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MTV: Die "Mutter" aller Musiksender wird 30

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MTV: Die "Mutter" aller Musiksender wird 30

Ob Viva, Deluxe oder tape.tv Musikvideos laufen heute auf allen Kanälen und im Internet sowieso. Doch es gibt einen Sender, der diese Entwicklung erst möglich gemacht hat: MTV (Abkürzung für Music Television), das erste Musikfernsehen der Welt. Gesendet wird seit dem 1. August 1982 von der Hauptzentrale am New Yorker Times Square.



Foto: Als erstes Video auf MTV liefen die "Buggles" mit "Video killed the radio star"
Auch wenn Du es Dir kaum vorstellen kannst: Damals waren Musikvideos nicht ständig online oder mobil verfügbar. Solche Clips kamen gerade erst auf den Markt. Die Idee dazu hatte der damalige Sänger der Band Monkees während einer Tournee. Er suchte eine Möglichkeit, wie er bei den Fans präsent sein konnte ohne ständig von Show zu Show tingeln zu müssen. Der Videoclip war geboren!

  
Clips als geniale Verkaufsstrategie

Das allererste Video auf MTV war passenderweise Video killed the radio star (übersetzt: der Videoclip tötete den Radiostar) von The Buggles. MTV Europe ging genau fünf Jahre später von London aus auf Sendung. Der erste gezeigte Clip war "Money for Nothing" von den Dire Straits. Es war auch der erste Computergenerierte Clip der Welt. Zu Beginn hatte MTV nur eine geringe Auswahl an Videos im Programm. Doch schnell begriff die Musikindustrie, dass sich Popmusik über bunte Bilder besser verkaufen ließ.



 Stars werden geboren
Foto: So sahen die MTV-Moderatoren der ersten Stunde aus 
   
Doch die Clips waren nicht nur dazu da, um die Umsätze zu steigern, sondern gaben den Musikern die Möglichkeit, sich selbst zu präsentieren. Sie konnten ein Image, also ein bestimmtes Bild, von sich entwerfen und verkaufen. Stars wie Michael Jackson, dessen Video Thriller weltberühmt wurde oder Madonna, die gern mit schrillen Outfits und anrüchigen Tanzeinlagen provozierte, sorgten für Gesprächsstoff bei den Jugendlichen.

Wer es gar schaffte, dass sein Video wegen zweifelhafter Inhalte verboten wurde, etwa der Österreicher Falco mit Jeanny, konnte sich der besonderen Aufmerksamkeit der Medien gewiss sein.

Videojockeys als Idole

Auf MTV entwickelte sich auch ein neuer Berufszweig. Angelehnt an die Discjockeys (DJs), die in Diskotheken und Clubs auflegten, hießen die Präsentatoren von Musikclips Videojockeys (VJs, bei weiblichen Vjanes). Der Engländer Ray Cokes oder die Hamburgerin Kristiane Backer, die für MTV am Mikro standen, wurden selbst zu Stars und zu Idolen einer ganzen Generation.

Schnelle Schnitte, wackelige Bilder
 
Foto: "Beavis und Butthead" - die beiden Comic-Fieslinge hatten Kultstatus auf MTV und liefen von 1993 bis 1997
MTV sollte nicht nur die Musikindustrie, sondern auch die Sehgewohnheiten der TV-Zuschauer revolutionieren. Der Sender mit der atemberaubend schnellen Schnitttechnik und der wackeligen Kamera sorgte zuerst einmal dafür, dass sich die Zuschauer verwundert die Augen rieben. Doch schnell wurde MTV stilprägend mit seiner besonderen Ästhetik (aus dem Altgriechischen, bedeutet Wahrnehmung, Empfindung"). Selbst Filmregisseure orientierten sich daran.

Bis 1997 gab es MTV nur auf Englisch

Und noch etwas war neu und besonders. MTV sendete zunächst ausschließlich auf Englisch, auch in Deutschland, was dem Sender eine internationale, coole Note verlieh. Erst ab 1997 gab es mit MTV Central, dem Vorläufer von MTV Germany, die deutsche und damit auch deutschsprachige Ausgabe des ursprünglich amerikanischen Musikfernsehens.

Raab & Co. begannen Karriere beim Musikfernsehen

Auch zahlreiche heutige Schauspieler, Moderatoren oder sonstige Showgrößen haben bei MTV oder der damaligen Konkurrenz VIVA angefangen. Charlotte Roche etwa, mittlerweile erfolgreiche Schriftstellerin, Schauspielerin Heike Makatsch, Comedian Oliver Pocher oder Pro-7-Allzweckwaffe Stefan Raab.

Kultserien

Daneben ist MTV auch die Geburtsstätte zahlreicher Kultserien: Während die Comicfiguren Beavis und Butthead in den 90ern ihre fiesen Späße trieben, folgte unter anderem 1997 die Zeichentrickserie Southpark, 2002 die verrückte Stuntsendung Jackass, 2004 die Kuppelserie Date my Mum oder 2005 die Auto-Styling-Show Pimp my Ride , in der Autos aufgemotzt wurden.

"MTV Unplugged" - Ritterschlag für jeden Musik



Foto: Bis heute ist es eine Ehre für jeden Musiker, der bei MTV ein Unplugged-Konzert geben darf, wie hier der verstorbene Nirvana-Frontmann Kurt Cobain  


Trotz zahlreicher erfolgreicher Serien spielte Musik bis um die Jahrtausendwende die unangefochtene Hauptrolle bei MTV. Über die aktuellen Clips, Chartshows, Stylemagazine und Wunschsendungen hinaus ist die Live-Reihe MTV unplugged bis heute legendär. Für jeden Musiker ist es gewissermaßen ein Ritterschlag, ein Konzert ohne Strom, das heißt, nur mit akustischen Instrumenten begleitet, geben zu dürfen. Riesenerfolge waren die Auftritte von Altmeister Eric Clapton, der Grunge-Ikone Kurt Cobain, Bruce Springsteen, den Sportfreunden Stiller oder erst 2011 Panikrocker Udo Lindenberg.

Eine Bühne für die Stars


Foto: Stars wie Lady Gaga mischen heute Großveranstaltungen wie die MTV Video Music Awards auf.

Berühmt ist MTV auch für seine großangelegten Preisverleihungen, die MTV Video Music Awards (VMA) und die MTV Europe Music Awards (EMA). Hier können sich Stars auf der ganz großen Bühne in Szene setzen, wissend, dass Millionen Menschen rund um den Globus an den Bildschirmen hängen. So manch kalkulierter Skandal wurde hier aufgeführt, etwas der inszenierte Zungenkuss von Madonna und Britney Spears 2003 oder das berühmte Fleischkleid von Lady Gaga 2010.

Musik rückt in den Hintergrund

Kritiker werfen MTV inzwischen vor, dass der Sender in den letzten Jahren immer mehr seinen ursprünglichen Charakter eingebüßt hat. Es laufen zunehmend Comedy- und Realityserien, fast alle Musikshows wurden samt ihrer VJs zu VIVA ausgelagert, inzwischen nicht mehr Konkurrenz, sondern Schwesternsender. Kein Wunder, dass das Music Television mittlerweile aus dem Logo von MTV verschwunden ist.

Pay TV seit 2011

Dazu kommt die Umwandlung zum Pay-TV-Sender. Wer MTV in Deutschland sehen möchte, muss seit Anfang 2011 extra in die Tasche greifen. Zahlende Fans scheint es dennoch genügend zu geben. Schauten 2011 noch 2,5 Millionen zu, hat der Sender mittlerweile 3,4 Millionen Abonnenten.

Nic - 31.8.2012/ Fotos: Pressefotos MTV Networks, ©2010 Viacom International Inc All Rights Reserved

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