gehören zu den Amateurmannschaften.

Trouble um die Trainer

Der Nigerianer Stephen Keshi hatte Togo erfolgreich durch die WM-Qualifikation geführt, enttäuschte aber durch das Scheitern der Sperber beim Africa Cup 2006. Alle drei Vorrundenspiele verloren sie. Keshi wurde entlassen und als Nachfolger der Deutsche Otto Pfister ausersehen, der bereits die Nationalmannschaften von Ruanda, Burkina Faso, Senegals und der Elfenbeinküste trainiert hatte.

Mit Strenge und Disziplin wollte Pfister den Togoern zum Sieg verhelfen. Doch am 10. Juni 2006, vier Tage vor ihrem ersten WM-Spiel, trat Pfister zurück. Der Grund: Streit um Prämien. Die Mannschaft wartete noch immer vergeblich auf seit Januar 2006 zugesagte Zahlungen für die Leistungen in der Qualifikation. Sogar der togolesische Premierminister reiste nach Deutschland um den Konflikt beizulegen.

Als es schon fast beschlossene Sache war, dass Winfried Schäfer auf die Trainerbank folgen sollte, erklärte sich Pfister am 12. Juni überraschender Weise doch bereit, Togo zumindest während des ersten Spiels zu betreuen. Dabei ist es vorerst geblieben.


Geht es da mit rechten Dingen zu?

Eigentlich verwundert der Vorfall nicht, schaut man sich die problematischen Hintergründe des togolesischen Fußballs einmal genauer an. Auf der einen Seite haben die Sperber immer wieder mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Um an der Afrikameisterschaft 2000 teilnehmen zu können waren sie beispielsweise auf gespendete Fußballschuhe aus Deutschland angewiesen.

Auf der anderen Seite sind die undemokratische Regierung des Landes und der Fußballverband eng miteinander verwoben. Staatschef ist Faure Gnassingbé, Präsident des Fußballverbandes sein Bruder Rock Gnassingbé. Ihr Vater war fast 40 Jahre lang Togos Diktator. Sohn Faures Herrschaft sollte durch gefälschte Wahlen legitimiert werden. Immer wieder werden Gerüchte um Korruption und Misswirtschaft beim togolesischen Fußball laut.

Wintereinbruch im Trainingslager

Bei den letzten Vorbereitungen in Deutschland hatten die Togoer mit einem unerwarteten Problem zu kämpfen. Der Winter kam zurück. Ende Mai schneite es im Allgäu plötzlich, sodass das Training nur auf Kunstrasen weitergeführt wurde. So kalt hatten sich die Sperber Deutschland wohl nicht vorgestellt. Aber wenigstens ist seit dem Anpfiff der WM bestes Wetter.

WM-Vorrunde

In Gruppe G mussten die Sperber am 13. Juni eine 1:2-Niederlage gegen Süd-Korea einstecken. Verteidiger Ludovic Assemoassa zog sich eine schwere Knieverletzung zu, sodass er für den Rest der WM ausfallen wird. Auch am 19. Juni konnten sie sich nicht durchsetzen. Die Schweizer gewannen 2:0. Ihre letztes Spiel in der Vorrunde steht am 23. Juni gegen Frankreich bevor.

Text: LM 19.06.06, Foto:wikipedia: the weaver.

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