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Stummfilm adé: Der Ton erobert die Kinos

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Stummfilm adé: Der Ton erobert die Kinos

Mit der Uraufführung des Jazzsängers sorgte Warner Brothers am 6. Oktober 1927 für eine Sensation . Von nun an konnte man nicht nur bewegte Bilder auf der Kinoleinwand sehen, sondern auch Stimmen, Geräusche und Musik hören. Die Ära des Tonfilms hatte begonnen.

Für die Filmgesellschaft war die Produktion eines derartigen Films ein großes Wagnis. Ein Jahr zuvor wäre das Unternehmen mit dem Tonfilm-Versuch Don Juan fast pleite gegangen. Anders beim Jazzsänger. Der Musicalfilm mit Hauptdarsteller Al Johnson, der im Film als Sohn streng gläubiger Juden von einer Jazzkarriere träumt, entwickelte sich zu einem wahren Kassenknüller. Musik im Kino - das hatte man einfach noch nie erlebt!

Revolution der Filmtechnik

Mit heutigen Tonfilmen ist der Jazzsänger natürlich nicht vergleichbar. Über weite Strecken wurde die Handlung nach wie vor über den Einschub von Zwischentiteln erklärt. Zudem wirken die Dialoge in unseren Ohren hölzern und abgehackt. Doch in den Augen der Kinobesucher von damals offenbarte sich das musikalische Machwerk als Revolution der Filmtechnik und -ästhetik.

Begeisterte Zuschauer

Noch in den 20er Jahrenn war der Tonfilm vielen Lichtspieltheatern und Produktionsgesellschaften ein Dorn im Auge. Die Filmbosse sahen vor allem immense Kosten auf sich zu kommen und zweifelten daran, dass Tonfilme auch kommerziell mit den damals überaus populären Stummfilmen Schritt halten könnten. Doch das enthusiastische Publikum sollte Hollywood bald eines Besseren belehren. Bereits 1929 waren in den USA mehrere tausend Kinos für die Widergabe von Tonfilmen gerüstet.

Aus für den Stummfilm

Mit dem Siegeszug des Tonfilms wandelten sich die festen Strukturen der Filmproduktion grundlegend. Für die Schauspieler war das mit enormen künstlerischen Einschränkungen verbunden. Sie waren von nun an gezwungen immer in Richtung Mikrofon zu agieren. Auch die übertriebene Gestik und Mimik der Stummfilmdarsteller wirkte plötzlich überflüssig und unnatürlich. Ebenfalls verzichten musste man lange Zeit auch auf Außendrehs, weil Umweltgeräusche die Aufnahmen behinderten.

Des einen Freud, des anderen Leid

Warner Brothers war es mit dem kommerziellen Erfolg des Jazzsängers gelungen, sich finanziell rundum zu sanieren. Doch für andere Beschäftigte der Branche stellte die Umstellung auf Tonfilme eine Katastrophe dar. Vor allem Stummfilmschauspielern wurden in Massen entlassen, weil alle Filmstudios verzweifelt versuchten, auf den fahrenden Zug aufzuspringen und mit Warner Brothers Schritt zu halten.

Näselstimmen nicht gefragt

Ob Schauspieler eine Näselstimme oder einen Sprachfehler haben, hatte noch zu Stummfilmzeiten niemanden interessiert. Doch genau das konnte jetzt eine Karriere ruinieren. Auch international agierende Schauspieler bekamen massive Probleme, wenn sie die Landessprache nicht perfekt beherrschten. Der ehemals gefragte deutsche Filmstar Emil Jannings z.B. erhielt keine Rollenangebote mehr, da sein Englisch für Dreharbeiten in den USA zu schlecht war.

Der Ton macht Fortschritte

Obwohl Tonfilme seit mehreren Jahrzehnten nichts Ungewöhnliches mehr darstellen, hat sich auch in dieser Zeit technisch viel weiterentwickelt. Bereits in den 30ern löste das so genannte Movietone-Verfahren die qualitativ schlechte Tonwidergabe mit Nadelton-Schallplatten ab. Mit Hilfe dieser patentierten Technik konnten Tonsignale zusammen mit Bildern über eine Lichttonkamera auf eine Filmrolle gebannt werden (siehe Bild).

Ton von zwei Seiten, also Stereoton, wurde 1940 erstmals von Disney eingesetzt. In den 70ern folgte das so genannte Dolbysystem zur Rauschunterdrückung. Für eine weitere tontechnische Neuerung sorgte Lucas-Film Ende der 80er. Mit dem ausgeklügelten THX-Verfahren eroberte eine ungeahnte Klangfülle die Kinos.

Nic 02.10.2002 / Abbildung: Plakat Warner Brothers/Lichttonspur: Wapcaplet/GFDL

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