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René Magritte Maler des Vieldeutigen

Berühmte Personen

René Magritte Maler des Vieldeutigen

Am 21. November 1898 wurde René Magritte als ältester von drei Brüdern in der belgischen Stadt Lessines geboren. Als er 14 Jahre alt ist, bringt sich seine Mutter um, indem sie in den nahen Fluss springt. Magritte findet die Leiche.

Von 1916-1918 studiert er an der Brüsseler Akademie der Schönen Künste und verdient seinen Lebensunterhalt als Musterzeichner in einer Tapetenfirma sowie als Plakat- und Werbemaler. 1922 heiratet er Georgette Berger, die er bereits seit Kindertagen kennt und für einige Jahre aus den Augen verloren hatte. Nach einer zufälligen Begegnung im Botanischen Garten in Brüssel bleibt er sein Leben lang bei ihr.


Vorbild Giorgio de Chirico

Foto rechts: Giorgio de Chirico

1923 lernt er die Bilder des zehn Jahre älteren italienischen Malers Giorgio de Chirico kennen, die einen starken Einfluss auf ihn ausüben. Chirico malt traumähnliche, nahezu menschenleere Stadtansichten, in denen nur vereinzelt menschliche Schatten auftauchen. In anderen Werken stellt er verschiedene Gegenstände zusammen, die keinen logischen Zusammenhang miteinander haben.

Heute gelten de Chirico und seine Mitstreiter der pittura metafisica (metaphysische Malerei) als Vorläufer des Surrealismus. Auch sie wollten in ihrer Kunst etwas ausdrücken, das jenseits des sinnlich Erfahrbaren liegt und in dem sich eine geheimnisvolle Wirklichkeit verbirgt.


Surrealistische Sichtweisen

Foto: Installation eines Gemäldes von Magritte auf einer Häuserfassade.

Auch Magritte möchte mit seinen Bildern die Sehgewohnheiten seiner Mitmenschen erschüttern. Alltagsgegenstände bringt er deshalb in völlig ungewöhnliche Zusammenhänge und verändert die Größen des Dargestellten so, dass unwirklich scheinende Kompositionen entstehen. Genau das ist nämlich auch das Ziel des Surrealismus, der wörtlich Überwirklichkeit heißt.

Magritte wendet sich gegen die Interpretation seiner Werke als Symbole. Ein Bild sei ein Bild und auch nicht etwa die dargestellte Sache selbst. Dies zeigt er mit seiner Serie von Gemälden, auf denen ein Gegenstand wie etwa ein Schuh, eine Kerze oder ein Hammer zu sehen ist. Darunter steht ein ganz anderer Begriff.

Unter dem Schuh steht Mond, unter der Kerze Fußboden und unter dem Hammer Wüste (jeweils auf Französisch). Am bekanntesten ist sein Bild einer Pfeife unter dem steht Das ist keine Pfeife (im Original auf Französisch: Ceci n'est pas une pipe). Er nennt es Verrat der Bilder und erläutert es folgendermaßen:

Ein Bild ist nicht zu verwechseln mit einer Sache, die man berühren kann. Können Sie meine Pfeife stopfen? Natürlich nicht! Sie ist nur eine Darstellung. Hätte ich auf mein Bild geschrieben, dies ist eine Pfeife, so hätte ich gelogen. Das Abbild einer Marmeladenschnitte ist ganz gewiss nichts Essbares.

Auch als Traumbilder will er seine Werke nicht verstanden wissen, denn sie sollen den Betrachter nicht einschläfern, sondern aufwecken.


Ein Leben für die Malerei

Ab 1926 kann Magritte sich ganz der Malerei widmen, da er einen festen Vertrag mit einer Galerie bekommt. Er lernt weitere surrealistische Künstler wie Paul Eluard, André Breton und Salvador Dalí kennen.

Sein Leben lang hat Magritte im Gegensatz zu anderen Surrealisten, die auch mit neuen Kunstformen wie Kollagen experimentierten, fast ausschließlich Gemälde angefertigt. Erst kurz vor seinem Tod im Jahr 1967 zeichnete er erstmals Entwürfe für Skulpturen. Er starb am 15. August 1967 überraschend an Krebs.

Foto: Magritte-Museum in seinem ehemaligen Wohnhaus in Brüssel.

Bis heute gehört Magritte zu den bekanntesten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Seine Bilder beeinflussten die Pop-Art der 1960er Jahre.



Text: Liane Manseicher; Fotos: Magritte-Museum (Wohnhaus) und Installation am neuen Magritte-Museum: Warburg: GFDL; Buchcover Magritte Mann mit Apfel: Belser Verlag; Cover Silhouette mit Mond: Prestel Verlag; Buchcover Taube und Cover Apfel: Taschen Verlag; G. de Chirico: Carl van Vechten: pd.

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