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Jürgen Klinsmann wird Trainer des FC Bayern München

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Jürgen Klinsmann wird Trainer des FC Bayern München

Am 11. Januar 2008 teilte der FC Bayern München mit, dass Jürgen Klinsmann zum 1. Juli Trainer der Profimannschaft wird. Klinsmann hatte zuletzt in den USA gelebt und wird bald nach Deutschland zurückkehren. Seinen Fans ist er als Trainer der Deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2006 noch in bester Erinnerung.

Als Bundesligakicker und Nationalspieler war Jürgen Klinsmann über Jahre hinweg megaerfolgreich. Europameister, Weltmeister, Torschützenkönig der Bundesliga, UEFA-Cup-Gewinner und bei großen internationalen Clubs unter Vertrag. Als Nationaltrainer bescherte er den deutschen Fußballfans 2006 das berühmte Sommermärchen, auch wenn die Deutschen zuletzt doch nicht Weltmeister geworden sind.


Professionell
 
Seinen nationalen und internationalen Durchbruch feierte der Schwabe in der Saison 1987/88: Er gab sein Debüt in der Nationalmannschaft, wurde Torschützenkönig und zum Fußballer des Jahres gekürt. Nach seinem Vertragsende bei den Stuttgarter Kickers ein Jahr später, folgte Klinsmann dem verlockenden Ruf von Inter Mailand nach Italien. Dabei wurde deutlich wie diszipliniert und professionell er seine Karriere vorantrieb: Schon an seinem ersten Trainingstag bei Inter konnte er sich mit dem Trainer auf Italienisch unterhalten, weil er zuvor Sprachunterricht genommen hatte. Weitere Auslandsstationen in der Karriere des Jürgen Klinsmann waren Monaco, Genua und englische Vereine.
 
Als "Diver" zum Publikumsliebling
 
Bei den "Tottenham Hotspurs" gewann Klinsmann die Herzen der britischen Fans mit Humor, den ihm vorher kein Mensch zugetraut hätte. Zunächst verspotteten ihn die Zuschauer abfällig als "Submarine Commander" ("U-Boot-Kommandant") und "Diver" (Taucher), weil er sich bei Fouls in theatralischer Art auf den Boden fallen ließ. Doch er verstand es, dem Publikum den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem er kurz darauf den "Diver" als neue Art des Torjubels "erfand" und sich nach jedem Treffer bäuchlings über den Rasen gleiten ließ. Weil er sich selbst so schön auf die Schippe nehmen konnte, liebten ihn die Engländer von nun an, erfanden sogar einen Klinsmann-Fangesang und wählten ihn 1995 zum Fußballer des Jahres.
 
Plötzlich beim FC Bayern
 
Trotz seiner Beliebtheit auf der Insel wechselte Klinsmann schon nach einer Saison nach München. Das wird ihm von manchen Fans noch immer übel genommen. Schließlich hatte "Flipper", wie er in Bayern wegen seiner zuweilen unkontrollierten Ballannahme genannt wurde, einmal öffentlich erklärt, nie im Leben bei den Bayern zu spielen. 1997 sorgte der temperamentvolle Stürmer dann für eine denkwürdige Szene auf dem Rasen. Weil er von Trappatoni kurz vor Schluss gegen einen Amateur ausgewechselt wurde, beschimpfte er den italienischen Trainer nicht nur wüst in dessen Landessprache, sondern trat aus Wut gegen eine Werbetonne.
 
Souverän als Kapitän
 
Mit Humor verabschiedete sich Klinsmann ein Jahr später aus dem Profifußball, indem er genau diese Geste parodierte. Es war sein letztes Spiel in der englischen Premier League. Trotz oder gerade wegen seiner offen gezeigten Emotionen war Klinsmann seit jeher bei vielen Fans beliebt. Selbst wenn er das Publikum mehr als einmal mit nicht nachvollziehbaren Handlungen vor den Kopf gestoßen hat. Doch mit enormer Einsatzfreude und einer souveränen Leistung als Mannschaftskapitän bei der EM 1996 erarbeitete er sich selbst bei seinen Kritikern Respekt.


Rekord-Bilanz als Spieler


Jürgen Klinsmann war 1995 in England "Fußballer des Jahres". In Deutschland erhielt er diesen Titel in den Jahren 1988 und 1994. 1995 wurde er von der IFFHS zum Welttorjäger ernannt.
Insgesamt bestritt er 221 Bundesliga-Spiele und traf durchschnittlich in jedem zweiten Spiel einmal ins Tor (110 Tore). In der Nationalmannschaft machte er 108 Spiele und schoss 47 Tore. Außerdem schoss er bei den WM-Endrunden 1990, 1994 und 1998 insgesamt 11 Tore und ist damit nach Gerd Müller (14) der deutsche Spieler mit den meisten WM-Toren.
Sein größter Erfolg war der Sieg mit der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft 1990 in Italien.
 
Rückzug nach Amerika
 
Nach Ende seiner Spielerkarriere zog sich Jürgen Klinsmann, der mit seiner Frau Debbie und den Kindern Jonathan und Laila in den USA lebte, zunächst aus dem öffentlichen Fußballleben zurück. In Amerika organisierte er als Repräsentant einer Sportfirma die Fußballförderung an den US-Highschools und machte im Schnellverfahren seinen Trainerschein. Außerdem unterstützte er die "Stiftung Jugendfußball" und gründete das Kinderhilfswerk "Agapedia". 


Die Fußball-WM 2006
 
2004 übernahm Klinsmann das Amt des Trainers der deutschen Nationalmannschaft und führte sie bei der Weltmeisterschaft 2006 auf den dritten Platz. Nach der WM ließ er seinen Vertrag als Bundestrainer nicht verlängern. Bislang widmete er sich hauptsächlich seiner Sportconsulting-Agentur SoccerSolutions in den USA.


Zurück zum FC Bayern


Die Meldung, dass Klinsmann ab Juli den FC Bayern trainieren wird, haben viele Fußball-Fans in Deutschland zunächst als Scherz aufgefasst und wollten es nicht glauben. Erst als der Verein am Nachmittag eine Pressekonferenz ansetzte war klar, dass es stimmt. Selbst für Bundestrainer Jogi Löw war Klinsmanns Verpflichtung eine Überraschung. Obwohl er sich nach Telefonaten mit dem Freund schon Monate vorher sicher gewesen war, dass Klinsmann sehr schnell wieder auf eine Trainerbank zurückkehren werde. Er sieht in dem Coup eine absolute Bereicherung für den deutschen Fußball und hält es für ein spannendes Projekt, dass ein ehemaliger Bundestrainer, der viel bewegt hat, einen deutschen Spitzenclub trainiert.
Noch Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld hat Uli Hoeneß zu dessen Entscheidung gratuliert. Jürgen Klinsmann kenne Bayern München und sei ein großer Motivator. Jetzt könne der Verein in Ruhe weiterarbeiten. Bayern-Präsident Franz Beckenbauer betonte, dass Klinsmann mit seinen neuen Methoden bei der Nationalmannschaft Erfolg gehabt hatte und gab sich zuversichtlich, dass er auch beim FC Bayern erfolgreich sein werde.

Text: nic/rr 14. 1. 2008, Foto: DFB

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