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Kopie oder Original - wie ein Kunsthistoriker die Herkunft eines Bildes bestimmt

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Kopie oder Original - wie ein Kunsthistoriker die Herkunft eines Bildes bestimmt

Seit 120 Jahren besitzt das Germanische National Museum in Nürnberg ein Portrait des niederländischen Malers Rembrandt. Lange Zeit galt es als Kopie eines Originals das in Den Haag hängt. Erst 1999 waren sich Experten einig: "In Nürnberg hängt das Original - in Den Haag die Kopie". In Nürnberg läuft noch bis 14. Oktober eine Ausstellung, die erklärt mit welchen wissenschaftlichen Methoden die Forscher zu diesem Ergebnis gelangt sind.

Oft ist es kaum möglich zu entscheiden, ob ein Bild tatsächlich von einem großen Meister selbst oder von einem seiner Schüler gemalt wurde. Um dies zu beurteilen, gingen Kunsthistoriker früher oft nach einer "einfühlsamen Methode" vor.

Heute versucht man durch intensive, wissenschaftliche Arbeit und eine klare Fragestellung Merkmale zu finden, die objektiv sind. Also Daten zu sammeln, die klare Hinweise auf den Maler geben. Aber das ist gar nicht so einfach.

In Nürnberg hängt so ein strittiges Gemälde. Lange glaubte man, es sei eine Kopie eines Bildes aus Den Haag. Nun denkt man, das Nürnberger Selbstportrait stammt tatsächlich von Rembrandt. Um zu diesem Ergebnis zu gelangen, mussten beide Gemälde sehr genau verglichen werden. Außerdem hat man noch Studien und Zeichnungen sowie ein drittes Bild zum Vergleich hinzugezogen. Dabei werden viele Dinge exakt analysiert:

Das Material

Wie sind die Farben zusammengesetzt? Welche Bestandteile findet man darin? Welches Holz verwendete Rembrandt als Tafel für seine Arbeit? Wie alt ist das Holz? Mit welchem Pinsel wurde gemalt? Welchen Rahmen bekam das Bild? Wie wird es fixiert?

Der Malstil

Wie malt der Künstler sein Gemälde? Gibt es Vorstudien? In welchem Duktus, also mit welcher Pinselführung? Hat das Bild die charakteristische Linie Rembrandts? Wie stellt er Haut dar? Wie benützt er Licht und Schatten für den Ausdruck und wodurch entstehen diese Effekte? Malt der Maler in Schichten? Gibt es eine genaue Vorzeichnung oder Untergrundzeichnung?

Die Biografie des Künstlers und seine Lebensumstände

Natürlich ist bei der exakten Datierung und Einschätzung eines Bildes auch wichtig zu wissen:
Gab es einen Auftraggeber? Aus welchem Grund hat Rembrandt das Bild gemalt? Was will er damit ausdrücken? War er in Geldnot? In Eile? Welche Schüler hatte er in seiner Werkstatt? Wozu malte er das Bild?

All das sind Fragen, die sich die Wissenschaftler stellen und zum Teil bekommen sie dank wissenschaftlicher Methoden auch Antworten, die sie wie ein Puzzle aneinanderlegen - um so zu erkennen, was ist Original - und was Kopie.

(ab - 13.08.2001, Fotos: Liane Manseicher, mit freundlichem Dank an das GNM. Die Ausstellung des Germanischen National Museums Nürnberg, "In Rembrandts Werkstatt" ist noch bis 14. Oktober 2001 zu sehen.)

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