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Leni Riefenstahl ist tot

Berühmte Personen

Leni Riefenstahl ist tot

Leni Riefenstahl war ein außergewöhnlicher Mensch. Mit ihrer Technik hat sie die Film- und Fotokunst revolutioniert. Dennoch ist sie eine der umstrittensten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts gewesen. Denn ihre berühmtesten Filme unterstützten das NS-Regime. Am Abend des 8. September ist sie im Alter von 101 Jahren gestorben.

Der Beginn ihrer Karriere

Am 22. August 1902 wurde Leni Riefenstahl in Berlin geboren. Sie studierte an der Berliner Kunstakademie Malerei und Zeichnung und machte gleichzeitig eine Ausbildung zur Balletttänzerin. Sie wurde vom berühmten Max Reinhardt als Solotänzerin für das Deutsche Theater Berlin engagiert. Doch eine Knieverletzung zwang sie, den Tanz aufzugeben. So startete sie ihre zweite Karriere als Schauspielerin.

Leni Riefenstahl als Schauspielerin

Der Regisseur Arnold Fanck entdeckte Leni Riefenstahl für den Film. Sie spielte in zahlreichen Berg- und Abenteurfilmen mit. Ehrgeizig und perfektionistisch wie sie bei allem war, was sie tat, lernte sie Klettern und Ski fahren. Selbst noch so gefährliche Szenen bewältigte sie selbst. Oft drehte sie an der Seite von Bergidol Luis Trenker. Die Filmtitel: "Der heilige Berg" (1926), "Der große Sprung" (1927), "Die weiße Hölle vom Piz Palü" (1929), "Stürme über dem Mont Blanc" (1930), "Der weiße Rausch" (1931), "Das Blaue Licht" (1932) und "SOS-Eisberg" (1933).

Während der Dreharbeiten ließ sie sich auch die Arbeit hinter der Kamera erklären. Sie interessierte sich für das Schneiden und die Kamera- und Regiearbeit. Sie gründete eine eigene Produktionsfirma.

Leni Riefenstahl hinter der Kamera

Bei dem Film "Das blaue Licht" spielte die vielseitige Künstlerin nicht nur die Hauptrolle, sondern führte auch Regie. Der romantische Bergfilm, in dem sie das Licht schon auf ihre typische, mystische Weise einsetzte, gewann die Silbermedaille auf dem Festival in Venedig. Adolf Hitler wurde auf Leni Riefenstahl aufmerksam und traf sich zum ersten Mal mit ihr.

Leni Riefenstahl und der Nationalsozialismus

Nachdem die Nationalsozialisten die Macht übernommen hatten, beauftragte Hitler 1933 die Regisseurin einen Film über den Nürnberger Reichsparteitag zu drehen. Der Film hieß "Sieg des Glaubens" und sollte die Nationalsozialistische Arbeiterpartei idealisieren.

1934 drehte sie "Triumph des Willens" über den NS-Parteitag. Es wurde ein Propagandafilm, der sich völlig neuer technischer Mittel bediente. Leni Riefenstahl beherrschte die Kunst, mit bestimmten Kameraeinstellungen, mit dem Spiel des Lichts, mit Tempo und Schnitt eine ganz bestimmte Stimmung hervorzurufen. Der Einsatz dieser Mittel war neu. Die Teilnehmer, der Führer alles wurde in einer verklärten, mystischen Weise gezeigt. Hitler setzte diesen Film dazu ein, für seine Partei, die NSDAP Werbung zu machen.

Dann entstanden die beiden Olympia Filme "Fest der Völker" und "Fest der Schönheit". Für die Aufnahmen der Sportler entwickelte die Regisseurin neue Techniken. Sie installierte Kameras in die Sprunggrube, um Weitspringer aus einer völlig neuen Perspektive zu zeigen. Sie suchte ungewöhnliche Perspektiven und idealisierte den Körper des Athleten nach dem Vorbild der antiken griechischen Wettkämpfer. Adolf Hitler nutzte diese Filme zu Propagandazwecken.

Während des Zweiten Weltkriegs drehte Leni Riefenstahl keine Filme mehr.

Die Nachkriegszeit

Nach dem Krieg setzte die Diskussion um ihre Arbeit ein. Zum einen erkannten alle das unglaubliche filmische und filmtechnische Können, ihre Perfektion und ihren Erfindungsreichtum an. Aber man warf ihr vor, genau all diese Fähigkeiten in den Dienst Adolf Hitlers gestellt zu haben. Leni Riefenstahl selbst bestritt, von den Greueltaten des Naziregimes gewusst zu haben. Für sie habe immer nur das Schöne und Reine gezählt. Ihre Karriere schien beendet. Nach einigen erfolglosen Filmprojekten wandte sie sich immer stärker der Fotografie zu.

Bei den Nubi und mit 70 Jahren zum Tiefseetauchen

Von 1962 bis 1972 hatte Leni Riefenstahl immer wieder lange Reisen zum Stamm der Nuba in den entlegensten Sudantälern unternommen. Sie studierte ihre Lebensweise und ihre Tradtionen. Sie lebte mit den Nuba, erlernte ihre Sprache und erarbeitete außergewöhnliche und große Fotoserien, die sie ab 1973 veröffentlichte.

Im Alter von 70 Jahren lernte Leni Riefenstahl das Tauchen. Die Schönheit der Unterwasserwelt faszinierte sie ungeheuerlich. 1978 erschien ihr Bildband "Korallengärten", für den sie wieder sehr hohe Auszeichnungen erhielt.

Immer wieder wurde ihre Vergangenheit kritisch betrachtet, doch Leni Riefenstahl bestritt auch in ihren 1982 erschienen Memoiren jede politische Verantwortung für ihre Filme der NS-Zeit.

Im Jahr 2000, im Alter von 97 Jahren, reiste sie nochmals in den vom Bürgerkrieg zerrütteten Sudan. Sie wollte wissen, was aus dem Stamm der Nuba und ihren Freunden dort in der Zwischenzeit geworden war. Im Land wurde immer noch gekämpft. Als sie endlich in den Nubabergen ankam, musste sie wegen neuer Gefechte sofort wieder in einem Helikopter abreisen. Der Hubschrauber stürzte ab, Leni Riesntahl überlebte und kam in ein deutsches Krankenhaus.

Zahlreiche Ausstellungen widmeten sich dem Werk und der künstlerischen Leistung Leni Riefenstahls. Bis ins hohe Alter erhielt die Filmemacherin und Fotografin höchste Auszeichnungen. Doch gleichzeitig verkörperte Leni Riefenstahl wie kaum eine andere die tragische Verknüpfung von Politik und Kunst. Ihr Leben und ihre Arbeit werfen viele Fragen auf: Ist ein Künstler für das verantwortlich, was mit seiner Kunst gemacht wird? Kann und darf er nur seine Arbeit im Auge haben und alles um sich vergessen und ignorieren? Wie kann Kunst als Mittel der Macht missbraucht werden?

Fotografien und das Leben von Leni Riefenstahl gibt es auch auf ihrer Homepage: www.leni-riefenstahl.de.

-ab-20.08.02/Text, Fotos: Buchtitel: "MEMOIREN", Reprint: Köln, Taschen 2000. "DIE NUBA", Reprint: Frechen, Komet MA-Service Verlags GmbH 1999.

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